Sieben Fragen an Cornelius Koch

Interview: Im Gespräch mit dem Animationskünstler und Filmemacher Cornelius Koch konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Der Tod des Filmemachers“ erfahren, der auf dem 31. Filmfest Dresden und den 30. Bamberger Kurzfilmtagen lief. Der Regisseur und Drehbuchschreiber berichtet von der Idee zur fertigen Realisation, was ihm wichtig war und warum er sich für das aufwendige Medium des Stop-Motion-Films entschieden hat.

Wie entstand die Idee zu Deinem Stop-Motion-Film „Der Tod des Filmemachers“?

Die Idee zum Film kam während der Produktion eines anderen Stop-Motion-Films. Ich habe mich gefragt, was passieren würde, wenn die Puppe das Filmset verlassen, aus der Szenerie heraustreten könnte und die ganze Technik begreift, die sie zum Leben erweckt. Aus dieser technischen Idee habe ich dann ein Drehbuch entwickelt, welches die Film-im-Film Idee aufgreift. Ergänzt wurde dies mit der Auseinandersetzung mit der Determinierung an die filmischen Rollen an das Drehbuch. Prinzipiell fand ich die Idee interessant, was passieren würde, wenn der Film aus der Perspektive des Antagonisten (der Superschurke) erzählt wird.

Man sieht Deinem Film die Liebe zum Genre an. Hast Du selbst Lieblings-Genre-Film oder ein Subgenre, was es Dir besonders angetan hat?

Die Verwendung des Agentenfilm-Genres, samt seiner Dekonstruktion, kam mit der Entscheidung die Charaktere des Films in eine artifizielle Welt zu verfrachten, welche wenig Andockpunkte mit der Lebenswelt des Publikum besitzt. Die stereotype Überhöhung des Agentenfilms in Gut und Böse, war der Ausgangspunkt der Film-im-Film-Geschichte und setzte den Grundstein für das Dilemma des Protagonisten Fred: „Wer bin ich? Kann ich mich verändern?“ Natürlich hat meine Liebe zum Agentenfilm (insbesondere der 60er und 70er Jahre) samt all seiner Klischees und Spielereien den Grund geliefert, mich mit dieser Welt näher auseinanderzusetzen. Beeinflusst wurde der Film allerdings auch von Filmemachern wie Spike Jonze („Being John Malkovich“) oder Peter Weir („Die Truman Show“), welche in ihren Filmen das narrative Erzählen selbst zum Thema machen.

Stop-Motion ist ein wunderbares Medium, aber mit viel Aufwand verbunden. Kannst Du mir zur Realisierung erzählen u.a. wie lange es gedauert hat, wie ihr die Sets entworfen habt und wie viele Menschen an dem Projekt beteiligt waren?

Stop-Motion ist ein sehr zeitaufwändiges Medium. Die Produktion hat ganze vier Jahre gedauert – und das quasi Vollzeit ohne nennenswerte Unterbrechungen. Als Low-Budget Studienabschluss-Projekt, war es nicht so leicht ein Team aufzubauen, welches so lange am Ball bleibt. So gab es viele wechselnde Helfer, je nachdem in welchem Produktionsabschnitt der Film gerade gesteckt hat. Die gesamten Arbeitsabläufe mussten während der Produktion erst noch gefunden und optimiert werden. Dabei war es wichtig neue Ideen zuzulassen, mit der Bereitschaft alte Fehlentscheidungen zu korrigieren. Trotz der vielen ehrenamtlichen Helfer, wurde der Großteil des Films von mir selbst realisiert: Vom Drehbuch über Kamera, Licht und Animation, bis hin zum Schnitt und Sound Design. Durch die verringerte Größe der Miniatursets, ist es bei einer Stop-Motion Produktion möglich, sämtliche Abteilungen einer Filmproduktion alleine abzudecken – vorausgesetzt man kann sich das zeitlich leisten.

Für den Bau der Sets wurde aus Kostengründen auf das Verfahren des Upcyclings zurückgegriffen: Ein Prinzip bei dem Schrott mit anderen Teilen kombiniert wird, um daraus etwas Neues zu generieren. Die Philosophie dahinter ist, Gegenstände aus ihren gewohnten Kontext zu nehmen, also ihrer ursprünglichen Funktion zu berauben, um dann ihre reine phänomenale Form zu begreifen und ggf. mit anderen Gegenständen zu kombinieren. Zu dieser Zeit gab es ein kleines Lager, wo Geschirrspülmaschinen, Elektroschrott, Fahrradteile, etc. ausgeschlachtet und wiederverwertet wurden. So entstanden aus Feuerlöschern Atombomben und aus Cola Dosen Säurefässer.

