“Die schönen Tage von Aranjuez” (2016)

© Alfama Films

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Filmkritik: Nach dem letzten 3D-Film von Wim Wenders (*1945) – “Everything will be fine” (2015) – waren die Zuschauer sehr gespannt, wie der nächste Film aussehen wird. Nach dem Theaterstück seines Freundes Peter Handtke (*1942) schuf Wenders den Film “Die schönen Tage von Aranjuez” (OT: “Les beaux jours d’Aranjuez”, Frankreich/Deutschland/Portugal, 2016). Dieser verwendet die 3D-Technik ebenfalls entgegen der üblichen Mainstreamausrichtung, kann aber darüber hinaus mit wenig aufwarten.

An einem heißen Sommertag in einer Villa nahe Paris ersinnt sich der Schriftsteller (Jens Harzer) eine Geschichte über einen Mann (Reda Kateb) und eine Frau (Sophie Semin), die einen perfekten Sommertag dafür benutzen, ein langes Gespräch über die Liebe, das Leben und das große Ganze zu führen.

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Seit 1969 arbeitet Wim Wenders immer wieder mit Peter Handke zusammen. Angefangen hat es mit den beiden Filmen “3 Amerikanische LPs” (1969) und “Die Angst des Tormanns beim Elfmeter” (1971). Ihre bekannteste gemeinsame Arbeit ist wohl “Der Himmel über Berlin” (1987). Der Zuschauer konnte also wahrlich gespannt sein, doch wurden bis auf Kenner des Stücks vermutlich viele sehr enttäuscht. Wim Wenders, der sich hier sehr strikt an die Vorlage hält, fügt nur wenige filmische Anpassungen hinzu. Das menschenleere Paris, das villenartige Haus des Schriftstellers und der schöne Garten bieten vor allem in Kombination mit der Musik eine besondere Wirkung. Er zeigt damit stimmig, dass die Geschichte nicht klar in Raum und Zeit zu fassen ist. Der Einsatz des 3D-Effekts ist dabei recht unauffällig. Wenders entführt uns in die Gedanken eines Schriftstellers, der dabei ist, sich einen Roman zu ersinnen. Doch alles was in seinem Gedanken entsteht ist ein elendig langer und ätherischer Dialog zwischen einem Mann und einer Frau. Ihr Verhältnis wird nicht klar, ist aber auch irrelevant, da die beiden Menschen trotz ihrer Frage-Antwort-Spiele in ihrer jeweils eigenen Welt leben. Diese Welt besteht bei beiden aus Erinnerungen, denen sie mit besonders schönen Worten eine Hülle geben wollen. Ständig suchen die Protagonisten nach dem richtigen Wort, nach dem poetischen Ausdruck und geben doch stets nur leeren Phrasen wieder. Die Botschaft, die Handke am Herz liegt, wird vermittelt. Nur wäre dies auch in fünf Minuten möglich gewesen. Der gesamte Dialog über die Liebe, die Welt und die eigene Vergangenheit ist meistens inhaltslos und dadurch kaum genießbar. Man sieht, dass die Protagonisten – ja die Schauspieler selbst – sich in ihren Worthülsen suhlen und dabei doch so gut wie nichts sagen. Das macht das ganze filmische Werk anstrengend, langweilig und es bleibt ein schaler Geschmack zurück.

© Alfama Films

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Fazit: Der neueste Wim Wenders Film – “Die schönen Tage von Aranjuaez” – ist selbstverliebtes und -referenzielles Kino. Der kammerspielartige Film mit drei Figuren, nach einem Stück von Peter Handke, schwelgt in leeren Phrasen, sinnlosen Geschichten und Anekdoten und versucht krampfhaft besonders philosophisch, poetisch und ausschweifend zu sein. Doch der Zuschauer verlässt den Saal ärgerlich darüber, dass so viel geredet, aber nichts gesagt wurde.

Bewertung: 3/10

geschrieben von Doreen Matthei

Quelle: Pressematerial von NFP marketing & distribution

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