“Ready Player One” (2018)

Poster zum Film "Ready Player One"Filmkritik: In diesem Frühjahr startete Steven Spielberg gleich mit zwei Filmen in den Kinos. Während “Die Verlegerin” politisches, Oscar-würdiges Kino war, ist “Ready Player One” (OT: “Ready Player One”, USA, 2018) großes, buntes Popcorn-Kino mit einer Menge Spaß und vielen Referenzen auf Filme, Musik und Spiele vom Ende des letzten Jahrtausends.

Der 19-jährige Wade Watts (Ty Sheridan) führt ein trostloses Leben in einem amerikanischen Trailerpark im Jahr 2045. So wie viele flüchtet er sich mit VR-Brille und VR-Anzug in die fiktive Welt OASIS, wo sich die Menschen als Avatare begegnen und all das ausleben können, wozu sie in der Realität nicht in der Lage sind. Dort gehört Wade, der sich Parzival nennt, zusammen mit seinem Kumpel Aech (Lena Waithe) zu den Guntern. Diese sind Jäger von drei Schlüsseln, die der Schöpfer der OASIS, James Halliday (Mark Rylance), dort versteckt hat. Wer alle drei Schlüssel findet, erbt Hallidays Besitz und damit auch die OASIS. Doch nicht nur Wade und die geheimnisvolle Art3mis (Olivia Cooke) sind hinter dem Schlüssel her, sondern auch Nolan Sorrento (Ben Mendelsohn) und seine Firma IOI, welche mit harten Bandagen vorgehen.

Der Drehbuchautor Zak Penn (*1968) adaptierte für Steven Spielberg den 2011 erschienenen Roman “Ready Player One” von Ernest Cline. Dabei passte er die Geschichte auf filmischer Ebene an. Er reduziert die kritischen Untertöne und erhöht den Anteil des Actionspektakels. Der Ausgangspunkt der Geschichte ist eine kaputte Welt, die von Überbevölkerung, Klimawandel und Armut geprägt ist. Zwar nimmt sich Spielbergs Film des Themas des kleinen Mannes im Kampf gegen die bösen Konzerne an, doch konzentriert er sich dabei eher auf die spaßige Ausgestaltung dessen. So bekommt der Zuschauer auch nie das Gefühl, dass es sich wahrlich um eine lebensbedrohliche Situation für die Underdogs handelt.

Doch wer sich darauf einlässt, wird mit “Ready Player One” großen Spaß haben. Der Film besteht auf der einen Seite aus vielen bunten, an Computerspielen angelehnte CGI-Spektakeln. Fast der gesamte Film stammt aus dem Computer und wurde von circa 1100 Experten aus der Effekteschmiede ‘Industrial Light and Magic’ geschaffen. Dabei wurde den Figuren mit ‘Motion Capturing’-Verfahren Leben eingehaucht. Hier gelingt wunderbar der Wechsel zwischen den Protagonisten und ihren Avataren und macht sie dadurch greifbar und menschlicher, so dass einem das Schicksal der bunten Spielertruppe nicht egal ist. Auf der anderen Seite ist der Film eine einzige große Hommage an das kulturelle Leben der 80er und 90er Jahre auch an den Regisseur Steven Spielberg selber. So kommen nicht nur die Atari-Konsole und Pacman vor, sondern es wird auch munter aus Filmen zitiert, dabei allen voran “Jurassic Park” (1993), “King Kong” (1976), die “Zurück in die Zukunft”-Trilogie (1985-1990) und “The Shining” (1980) in einer der coolsten Szene des Films. Dieses Zitatengewitter, welches bereits in der Buchvorlage absoluten Nerdcharakter besaß, bereitet dem Publikum viel Freude. Je mehr man erkennt, umso besser. Zudem referenziert er für alle Spielberg-Fans bestimmt an einige kulturelle Anfänge der eigenen Zeit und bekommt so einen wunderbar nostalgischen Charme.

Auch die recht computerspielaffine Optik schadet dem Film nicht. Schnell ist man visuell in die Welt eingetaucht und bekommt immer wieder Pausen durch Szenen, welche in der zukünftigen Realität spielen. Diese Mischung ist gut gelungen und lässt den Jungdarstellern Platz ihren Charakteren mehr Persönlichkeit zu geben. Auch ist der Bösewicht mit Ben Mendelsohn (gesehen in “Die dunkelste Stunde” LINK) gut besetzt und mimt mit dem übertriebenen Comic-Bösewicht-Charme den perfekten Antagonisten. Hinzu kommt der perfekte Soundtrack mit Songs u.a. von ‘Duran Duran’ und ‘Aha’. Das macht den Spielfilm “Ready Player One” im Gesamten zu einem bunten Spektakel aus Bildern, Reminiszenzen, Actionszenen und einer klassischen Underdog-Geschichte, die bestimmt dem einen oder anderen Zuschauer zu oberflächlich angerissen ist, aber einfach das perfekte Popcorn-Kino darstellt, so dass die 140 Minuten Filmlänge wie im Flug vergehen.

Fazit: Die Romanverfilmung “Ready Player One” ist Blockbuster-Kino der großen Art. Das CGI-Abenteuer ist ein buntes Spektakel mit klassischen Elementen und vielen Zitaten aus dem Kulturgut des 20. Jahrhunderts. Dabei erfindet Steven Spielberg hier nichts Neues, sondern baut Bekanntes zu einem sehr leichten Kinofilm zusammen, der über die gesamte Länge die Zuschauer mit Zitatenlust und einer fast kindlicher Spielfreude unterhalten kann.

Bewertung: 7,5/10

Kinostart: 5. April 2018, DVD-Start: 31. Dezember 2018

Der Trailer zum Film “Ready Player One”:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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