“The Wailing – Die Besessenen” (2017)

© Alamode Film

Filmkritik: Der südkoreanische Horrorfilm “The Wailing – Die Besessenen” (OT: “Gok-seong”, Südkorea/ USA, 2017) ist die dritte Langfilmarbeit des südkoreanischen Regisseurs Na Hong-jin (*1974) und wartet mit einer unerwarteten Mischung aus Komik, Drama, westlichen Genremitteln und traditionellen Elementen auf.

In einem kleinen, ländlichen Dorf kommt es zu mysteriösen Mordfällen und Suiziden. Der etwas schusselige Polizist Jong-gu Jeon (Kwak Do-won) wird zu den Fällen dazu geholt. An einem der Tatorte taucht eine junge Frau (Chun Woo-hee) auf, die eine Verbindung zwischen dem neu zugezogenen Japaner (Jun Kunimura) und den Morden herstellt. Zudem litten alle Opfer und Mörder an einer vorhergehenden Krankheit, die nun auch die Tochter von Jong-gu, Hyo-jin (Kim Hwan-hee), befallen hat. Daraufhin wendet sich die Familie an einen Schamanen (Hwangh Jung-min) und hofft so dem Spuk ein Ende zu bereiten.

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In über sechs Jahren Produktionszeit entstand der Spielfilm “The Wailing – Die Besessenen”. Das Drehbuch für den zweieinhalbstündigen Film schrieb der Regisseur Na Hong-Jin selbst. Allein um dieses fertigzustellen, benötigte er schon zwei Jahre. In die Geschichte baute er dabei viele unterschiedliche Einflüsse ein. Angefangen hat es mit der Idee einen Film zu machen, der Menschen trösten könnte, welche mit schwierigen Tragödien nicht umzugehen vermögen und gleichzeitig die menschliche Existenz im Allgemeinen zu hinterfragen. Dafür verwendete er nicht nur Themen des europäischen Katholizismus’ und der vielen Dämonen-Filme der 70er Jahre, sondern auch den ländlichen, südkoreanischen Schamanismus. Hinzu kommen genretypische Elemente, wie der Einsatz von Zombies und einer Menge Kunstblut. Angesiedelt wurde das ganze auf dem Land in dem Landkreis Gokseong. Na Hong-Jins Großmutter lebt in dieser Gegend und so konnte er die ihm gut vertrauten Eigenheiten und vor allem die landschaftliche Umgebung als perfekten Ort seiner Geschichte etablieren. Der dokumentarische Charakter wirkt dabei vor allem für westliche Zuschauer auch informativ. Doch schafft es der Film mit seiner großartigen Kameraarbeit und seinen stilisierten Bildern stets eine mysteriöse Stimmung aufzubauen und kann so die Spannung der Zuschauer halten, auch wenn die Geschichte an der ein oder anderen Stelle zu lang ausgedehnt wurde. Vor allem am Ende mit dem recht langen ‘Er ist es, er ist es nicht’-Spiel übertreibt es der Film etwas. Dies hängt auch mit den Charakteren selbst zusammen. Jeder vorkommende Mensch, auch der Hauptheld, sind keine Sympathieträger. Dadurch fehlt dem Zuschauer ein stärkerer Zugang, der auch über die Skriptlängen hinweg tragen könnte. Stark ist der Film trotzdem, vor allem in der ersten Hälfte mit seinem teils lakonischen Humor, seinen starken Bildern und einer Geschichte, die sich aus vielen Kulturen bedient und dadurch schwer zuordenbar und facettenreich ist.

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Fazit: Der südkoreanische Spielfilm “The Wailing – Die Besessenen” liefert solide Unterhaltung durch eine gelungene Mischung aus Stilelementen verschiedener Genres, einer ungewöhnlichen Figurenzeichnung und vor allem dem Einbau traditioneller Mythen und Bräuche. Formal wunderbar gestaltet und gut besetzt kann er die Zuschauer trotz mancher Länge in seiner Bann ziehen und gut unterhalten.

Bewertung: 6,5/10

Kino-Start: 12. Oktober 2017, DVD-Start: 23. Februar 2018

Der Trailer:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:


siehe auch: Kritik zu den südkoreanischen Horrorfilm “Train to Busan”

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