“Im Namen meiner Tochter – Der Fall Kalinka” (2016)

© Koch Media

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Filmkritik: Von Zeit zu Zeit erscheinen Filme, die Fälle der jüngeren Rechtsgeschichte aufgreifen. Diese Themen sind meist über eine längere Zeit medial präsent gewesen und bekommen durch den Film eine Art Zusammenfassung. Unter den jüngeren Beispielen befinden sich Filme wie “Die Augen des Engels” (2015) von dem Regisseur Michael Winterbottom, der sich mit dem Fall von Amanda Knox auseinandersetzt und “3096 Tage”, der von Natascha Kampuschs Fall erzählt. Der neueste Film des französischen Regisseurs Vincent Garenq – “Im Namen meiner Tochter – Der Fall Kalinka” (OT: “Au nom de ma fille”, Frankreich/Deutschland, 2016) behandelt ebenfalls ein Thema der neueren Zeit und beschäftigt sich mit einem Fall, der 30 Jahre lang in der deutschen und französischen Presse präsent war.

© LGM CINEMA / Guy Ferrandis

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Im Jahr 1982 lebt der Finanzfachmann Andre Bamberski (Daniel Auteuil) bereits getrennt von seiner Frau Dany (Marie-Josée Croze). Diese nimmt die beiden gemeinsamen Kinder Richard und die 14-jährige Kalinka in den Ferien mit nach Lindau am Bodensee, wo sie mit ihrem neuen Lebensgefährten Dr. Dieter Krombach (Sebastian Koch) lebt. Als Kalinka über Nacht plötzlich verstirbt, kann Bamberski dies aufgrund der schlecht durchgeführten Autopsie und des suspekten Verhaltens von Krombach nicht auf sich ruhen lassen und beginnt einen Jahrzehnte andauernden Rechtsstreit, weil er davon überzeugt ist, dass Krombach seine Tochter ermordet hat.

© LGM CINEMA / Guy Ferrandis

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Der Film basiert auf dem 2010 erschienenen Buch “Pour que justice te soit rendue” von André Bamberski. Der Regisseur Vincent Garenq, welcher bisher viel für TV-Serien gearbeitet hat und selber mehrere Dokumentationen und drei Spielfilme realisiert hat, war schon bevor das Buch erschienen ist immer an dem Fall interessiert. Da er aber nach seinem letzten Spielfilm “Haftbefehl – Im Zweifel gegen den Angeklagten” (2011) nicht gleich noch einen juristischen Film drehen wollte, hatte er sich vorgenommen das Buch nicht sofort nach der Veröffentlichung zu lesen. Doch er konnte sich selbst nicht dran halten und hatte so den Stoff für sein nächstes Projekt gefunden. Der autobiographische Roman diente nicht nur als Vorlage, um den konkreten Fall wiederzugeben, sondern auch um bestimmte Fragen zu thematisieren. Es geht ihm darum auszuloten, wie weit man gehen darf für Gerechtigkeit und inwieweit ein lange währender Prozess das eigene Leben verändert. Gerade die Halsstarrigkeit, die Bamberskis Taten ausmachen, und die komplette Hingabe für den Kampf faszinierten ihn. Dabei versucht er aber nicht die Position Bamberski zu verklären, sondern lässt die Möglichkeit für einen Irrtum offen. Auch fand er das Thema Vaterschaft ausschlaggebend für die Wahl des Stoffes. All seine bisherigen Filme beschäftigen sich mit diesem Thema, so wie sie auch alle einen realen Hintergrund besitzen. Garenq hält die Realität für einen sehr fruchtbaren Boden zum Schreiben. Die Vorlage muss die richtige Materie besitzen sowie Überraschungen und Wendungen bieten. All das setzt der Film gut um. “Im Namen meiner Tochter – Der Fall Kalinka” erzählt fast geradlinig mit einigen Zeitsprüngen die Geschichte Bamberskis und seines Kampfes. Die Länge und die Anstrengungen des Rechtsstreits sind fühlbar, aber werden durch neue Aspekte nie langweilig. Zwar bekommt man als Betrachter das Gefühl, dass schon wieder eine Hürde zu überwinden ist, aber genau dieser anstrengende Prozess sollte eingefangen werden. Formal ist der Film gut umgesetzt und verankert mit seinen Settings die Geschichte in der Realität. Auch farblich hat er die Bilder der Geschichte angepasst. Die meisten Aufnahmen wirken gräulich. Im Gesamten ist der Film auf formaler Ebene sehr unauffällig und lässt der Geschichte selbst und seinen Darstellern den Raum sich zu entfalten. Die beiden Schauspieler Auteuil und Koch überzeugen in ihrer Darstellung. Vor allem Sebastian Koch schafft es die richtige Mischung aus Charme und Unberechenbarkeit zu transportieren. Der echte André Bamberski hat dem Film seinen Segen gegeben. Er spricht von einer guten Arbeit und das ist es auch. Der Film kann gute Unterhaltung liefern und hält die Spannung. Es ist aber vorteilhaft, dass das Zielpublikum eher ruhiges Schauspielerkino bevorzugt und sich vor allem für juristische Prozesse interessiert.

© LGM CINEMA / Guy Ferrandis

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Fazit: Der Spielfilm “Im Namen meiner Tochter – Der Fall Kalinka” erzählt nach einem autobiographischen Roman von einem wahren Ereignis, das seit den 80er Jahren immer mal wieder Gesprächsstoff in den Medien waren. Dabei bleibt der Regisseur Garenq nah an der Realität und achtet viel auf Authentizität. Herausgekommen ist ein solider Film, der die Spannung halten kann und vor allem Fans von Gerichtsfilmen überzeugen wird.

Bewertung: 6,5/10

Kinostart: 20.10.2016

geschrieben von Doreen Matthei

Quelle: Pressematerial von Koch Media

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