„Das ist nicht mein Hut“ von Jon Klassen (2013)

40 Seiten / ab 4 Jahre / NordSüd Verlag / 14,95 €

Buchkritik: Nachdem im ersten Teil der Hut-Trilogie “Wo ist mein Hut” von Jon Klassen der Bestohlene im Vordergrund stand, werden wir im zweiten Teil – “Das ist nicht mein Hut” – zum Mittäter eines Hutdiebes.

Der kleine Fisch hat dem großen Fisch im Schlaf den Hut gestohlen. Er ist davon überzeugt, dass der Hut viel besser zu ihm passt, deshalb wird das Glück ihm schon hold sein und er flüchtet ins Meer hinaus.

Eindeutig ist das 2013 erschienene Buch “Das ist nicht mein Hut” als Nachfolger für “Wo ist mein Hut” (2012) zu erkennen. Dabei nimmt sich der Kinderbuchautor und Künstler Jon Klassen (*1981) des gleichen Themas an, wechselt aber geschickt die Perspektive. Mit seinen Gedanken, welche alle zur Selbstberuhigung und Selbstrechtfertigung dienen, begleiten wir den kleinen Fisch auf seiner Flucht und erkennen den einen oder anderen zutiefst menschlichen Gedanken wieder. Klassen findet hier einen Weg, der nicht viele Worte benötigt, um zu zeigen, wie leicht Ungerechtigkeit gerechtfertigt werden kann. Leser des ersten Buches ahnen schon, dass es für den kleinen Fisch nicht gut ausgehen kann, doch man stellt sich trotzdem auf die Seite des kleinen Diebes. So zeichnet Jon Klassen hier einen ganzen moralischen Kosmos, der Klein und Groß zum Nachdenken über Werte und Gerechtigkeit anregt. Auch hier sollte man als Eltern didaktisch eingreifen und die Geschichte nicht kommentarlos im Raum stehen lassen. Doch wenn man das tut, besitzt dieses Buch enormes Potential.

Auch in seinem Stil bleibt sich Klassen treu, welchen er auch im dritten Teil der Reihe – “Wir haben einen Hut” erfolgreich fortführen wird. Mit einer Mischung aus handgefertigten Zeichnungen und Computertechnik schafft er Illustrationen, die geprägt sind von Einfachheit. Dabei besitzen die Bilder aber genug Details, um alles Wichtige zu vermitteln und gleichzeitig zu entzücken. Die Verlagerung der Geschichte ins Meer bietet zusätzliches gestalterisches Potential und setzt sich so optisch von seinem Vorgänger ab.

Fazit: Das kanadische Kinderbuch “Das ist nicht mein Hut” setzt erfolgreich die Hut-Trilogie von Jon Klassen fort und bildet den perfekten Mittelteil zwischen “Wo ist mein Hut” und “Wir haben ein Hut”. Mit wunderbaren Illustrationen ausgestattet, mit viel Spannung und der richtigen Dosis Moral ist das Kinderbuch, mit seiner ungewöhnlichen Geschichte, eine absolute Empfehlung für alle Generationen von Lesern. So verwundert es auch nicht, dass es dafür 2013 die Caldecott Medal (die bedeutendste Bilderbuch-Auszeichnung der USA) erhielt.

Bewertung: 5/5

Trailer zum Kinderbuch “Das ist nicht mein Hut” (englisch)

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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