Video-Essay “The Marvel Symphonic Universe” (2016)

Passanten beim Vorsingen (© Every Frame a Painting)

Videotipp: Tony Zhou ist freiberuflicher Cutter, aber in seiner Freizeit arbeitet er langsam und beständig an Video-Essays über Filme, Filmemacherinnen und Filmemacher, welche er auf seinem YouTube-Kanal „Every Frame a Painting“ veröffentlicht. In seinem aktuellen Video-Essay “The Marvel Symphonic Universe” stellt er die These auf, dass die Musik in Marvel-Filmen im Gegensatz zur Musik in anderen Blockbustern nicht besonders gut im Gedächtnis bleibt. (Das Video ist englischsprachig. Untertitel sind in vielen Sprachen verfügbar, leider nur keine deutschsprachigen.)

Unterstützt wird seine These durch Passanten, welche er in seiner Heimatstadt Vancouver Filmmusik vorsummen lässt. Egal ob James Bond oder Harry Potter, die Darbietungen sind durchaus putzig. Nur bei Marvel weiß niemand so recht, was er oder sie nun summen soll. Sogar der sich selbst so bezeichnende „grösste Marvel-Fan, der existiert“ bleibt stumm. Tony Zhou, Tayler Ramos und Film-Komponist Brian Satterwhite versuchen in den folgenden zwölf Minuten diese Gedächtnislücken zu erklären. (Für dieses Video hat Tony Zhou zum ersten Mal mit anderen zusammengearbeitet.)

Die Drei geben drei Antworten: Musik wird für belanglose Zwecke oder nur im Hintergrund eingesetzt, Musik wird sehr vorhersehbar und klischeehaft eingesetzt und Temp-Musik führt dazu, dass verschiedene Filme alle sehr ähnlich klingen und so niemand Wagnisse eingeht oder etwas Neues probiert. Genau auf diese Temp-Musik legt das Essay dann auch das Hauptaugenmerk. Dabei handelt es sich um Musik (zum Beispiel von anderen Filmen), welche bereits bevor ein Komponist überhaupt ins Spiel kommt, vom Regisseur beim Schnitt (temporär) über die Bilder gelegt wird. Das verleitet den Regisseur dann natürlich dazu, vom Komponist Musik zu verlangen, die sehr ähnlich klingt. Zahlreiche, in sicherlich mühevoller Kleinarbeit zusammengestellte Beispiele illustrieren das Problem anschaulich (ein Begleitvideo zeigt sogar noch mehr Beispiele). Das Essay versucht sich sogar an konstruktiven Verbesserungsvorschlägen, die aber nicht immer wie die zwingend bessere Alternative wirken.

Über die Zuspitzung der aufgestellten These gerade auf Marvel lässt sich sicher streiten. Wie auch im Essay mehrfach erwähnt wird, sind die erläuterten Phänomene und Probleme durchaus keine Marvel-spezifischen. Solide, aber nicht besonders einprägsame Musik ist eine Gefahr für jeden Film. Trotzdem liefert das Video-Essay “The Marvel Symphonic Universe” erkenntnisreiche und gut recherchierte Erklärungsansätze dafür, warum Musik in vielen modernen Blockbustern (nicht nur Marvel-Filmen) wenig im Gedächtnis bleibt.

geschrieben von Michael Kaltenecker

Quellen:

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