Cinestrange 2016

im C1 in Braunschweig

im C1 in Braunschweig

Festivalbericht: Das Genre-Filmfestival Cinestrange lockte im September 2016 wieder einmal die Genrefans für eine Woche nach Braunschweig. Das Festival feierte in diesem Jahr sein fünfjähriges Bestehen. Dabei ist es im großen Mainstream-Kino C1 in Braunschweig sichtlich heimisch geworden, nachdem es die ersten zwei Jahre in Dresden stattgefunden hatte. In einem etwas abgetrennten Bereich im Kino mit zwei angrenzenden Kinosälen versammelten sich alle Festivalbesucher in der dafür arrangierten Lounge mit Getränkestand, DJ-/ Vortrags-Pult und Tanzfläche. Das Programm verteilte sich dabei großzügig über die Abende in der Woche und über den kompletten Samstag und Sonntag. Auch dieses Mal widmete das Cinestrange seine Aufmerksamkeit verschiedenen Regisseuren und Thematiken. Ebenso wie im letzten Jahr gab es neben der Sichtung von aktuellen Filme und Genre-Klassikern viele weitere Veranstaltungen. Neben geselligen Treffen und Tanzabenden gab es Werkstattgespräche und Vorträge, die zum Besuch einluden.

John Landis bei der Übergabe des Cinestrange-Awards

John Landis bei der Übergabe des Cinestrange-Awards

Der berühmteste Gast auf dem diesjährigen Cinestrange war der amerikanische Regisseur John Landis (*1950), welcher sich mit Filmen wie “Blues Brothers” (1980), “Die Glücksritter” (1983), “Twilight Zone” (1983) und “American Werewolf” (1981) einen Namen gemacht hat. In der Retrospektive konnte der gewillte Zuschauer vier ausgewählte Filme des Regisseurs ansehen. Besonders gelungen war der Blues-Brothers-Abend mit einem Vortrag von Prof. Dr. Ivo Ritzer über John Landis und der dazugehörigen Ehrung des Regisseurs. Als Vorfilm gab es das berühmte Musikvideo “Thriller” (1983) von Michael Jackson, das ebenfalls unter Landis’ Regie entstanden ist. Angereist war er mit seiner Frau, der Kostümdesignerin Deborah Nadoolman Landis, welche auch einen hohe Prominenz im Filmbusiness besitzt und ihre Erfahrungen in einem Vortrag zum Thema “Motion Picture Design” auf zum Besten gab.

Marc L. Lester im Gespräch

Marc L. Lester im Gespräch

Der zweite Regisseur, der auf dem Filmfestival große Aufmerksamkeit bekam, war Mark L. Lester (*1946). Er war während des ganzen Festivals immer vor Ort und stets gesprächsbereit. Der Amerikaner hat in seiner bisherigen Laufbahn bereits über 40 Filme gedreht und wird doch den wenigsten als Name ein Begriff sein. In den 80er Jahren schuf er aber Werke, die sich auch heute noch bei einem bestimmten Fankreis großer Beliebtheit erfreuen wie “Das Phantom Kommando” (1985), “Die Klasse von 1984” (1982) und “Showdown in Little Tokyo” (1991). Die Vortrags-Ehrung, welche von Prof. Dr. Marcus Stiglegger gehalten wurde, war wie immer informativ und unterhaltsam. Lester schien das Festival sichtlich zu genießen und konnte die Besucher mit seiner guten Stimmung anstecken.

Entspannte Stimmung im Kinosaal

Entspannte Stimmung im Kinosaal

Ein weiterer Gast war das ehemalige James Bond-Girl Caroline Munro. Den Genrefans ist sie vor allem aus dem Horrorfilmklassiker “Maniac” (1980) und durch ihren Auftritt als Helikopterpilotin in “Der Spion, der mich liebte” (1977) bekannt. Ihr zu Ehren konnte man die Filme “Captain Kronos – Vampirjäger” (1974) und “Star Crash – Sterne im Duell” (1978) sichten. Der letztgenannte Film von Luigi Cozzi geht dabei stark in die Trashfilm-Richtung und vertrug sich so sehr gut mit anderen trashigen Festivalbeiträgen wie den Filmen “Fliegende Untertassen greifen an” (1956), “Bunny the Killer Thing” (2015) und “Sharknado 4” (2016).

Ein weiterer Schwerpunkt des Festivals war zudem wieder der Wettbewerb, in dem sieben Langfilme und sieben Kurzfilme gegeneinander antraten. Dieser eigentlich spannende Teil des Festivals wurde in den letzten Jahren immer weiter vernachlässigt und lässt ein gewisse Kuratierung vermissen. Zudem hat das gewillte Publikum auch nicht die Möglichkeit alle Wettbewerbsbeiträge zu sichten, da sie sich zeitlich überschneiden. Gewonnen haben der amerikanische Langfilm “The Hollow One” (2015) sowie der italienische Kurzfilm “They will all die in Space” (2015). Ergänzt wurde das Festivalprogramm mit aktuellen Filmen wie “Martys” (2015) und “Blood on Mélies Moon” (2016), mit einem Dokumentationsblock mit Filmen wie “Banned Alive” (2015) und “Eva.S – Die Nationalistin” (2016) und auch in diesem Jahr wieder mit einer genre-orientierten Auswahl des Landshuter Kurzfilmfestivals.

Gespannte und redselige Stimmung im Foyer

Gespannte und redselige Stimmung im Foyer

Im Gesamten war das diesjährige Cinestrange-Filmfestival vor allem wieder für Menschen reizvoll, welche den Kontakt zu Prominenz und den “Hinter den Kulissen”-Aspekt auf Filmfestivals besonders spannend finden. Neben den Filmen gab es viele Möglichkeiten Kontakt aufzunehmen, Werkstattgesprächen und Vorträgen zu lauschen und sich auf Partys auszutoben. Der Besucher, der sich aber vor allem ein gut kuratiertes Programm erhoffte, wurde an manchen Stellen enttäuscht. Das Programmheft gab oft nicht genügend Informationen her, um die Filme ohne Vorwissen richtig einschätzen zu können. Auch wären Trailer vor den Filmen für andere Festivalbeiträge eine große Hilfe gewesen. So konnte man als Zuschauer den richtigen Riecher haben und sich gut von Filmen wie “Let her out” (2016) unterhalten lassen oder sich bei dem Remake “Cabin Fever – The New Outbreak” (2016) sehr ärgern. Die Festivalbetreiber Dr. Michael Flintrop und die Brüder Marc und Carsten Fehse haben einen klaren Fokus auf das Zusatzprogramm und den Prominenzfaktor gelegt. Das ist ein solides Konzept und wird viele Fans glücklich machen. Doch der einfache Filmbetrachter, der hofft, hier die besten Perlen des Genrefilms 2016 zu sehen zu bekommen, wird vermutlich die ein oder andere Enttäuschung erleben. So wäre es wünschenswert, wenn in den folgenden Jahren der aktuelle Film wieder mehr an Bedeutung gewinnen würde. Ohne Frage ist es aber trotzdem immer wieder fabelhaft einen Regisseur (wenn auch aus einer vergangenen Zeit) und dessen Œvre kennenzulernen, vor allem wenn es ausführlich wie in den Jahren zuvor präsentiert wird. Das Cinestrange 2016 hat wieder Spaß gemacht und Braunschweig wird im nächsten Jahr bestimmt wieder Dresdner Gäste empfangen.

geschrieben von Doreen Matthei

Fotografien von Martin Jahn und Doreen Matthei

Quelle: Festival-Programmheft vom Cinestrange 2016
und Cinestrange Website

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