Deutung des Daseins. Bernhard Kretzschmar in der Städtischen Galerie Dresden

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Bernhard Kretzschmar: Selbstportät (1946)

Ausstellungsbericht: Gleich zu Beginn grüßt der Maler den Besucher. Das Selbstporträt, das Bernhard Kretzschmar 1946 malte, beeindruckt durch vertikale Linien. Sie rahmen und takten das Porträt, aus dem Kretzschmar (1889-1972) ruhig und kritisch blickt.

 

Erst danach fällt der Blick auf den Lebenslauf an der Wand. Obwohl Kretzschmar in der Zeit der beiden großen Kriege lebte und sich freiwillig als Soldat im Ersten Weltkrieg meldete, war er nur ein Jahr beim Militär. 1917 bis zum Ende des Krieges diente er als Sanitätssoldat in Bautzen. Den verhassten Nazis und dem Zweiten Weltkrieg entzog er sich mit Hilfe des befreundeten Kunsthistorikers Fritz Löffler, der ihn 1942 nach Krakau einlud und von dort nach Galizien schleuste. Die Freundschaft der beiden Dresdner währte lebenslang. Die meisten Beschreibungen und Interpretationen, welche die ausgehängten Bilder begleiten, stammen von Löffler.

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Bernhard Kretzschmar: Kaitzbach © Städtische Galerie Dresden

Der Rundgang startet mit einem weiteren Porträt, das Kretzschmar in seinen späten Jahren malte und nicht vollendete. Gegenüber zeigt eine kleine Reihe seine Suche nach dem persönlichen Malstil. Futurismus, Impressionismus und Expressionismus probierte er gekonnt aus. Ein Meister war er bei Landschaften. Das beweist zum Beispiel „Das Wolkentier“, das Kretzschmar 1937 malte. Es zeigt ein sich umarmendes Liebespaar, das aber nur einen Bruchteil des Bildes einnimmt. Dresden und eine spektakuläre Wolke am Nachthimmel füllen das Gemälde aus. Von ähnlicher Größe aber deutlich späterer Entstehungszeit ist die daneben hängende Winterlandschaft in Pastelltönen. Allein diese zwei Gemälde lohnen die fünf Euro Eintritt vollkommen, zumal „Das Wolkentier“ aus Privatbesitz wohl kaum so schnell wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein dürfte.

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Nicht in der Ausstellung: Bernhard Kretzschmar: Eisenhüttenstadt © VG Bild-Kunst Bonn, 2017

Die Ausstellungsmacher der Städtischen Galerie organisierten Kretzschmars Bilder aus den Museen ganz Deutschlands. Sie verzichteten dabei auf sehr bekannte Bilder (zum Beispiel „Synagoge“) und solche, die als agitatorische Auftragswerke in der DDR entstanden (zum Beispiel „Eisenhütten-stadt“). Das eröffnet einen unvoreingenommenen, frischen Blick auf den Maler, der eben mehr war als ein DDR-Künstler. Die sehr beschränkten räumlichen Möglichkeiten erforderten ohnehin eine klug begrenzte Auswahl an Bildern, was wunderbar gelöst wurde.

So bleibt auch Platz für Kretzschmars ernste bis humorvolle Zeitkritik. Sie kommt sowohl in den Grafiken als auch in einigen Gemälden zum Tragen. Hintergründig zeigt sie sich im Bild „Emporkömmlinge“. Der Titel bezieht sich offenbar auf die beiden Anstreicher. Doch beim Blick in die Auslage des Buchladens fragt man sich, ob nicht eher die Nazis gemeint sind. Wieder ein Bild, das durch vertikale Linien auffällt – und einen Hund.

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Bernhard Kretzschmar: Emporkömmlinge (1939) ©VG Bild-Kunst Bonn, 2018

Fazit: Die Städtische Galerie Dresden würdigt in Bernhard Kretzschmar einen, der es wert ist, nicht vergessen zu werden. Wer den Maler noch nicht kennt, den erwartet eine echte Entdeckung. Und: In den fünf Euro Eintritt ist die Dauerausstellung inbegriffen. Dort hängt eine weitere Kretzschmar-Landschaft. Dazu eine Menge A.R. Penck und andere Dresdner Malergrößen von vor 1900 bis heute. Hingehen und schwelgen! Die Ausstellung läuft bis zum 13.05.2018.

 

Geschrieben von Katrin Mai

Quellen:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/dresdner-galerie-zeigt-bilder-von-bernhard-kretzschmar-15475526.html

http://www.dnn.de/Nachrichten/Kultur/Regional/Bernhard-Kretzschmar-Chronist-Farbmagier-Philosoph

http://www.geschichtsverein-kaitz.de/htm/kunst_kretzschmar.php

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