“Call of Beauty” (2016)

Kurzfilm / Deutschland / Animationsfilm / 2016

Filmkritik: Der 2016 erschienene Kurzfilm „Call of Beauty“ von Brenda Lien stellt den Auftakt für eine Kurzfilm-Trilogie über bekannte Internetphänomene dar. Im ersten Teil beschäftigt sie sich mit den allseits beliebten Beauty-Videos, welche sie sich früher auch gern mal selbst angesehen hat, und wagt einen Blick hinter die Kulissen.

Zwei Freundinnen (Anabel Möbius und Lili Ullrich) betreiben auf YouTube einen erfolgreichen Beauty-Kanal mit allem was dazu gehört. Sie geben Schminktipps, machen Werbung und vermitteln den Zuschauern das Gefühl ihre Freundinnen zu sein. Hinter den Kulissen achten sie vor allem die Profitabilität des Channels und darauf, in welchem Licht sie rüberkommen.

Die deutsche Regisseurin Brenda Lien (*1995) hat früher selbst gern das eine oder andere Beauty-Video auf YouTube geschaut und an dem Erfolg von Bibis Beauty Palace und anderen Channels sieht man, dass die Beliebtheit im Allgemeinen noch immer anhält. Junge Mädchen holen sich von dort nicht nur Inspiration, sondern finden auch Ideale und Vorbilder. Die junge Filmemacherin Lien, welche eher als ihre Kommilitonen angefangen hat zu studieren, verteufelt diese Videos nicht per se, sondern schafft es mit ihrem Kurzfilm „Call of Beauty“ – der Titel ist übrigens an die bekannte Videospielreihe „Call of Duty“ angelehnt – hinter die Kulissen zu schauen. Sie zeigt dabei nicht nur, was für eine Maschinerie dahinter steckt, vor allem wenn es um Klicks und Besucher geht, sondern auch die Menschen. Diese Charakterstudie ist vortrefflich gelungen. Die beiden Darstellerinnen Anabel Möbius und Lili Ullrich spielen ihre Rollen überzeugend und schaffen es ihre Protagonistinnen aus der Eindimensionalität herauszuholen, welche man klischeehaft dort vermuten würde. Doch obwohl Lien die Klippen der reinen Stereotypen-Wiedergabe umschifft, zeigt sie trotzdem, was Wahres dahinter steckt und dekonstruiert gleichzeitig diesen Frauentypus, welche dem Ruf der Schönheit („Call of Beauty“) folgen. Besonders gelungen ist auch die formale Anschmiegung. Sie übernimmt die typische Art der Inszenierung, indem sie verschönt, tief in den Farbkasten greift und die nervöse Kameraführung mit vielen Jumpcuts auf ihren Film überträgt. Das macht „Call of Beauty“, der den Anfang einer Trilogie darstellt, zu einem faszinierenden und treffsicheren Portrait eines Phänomens unserer Zeit.

Fazit: Brenda Liens „Call of Beauty“ ist ein treffsicherer Kurzfilm über das Thema Schönheit, Beauty-Channels und das damit einhergehende Frauenbild. Sie passt sich dabei dem Inszenierungsstil an, reproduziert und kritisiert so gleichzeitig und eröffnet damit ihre Internetphänomen-Trilogie mit einem starken Kurzfilm.

Bewertung: 8/10

Der komplette Kurzfilm zum Selberschauen

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Ein Gedanke zu ““Call of Beauty” (2016)

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