“Latched” (2017)

Kurzfilm / Kanada / Fiktion / 2017

Filmkritik: Schon auf dem letztjährigen Landshuter Kurzfilmfestival begeisterten zwei Kurzfilme von Justin Harding – “Point of View” und “Kookie” – die Zuschauer. So verwundert es nicht, dass er auch in diesem Jahr den ‘Deadline Award’ für den besten Horrorfilm bekam. Sein ausgezeichneter Kurzfilm “Latched” verbindet geschickt seine Leidenschaft mit der seiner Frau – der Tänzerin Alana Elmer.

Um in Ruhe ihre nächste Choreographie vorzubereiten zieht sich die Tänzerin und Mutter (Alana Elmer) mit ihrem kleinen Sohn (Bowen Harding) aufs Land zurück. Mitten in der Natur machen die beiden viele Waldspaziergänge. Bis auf den etwas seltsamen Nachbarn (Peter Higginson), der öfters mal vorbeischaut, hat sie viel Zeit ihre Tanzschritte zu erproben. Die Ruhe wird erst gestört, als sie ein seltsames, aber scheinbar totes Wesen im Wald finden.

Der kanadische Filmemacher Justin Harding schafft es mit seinen Kurzfilmen stets zu überraschen. Er kombiniert clever und unerwartet klassische Elemente mit neuen Ideen und findet dafür auch noch die perfekte Bildsprache. Auch in dem Kurzfilm “Latched” (was so viel bedeutet wie “festklammern” – ein schwer übersetzbarer Begriff beim Stillen), für den er das Drehbuch geschrieben hat und zusammen mit Rob Brunner die Regie übernommen hat, ist ein klassischer Charakter – eine unbekannte Kreatur aus dem Wald – Bestandteil des Films. Doch anfänglich ist der Film alles andere als ein Horrorfilm. Die Atmosphäre ist schön und ungefährlich und lebt von den fantastischen Bildern von Mutter und Sohn in der Natur. Auch als die Kreatur das erste Mal auftaucht, besitzt der Film wenig Gruseliges. Doch nach und nach mit ein paar gut platzierten Jump Scares versehen, verdunkelt der Schrecken die bisher sonnige Szenerie. Es mündet alles in einem Finale, welches niemand so hat kommen sehen. Wunderbar ist es, wie natürlich und vernünftig sich die Hauptheldin verhält, so bleibt der Zuschauer auch immer auf ihrer Seite und lässt die Angst um das Kind spürbar werden.

Das verdankt der Film natürlich auch seinen beiden Hauptdarstellern Alana Elmer, welche bereits in “Kookie” mitgespielt hat, und den zu dem Zeitpunkt 14-monatigen Bowen Harding. Das Spiel ist äußert natürlich, was selbstverständlich dem Umstand geschuldet ist, dass es sich hierbei um Justin Hardings Frau und Sohn handelt. Dadurch werden Filmbilder eingefangen, welche perfekt die Stimmung des Films unterstreichen. Wie wunderbar anzusehen ist der kleine Bowen im Sonnenlicht, der seine Mutter anhimmelt. Peter Higginson in der Nebenrolle des alten, verschrobenen Mannes gibt dem Film eine zusätzliche humoristische Ebene und rundet die ganze Erzählung ab. Eingefangen ist das alles in sehr gut inszenierten Bilder (dieses Mal sogar mit dem Einsatz einer Drohne) und von der Musik von Vivien Villani perfekt untermalt.

Fazit: “Latched” ist der dritte Kurzfilm von Justin Harding und setzt abermals einen klassischen Charakter für den Gruselfaktor ein. Diesmal ist es kein Untoter oder Clown, sondern ein übernatürliches Feen-Wesen aus dem Wald. Aus der klassischen Ausgangslage macht er einen ungewöhnlichen Film und schuf mit seinem Co-Regisseur Rob Brunner eine unerwartbare Geschichte, welche erst nach und nach ins Unheimliche übergeht. Er besticht mit fantastischen Filmaufnahmen von seiner eigenen Frau, der Tänzerin Alana Elmer, und seinem Sohn. “Latched” kombiniert auf wunderbare Weise Grusel und familiäre Idylle.

Bewertung: 8/10

Hier erst einmal der Trailer zu dem großartigen Kurzfilm “Latched”:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

  • 19. Landshuter Kurzfilmtage 2018 – Katalog (Wettbewerb Shock Block’)
  • Website des Regisseurs Justin Harding
  • Behind the Scenes des Kurzfilms “Latched” 
  • Website des Kurzfilms “Latched” 
  • Interview mit Rob Brunner und Justin Harding über seinen Kurzfilm “Latched” auf dem Toronto International Filmfestival 2017
  • Rezension des Kurzfilms “Latched” beim Portal “Morbidly Beautiful” 
  • Interview mit Rob Brunner und Justin Harding über ihren Kurzfilme “Latched” beim Portal “Rue Morgue”
  • Rezension des Kurzfilms “Latched” beim Portal “Decay Mag” 

Ein Gedanke zu ““Latched” (2017)

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