„Beale Street“ (2019)

Filmkritik: Bereits sein nur zweiter Film „Moonlight“ verschaffte dem Regisseur Barry Jenkins viel Aufmerksamkeit und ein paar wichtige Trophäen wie den Oscar für den ‘Besten Film’ im Jahr 2017. Sein Film besaß eine besondere Schönheit trotz des rauen Inhalts und wurde unterstützt durch eine eindringliche Kameraarbeit. Diesem Konzept bleibt er in seinem dritten Film „Beale Street“ (OT: „If Beale Street could talk“, USA, 2018) treu und findet die richtigen Bilder, um den Roman von James Baldwin zu bebildern.

Die 19-jährige Trish (KiKi Layne) hat in ihrem Freund aus Kindheitstagen ihren Seelenverwandten und die große Liebe gefunden. Der 22-jährige Bildhauer Alonzo, den alle nur Fonny nennen, empfindet genauso für sie. Während sie in den 70er Jahren in Harlem (New York) ihr gemeinsames Leben planen, wird Fonny verhaftet und zu Unrecht angeklagt. Fast zur gleichen Zeit erfährt Trish, dass sie schwanger ist. Dieses Baby gibt den beiden Kraft, zudem steht Trishs Familie hinter ihr und sie versuchen gemeinsam alles, um die Unschuld Fonnys zu beweisen.

Im Jahre 1974 schrieb der amerikanische Schriftsteller James Baldwin (*1924) seinen Roman „Beale Street Blues“ (OT: „If Beale Street Could Talk“), benannt nach der berühmten Straße in Memphis, in der der Blues erfunden wurde. Darin erzählt er eine Geschichte voller Liebe, welche von dem wahren Fall seines Freundes Tony Maynard inspiriert wurde, der zu Unrecht angeklagt wurde. Trotzdem steht im Zentrum die Liebe, nicht nur die zwischen Mann und Frau, sondern auch die familiäre Liebe und der damit einhergehende Rückhalt. Diese Liebe überträgt Barry Jenkins (*1979), der bereits während er „Moonlight“ realisierte, an der Adaption arbeitete, wunderbar ins Drehbuch. Durch einen Off-Kommentar werden den Zuschauern Trishs Gedanken voller Liebe, Wärme und erstaunlicherweise ohne Hass zugänglich gemacht. Denn der Hass und negativitäte Gefühle werden von der Liebe, trotz der diskriminierenden Ungerechtigkeit, überstrahlt. Das macht den eigentlich so politischen Film, mit einigen Anmerkungen zur heutigen Zeit, gefühlt unpolitisch. Rückt er doch die Liebe ins Zentrum.

Stephan James, KiKi Layne und Brian Tyree Henry

Das findet sich auch in der Bildsprache wieder. Vermutlich hat man das 70er Jahre New York selten so schön und echt zugleich gesehen. Der Film besitzt ein wunderbares Zeitkolorit, das auch die schmutzigen Ecken zeigt. Doch die Liebe verändert die Wahrnehmung des Paares. Warme Farben und wunderschönes Licht lässt die beiden und die Umgebung erstrahlen. Dazu nehmen sich Jenkins und sein Kameramann James Laxton die Zeit, die Gesichter intensiv zu betrachten. So fängt die Kamera den Blick der Liebenden ein und sieht nur Schönheit. Unterstrichen wird das von den wunderbaren Klängen des Scores von Nicholas Britell, der neben der Nebendarstellerin Regina King und Bryy Jenkins (Bestes adapatiertes Drehbuch), für einen Oscar LINK nominiert war. Jenkins arbeitete für diesen Film nicht nur mit dem gleichen Kameramann und Komponisten zusammen, sondern auch mit der gleichen Produzentin und den Editoren wie bereits in „Moonlight“. Es ist ein klarer Jenkins-Stil zu erkennen und er gibt einem ein ähnliches Gefühl wie bei dem Vorgängerfilm, wenn man den Saal verlässt. Jenkins lässt die Gefühlspalette der Zuschauer zwischen Melancholie und Glück hin und her schwanken. Er erkennt das Schöne, trotz jedes Authentizitätsbewusstsein und das packt den Zuschauer. So ist sein Harlem zwar echt, aber auch irgendwie magisch. Das wird unterstrichen durch die wunderbare Wahl der beiden Hauptdarsteller, deren Glück und auch Elend, aber vor allem ihr Glück greifbar sind. Durch ihre Augen versteht man den Blick der Liebenden. Doch auch die Nebenrollen, wie die Familienmitglieder u.a. mit Regina King und Coleman Domingo, sowie der korrupte Cop, gespielt von Ed Skrein (gesehen auch bei „Alita: Battle Angel“), geben ihren Rollen viel Leben. So findet auch in diesem Barry Jenkins Film eine wahrhafte Geschichte ihr Abbild in verträumten Bildern voller Schönheit.

KiKi Layne und Stephan James

Fazit:  Der Spielfilm „If Beale“ ist der neueste Film des „Moonlight“-Regisseurs Barry Jenkins. Er entstand nach einer Romanvorlage von James Baldwin und erzählt von einer außergewöhnlichen Liebesgeschichte. Er arbeitet dabei mit einer wundervollen Bildsprache, eindringlichen Musikeinsatz und einem authentischen Zeitkolorit. Die Dramaturgie macht die Geschichte zu einer besonderen Liebesfilm, welcher gesellschaftskritisch ist, aber vor allem mit seinen Emotionen den Zuschauer packt.

Bewertung: 7,5/10

Kinostart: 7. März 2019 / DVD-Start:

Trailer zum Film „Beale Street“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

 

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