„Jane the Virgin“ (Staffel 1, 2015)

 Serienkritik: Die amerikanische Serie „Jane the Virgin“ (OT: „Jane the Virgin“), welche viel dazu beigetragen hat Gina Rodriguez im Filmgeschäft zu etablieren, ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits macht sie sich über lateinamerikanische Telenovelas lustig, andererseits liefert sie alles, was man sich als Fan solcher Serien nur wünschen kann. Man sollte also definitiv nicht nur an ironischen Brechungen interessiert sein, sondern auch Liebe für Soaps empfinden, um diese amerikanische Serie auch genießen zu können.

Die 23-jährige Jane Villanueva (Gina Rodriguez) führt ein frommes, braves Leben. Sie wohnt zusammen mit ihrer Mutter Xiomara (Andrea Navedo) und ihrer Großmutter Alba (Ivonne Coll) in einem Haus, liebt Telenovelas, will Schriftstellerin werden und möchte mit dem Sex bis zur Hochzeitsnacht warten. Ihr Verlobter Michael (Brett Dier), ein Polizeibeamter, hat dafür Verständnis. Bei einem scheinbaren Routinebesuch beim Arzt, wird Jane versehentlich von Dr. Luisa Alver (Yara Martinez) befruchtet, mit dem Sperma von Rafael Solano (Justin Baldoni), deren Bruder. Jane beschließt trotz Jungfräulichkeit, das Kind zu behalten und die Villanueva-Frauen, Michael und Rafael, ein reicher Playboy und Hotelbesitzer, müssen sich nun auf diese neue Situation einstellen.

Basierend auf der  venezolanischen Telenovela „Juana la virgen“ von Perla Farías schufen CBS und Warner Bros, nach einer Idee von Jennie Snyder Urman, eine amerikanische Umsetzung. Dabei wird der Zuschauer von einem engagierten, spöttischen Erzähler (im Deutschen gesprochen von Thomas Wenke, dessen Stimme einem definitiv vertraut ist u.a. aus „Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“) geführt. Mit vielen Rückblenden, Zusammenfassungen und ja auch Spoilern für die Zukunft begleitet der Off-Kommentar die Serie die ganze Zeit über und versucht den Überblick in den vielen Handlungssträngen zu bewahren und zu geben. Denn zu der Dreiecksgeschichte und der ungewollten Schwangerschaft, kommt noch die Liebesgeschichte der Mutter Xiomara mit dem TelenovelaStar Rogelio De la Vega, gespielt von Jaime Camil, hinzu, sowie eine Mordgeschichte, ein Drogenboss, eine lesbischen Liebesgeschichte und die dubiose Ehefrau Petra, hervorragend gespielt von Yael Grobglas. So ist jede Folge voll mit vielen roten Fäden und nimmt sich dafür stets im wechselnden Maße Zeit. Manchmal überwiegen die Krimielemente, manchmal geht es nur um Beziehungen und Kinder. So wird dem Zuschauer niemals langweilig, aber es führt aber auch zu gewissen Ermüdungserscheinungen, da einfach wirklich alles passiert und gefühlt immer der schlechteste Fall eintritt. Man gerät dadurch öfters in den Modus ‚Nicht auch noch das‘ oder es führt zu einem starken Fremdschämen-Effekt. Dass man trotzdem nicht aufhört, liegt an dem recht gefälligen Unterhaltungswert und den sympathischen Figuren, die man ziemlich schnell ins Herz schließt. So bietet sich die Serie wahrlich nicht dafür an, eine Sogwirkung zu entfalten oder sie komplett am Stück zu schauen, unterhält aber trotzdem so gut, dass sie sich dadurch eine Fangemeinde aufgebaut hat und es nicht verwundert, dass es vier weitere Staffeln als Nachfolger gibt.

Die Serie schafft es den richtigen Rahmen für ihre übertriebenen und mit vielen Klischees behafteten Geschichten zu finden. In der stets sommerlichen Stadt und in der schönen Hotelwelt kommen einem die Probleme gleich viel luxuriöser vor. Die Männer überzeugen genauso in sommerlichen Hemden und Farben, wie die vielen unterschiedlichen Kleider bei den Frauen entzücken. Hinzu kommen die richtige Licht- und Farbdramaturgie und der passende musikalische Rahmen. So wird alles in wunderbares Licht getaucht und den Schauspielern die perfekte Bühne für ihre Figuren gegeben. Alle Darsteller schaffen es ihren Rollen, trotz aller Stereotypen und Klischees, Leben einzuhauchen. Auch wenn es den einen oder anderen Charakter gibt, der mehr nervt alles andere, schaffen sie es doch, dass alle eine gewisse Tiefe bekommen. Diese Schauspielerleistung und die perfekte Verschmelzung mit den Rollen verführt die Zuschauer doch dazu, immer mal wieder die Serie anzumachen und ihren Verlauf zu verfolgen. Gerade bei der Hauptdarstellerin Gina Rodriguez sieht man deutlich, dass eine pure Unterhaltungsserie auch gut als Karrieresprungbrett dienen kann. Seit dem Beginn der Serie sah man sie in größeren Produktionen wie der leider nur auf Netflix gelaufenen „Auslöschung“ und dem Peter-Berg-Film „Deepwater Horizon“.

Fazit: Die 2015 erschienene erste Staffel der amerikanischen Serie „Jane the Virgin“, welche jetzt mit einer finalen fünften Staffel abgeschlossen wurde, entführt den Zuschauer in die bunte Welt der Telenovelas mit all ihren Stereotypen, Klischees und Dramen. Doch mit ein bisschen ironischer Brechung und vor allem mit liebenswerten Charakteren schafft sie es, auch Zuschauer, welche nicht unbedingt Soap-Fans sind, gut zu unterhalten. So ist „Jane the Virgin“ locker-leichte Unterhaltung für zwischendurch, über die man auch mal den Kopf schütteln muss, die aber trotzdem funktioniert.

Bewertung: 3/5

Trailer des ersten Staffel der Serie „Jane the Virgin“

geschrieben von Doreen Matthei

Quelle:

2 Gedanken zu “„Jane the Virgin“ (Staffel 1, 2015)

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