“Wo ist mein Hut?” von Jon Klassen (2012)

40 Seiten / ab 4 Jahren / NordSüd Verlag / 15 €

Cover des Kinderbuchs

© Nord Süd Verlag

Buchkritik: Der 1981 in Kanada geborene Jon Klassen ist ein Tausendsassa. Er ist Animationskünstler, Illustrator und Schriftsteller und das nicht nur für Kinderbücher. So ist “Wo ist mein Hut” auch kein typisches Kinderbuch, sondern löste mit seiner ungewöhnlichen Geschichte und dessen Ende Applaus, Kritik und wilde Diskussionen aus.

Der Braunbär vermisst seinen Hut und macht sich auf die Suche, doch niemand scheint seinen geliebten Hut gesehen zu haben. Aber auf einmal fällt ihm etwas auf und er stellt den Dieb zur Rede.

Klassen erzählt die Geschichte mit einfachen Mitteln, welche aber ihrer Wirkung nicht entgegen stehen. Auf schriftlicher Ebene setzt er dabei auf das Mittel der Wiederholung und zeigt auch am Ende, wie sich Schicksale (hier um einiges grausiger) wiederholen können. Trotz des repetitiven Charakters werden die angesprochene Tiere durch eine unterschiedliche Wortwahl gekennzeichnet und manchmal auch noch typographisch voneinander getrennt. Thomas Bodmer hat das Ganze dann fabelhaft ins Deutsche übersetzt. Doch erst zusammen mit den minimalistischen Bilder entfaltet das Buch seine ganze Wirkung. Die Tuschezeichnungen auf chinesischem Papier wurden am Computer zusammengesetzt und um Details ergänzt. Auf den einzelnen Seiten befindet sich immer nur das Nötigste und trotzdem laden diese durch die unterschiedlichen Tierdarstellungen zum Entdecken ein. So arbeitet Klassen auch mit einer ausdrucksstarken Mimik vor allem bei dem Bären.

© Nord Süd Verlag

Das Kinderbuch, was für Kinder ab vier Jahre geeignet sein soll, beginnt mit einer anfänglich harmlosen Situation über einen verlorenen Gegenstand und kehrt am Ende die Opfer-Täter-Rolle um und stellt so unerwartet tiefgehende moralische Fragen. Die Härte der Konsequenz und die Tragweite dessen, können vermutlich eher die erwachsenen Leser gänzlich erfassen. Bei den kleinen Zuhörer kann es die richtigen Fragen entstehen lassen. So kann eine heimische Diskussion über Schuld, Gerechtigkeit, Bestrafung und auch Verlust durch diese Buch ausgelöst werden.

Fazit: Jon Klassens Kinderbuch “Wo ist mein Hut” ist ein stilistisch hübsch anzusehendes, scheinbar harmlosen Vergnügen, welches aber am Ende mit einer Menge von moralischem Explosionspotenzial daherkommt. Diese Mischung verschaffte dem vermeintlich einfachen Kinderbuch viel Aufsehen und brachte ihm 2013 den Deutschen Jugendliteraturpreis ein. In seinen beiden Nachfolger-Büchern “Das ist nicht mein Hut” (2013) und “Wir haben einen Hut” (2017) bleibt er dieser Mischung treu und beleuchtet so auf wunderbare Art die menschliche Natur.

Bewertung: 5/5

Ein Trailer zum Kinderbuch „Wo ist mein Hut“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:


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