Kannst Du mir noch ein bisschen zur visuellen Ausgestaltung erzählen – was war Dir wichtig und beziehst Du Dich auf Vorbilder?

Um Kosten zu sparen und den Look der „Gemachtheit“ zu unterstreichen, wurde ein visueller Stil entwickelt, der bewusst rough angelegt ist. Die Ecken und Kanten, die kleinen Fehler sind gerade das, was meiner Meinung nach den Stop-Motion Film von den (geleckten) CG-Animationen unterscheidet. Im Film werden zwei Welten gezeigt – die Werkstatt und die Miniatur-Genre-Welt. Mir war es wichtig, dass die Miniatur-Welt eine Geschichte angedichtet bekommt. Dabei halfen die vielen Rost- und Schmutzflecke, die nach dem Bemalen der Gegenstände aufgetragen wurden. Für die Werkstatt war die visuelle Ausgestaltung ein ganz anderer Prozess. Der Produktionsmüll (Fehlversuche, kaputte Pinsel, usw.) wurde aufgehoben, um diesen für die Bilder in der Werkstatt als authentische Requisiten einsetzen zu können.

Die Überfrachtung der Sets mit Details verhält sich dabei so, wie die Verwendung der vielen Klischees im Film. Oder wie es Umberto Eco ausgedrückt hat: „Zwei Klischees sind lächerlich, hundert Klischees ergreifend.“ Meine Vorbilder sind die Bond Filme der 60er und 70er Jahre, Nordkoreanische Propaganda-Poster, sowie Stop-Motion Produktionen wie „More“ (Marc Osborne), „The Neverhood“ (Dough TenNapel) oder „Balance“ (Lauenstein Brüder).

Deine Synchronstimmen sind allen Zuschauer in Deutschland gut bekannt – war es Dir wichtig, bekannte Stimmen für Deine Figuren zu finden? Oder nach welchen Kriterien hast Du die Synchronsprecher gewählt?

Mit meinen Synchronstimmen bin ich sehr zufrieden und hatte sehr viel Glück gehabt. Dank der Hilfe von Arena Synchron in Berlin, bin ich zu meiner Traum-Besetzung gekommen. Das die Stimmen in Deutschland einen hohen Bekanntheitsgrad haben, unterstützt natürlich die Authentizität der Rollen ungemein und gibt einen echten Bonus. Wichtiger war mir allerdings die Qualität der Stimmen, unabhängig von ihrer Berühmtheit.

Kannst Du mir zum Schluss noch etwas mehr von Dir erzählen. Wirst Du in Zukunft der Animation oder im Speziellen den Stop-Motion treu bleiben?

Stop-Motion ist ein tolles Medium, dem ich in jedem Fall treu bleiben will. Es gibt hier noch sehr viel zu entdecken und ich mag den ganzen Prozess einer solchen Produktion sehr gerne: Von der Tatsache angefangen, dass die Gegenstände des Films real existieren, also haptisch erfahrbar sind, über den geradlinigen, chronologischen Prozess der Puppenanimation, der mich beim Arbeiten im Flow hält, bis hin zu den vielen Limitierungen der Technik selbst, die kreative Lösungen abverlangen und mich herausfordern. Ein für mich wahrhaft magischer Vorgang, mit dem es möglich ist, tote Gegenstände mit Leben zu füllen. Leider ist es in Deutschland nur unheimlich schwierig damit Geld zu verdienen, weshalb das nächste Projekt zwangsläufig kleiner ausfallen wird, als „Der Tod des Filmemachers“.

Sind schon neue Projekte geplant?

Spruchreife neue Stop-Motion Projekte habe ich noch nicht in der Pipeline. Nach diesem Mammut-Projekt war ich froh auch wieder Zeit für andere Dinge zu haben. Im Moment bin ich wieder musikalisch aktiv und spiele wieder in einer Band. Auch beschäftige ich mich z.Z. sehr viel mit 3D-Druckern, um die Vorteile dieser Maschinen in den nächsten Filmen mit einfließen zu lassen.

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Der Tod des Filmemachers

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