„Spuk in Hillhouse“ (Staffel 1, 2018)

Serienkritik: Der Roman „Spuk in Hill House“ von Shirley Jackson hat schon einige filmische Adaptionen hervorgebracht. Besonders bekannt ist „Das Geisterschloss“ mit Liam Neeson, Catherine Zeta-Jones und Owen Wilson in den Hauptrollen, verfilmt 1999 von Jan de Bont. Die nun auf Netflix veröffentlichte Serie „Spuk in Hill House“ (OT: „The Haunting of Hill House“, 2018) aus der Hand von Mike Flanagan macht es etwas Neues aus dem Stoff und schuf so gleichzeitig ein Familiendrama und eine Horrorgeschichte.

Über der Familie Crain scheint ein Fluch zu liegen. Doch der älteste Sohn Steven (Michiel Huisman) glaubt nicht wirklich daran und fantasiert sich lieber lukrative Gruselgeschichten für seine Bücher zusammen, was in seiner Kindheit passiert ist. Als junger Mann (Paxton Singleton) zog er mit seinen Eltern Hugh (Henry Thomas) und Olivia (Carla Gugino) in das alte Hill-House Anwesen, damit die Eltern das Gebäude gewinnbringend restaurieren können. Doch schon bald passieren unheimliche Dinge und den vier Geschwistern von Steven – Shirley (Lulu Wilson), Theodora (Mckenna Grace) sowie den beiden Zwillingen Nell (Violet McGraw) und Luke (Julian Hilliard) widerfahren seltsame Dinge. Nach einer Tragödie verlässt die Familie das Haus, doch auch Jahre später als Erwachsene ist Hill-House noch in ihrem Bewusstsein. Vor allem die Zwillinge (Victoria Pedretti und Oliver Jackson-Cohen) sind stark geprägt davon, Shirley (Elizabeth Reaser) arbeitet als Bestatterin lieber mit Toten und Theodora (Kate Siegel) lässt niemand näher an sich ran. Zudem ging die Familie bisher getrennte Weg, bis ein weiterer Todesfall sie wieder zusammenbringt und vielleicht dazu führt, dass sie endlich die Ereignisse um Hill House aufklären können.

Der Serienschöpfer Mike Flanagan (*1978) hat sich bisher als Horrorfilmregisseur mit Filmen wie „Ouija – Ursprung des Bösen“ (2016) und „Das Spiel“ (2017) kaum einen Namen gemacht. Das könnte sich durch diese Netflix-Serie ändern. Er adaptiert dabei die gleichnamige Romanvorlage (OT: „The Haunting of Hill House“) von Shirley Jackson aus dem Jahr 1959 und baut sie in seiner zehn Folgen umfassenden, ersten und einzigen Staffel in eine Geister-, Mystery- und Familiengeschichte aus. Da liegt auch schon die Glanzleistung der Serie. Statt sich einfach auf eine konventionelle Geistergeschichte zu fokussieren, gibt sie den Charakteren dieser einzigartigen Familie viel Platz zum Entfalten, so dass jeder Verlust auch spürbar für die Zuschauer wird. Anfänglich gibt er dem Horroranteil viel Raum. In Rückblicken taucht der Serie in die Vergangenheit von Steven und seinen Geschwister ein und skizziert ein klassisches Spukhaus. Doch das verliert sich bald. Durch geschicktes Hin- und Herbewegen in der verschiedenen Zeitebenen, ungeklärte Fragen, eine unheimliche rote Tür und gestreute Erkenntnisse, erweitert er die Geschichte immer mehr, so dass man schwerlich nach nur einer Folge aufhören kann. Kombiniert mit der berührenden Familiengeschichte, wo fast jeder Einzelstrang ebenfalls sehr interessant ist, sowie ein paar Krimi- und Thrillerelementen wird die Geschichte dieser Serie wunderbar abgerundet.

Diese Wirkung verdankt die Serie aber auch ihrer stimmigen Optik und dem großartigen Ensemble. Der Serie ist ein Kunststück gelungen. Die Kinderdarsteller passen hervorragend zu den bekannten Erwachsenengesichtern. Bei manchen wie der Shirley-Darstellerin Elizabeth Rieser ist die Ähnlichkeit sehr verblüffend, so dass es im Allgemeinen nie Probleme mit der Zuordnung der Charaktere über die Zeiten gibt. Dadurch funktioniert die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart ausgezeichnet. Zu den großartigen Kinderdarsteller gesellen sich wunderbare bekannte Schauspieler, darunter auch die bezaubernde Carla Gugino, welche schon in einigen Filmen u.a. „Spy Kids“ (2001) und „American Gangster“ (2007) und ganz am Anfang in dem Bon Jovi Video „Always (1994) zu sehen war. Aber auch Elizabeth Reaser, bekannt aus der „Twilight“-Saga (2008-2012) und „Greys Anatomy“, Timothy Hutton, zu seiner Zeit der jüngste Oscar-Gewinner für seine Rolle in „Eine ganz normale Familie“ (1981) und Henry Thomas, bekannt geworden als 11-Jähriger bei „E.T.“ (1982), überzeugen in ihren Rollen und geben Eindimensionalität keine Chance. Hinzu kommt die wunderbare, sehr souveräne Ausgestaltung mit stimmigen Spezialeffekten. So schafft es der Film nicht nur emotional zu berühren, sondern auch den Zuschauer mit dem richtigen Einsatz von Licht, Stimmung, Ton und Effekten einen Schauer über den Rücken zu jagen. Damit fügt sich in der Serie „Spuk in Hill House“ alles wunderbar, gruselig und gefühlvoll zugleich, zusammen und bietet eine Geschichte voller klassischer Elemente und überraschender Wendungen, welche den Zuschauer definitiv in den Bann zieht.

Fazit: Die Netflix-Serie „Spuk in Hill House“ adaptiert in zehn Folgen eine bekannte Romanvorlage auf ihre ganz eigene Weise. Sie mischt dabei Familiendrama mit Gruselgeschichte, verbindet alles geschickt über eine raffinierte Erzählstruktur und zieht mit dieser Mischung die Zuschauer in ihren Bann. Abgerundet wird die Serie von einem wunderbaren Cast, einer dichten Atmosphäre und unter die Haut gehenden Gruseleffekten. Rundherum bietet die Serie so viel mehr als man von einem klassischen Gruselstoff erwarten würde – eine absolute Empfehlung.

Bewertung: 5/5

Trailer zur ersten Staffel der Serie „Spuk in Hillhouse“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Ein Gedanke zu “„Spuk in Hillhouse“ (Staffel 1, 2018)

  1. Mir ging das ewige hin und her Gespringe in der Zeit aweng auf den Senkel. Deswegen hatte ich bisher nicht weiter geschaut als die ersten beiden Folgen.

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