„Spuk in Bly Manor“ (Staffel 1, 2020)

Serienkritik: Die Serie „Spuk in Hill House“, welche eine abgeschlossene Geschichte, angesiedelt zwischen Geisterhorror und Familiendrama, erzählt, erfährt nun sozusagen eine Fortsetzung. Der Serienmacher Mike Flanagan verfilmt mit „Spuk in Bly Manor“ einen weiteren Schauerroman und begründete damit die Anthologie-Serie „The Haunting“ unter den man beide Staffeln zusammenfassen kann.

Die Amerikanerin Dani Clayton (Victoria Pedretti) hat sich 1987 nach einem traumatischen Ereignis nach Europa geflüchtet. Vor Ort erhält sie von Henry Wingrave (Henry Thomas) die Chance, in einem ländlichen Anwesen – auf Bly Manor – die zwei Kindern seines verstorbenen Bruders zu hüten. Dort angekommen, wird sie freudig von der Haushälterin Hannah Grose (T’nia Miller), dem Koch Owen Sharma (Rahul Kohli) und den beiden Kindern Flora (Amelie Bea Smith) und Miles (Benjamin Evan Ainsworth) begrüßt. Doch schnell erkennt Dani, dass über diesem Anwesen genauso dunkle Wolken hängen, wie über ihrer Seele. Doch hier scheint noch mehr passiert zu sein. Die frühere Au-pair Rebecca (Tahirah Sharif), welche eine Affäre mit der rechten Hand von Henry – Peter Quint (Oliver Jackson-Cohen) hatte, ist hier gestorben, doch ihre Präsenz ist noch immer spürbar.

T’Nia Miller, Benjamin Evan Ainsworth, Rahul Kohli, Bea Smith und Victoria Pedretti

Der amerikanische Regisseur und Serienschöpfer Mike Flanagan (*1978), der sich mit kleineren Independent-Horrorfilmen wie „Still“ (2016) und großen Produktionen wie „Doctor Sleep“ (2019) einen Namen gemacht hat, schuf mit „Spuk in Hill House“ (2018) gekonntes Serienvergnügen mit der richtigen Mischung aus Gefühl, Spannung und vor allem atmosphärischer Stimmung. Die neue Serie „Spuk in Bly Manor“, welche mit ihren neun Folgen ebenfalls auf Netflix zu sehen ist, bedient sich der gleichen Mixtur. Ansonsten haben die beiden Serien aber inhaltlich nichts miteinander zu tun. Auch bei dieser Serie handelt es sich um eine auserzählte Geschichte, angesiedelt in den 1980er Jahren in Großbritannien. Auch hier diente eine Literaturvorlage, welche u.a. schon 1961 mit „Schloss des Schreckens“ und 2020 mit „Die Besessenen“ u.a. mit Finn Wolfhard („Stranger Things“ (2016-2021)) verfilmt wurde. Es handelt es dabei um die Novelle „Das Durchdrehen der Schraube“ (OT: „The Turn of the Screw“) von Henry James, geschrieben 1898. Im Zentrum steht auch hier wieder ein großes, unheimliches Anwesen, in dem sich etwas derart Schreckliches ereignet hat, dass sich Geister sich an diesem Ort festklammert haben. Im Grunde genommen wird uns hier eine klassische Geistergeschichte erzählt, bei der ein außenstehender Mensch zusammen mit den ZuschauerInnen den Ort erkundet und die Schicksale der ehemaligen BewohnerInnen erfährt. Die Geschichte und ihre Tragweite wird aber in der Serieninszenierung entschleunigt. Die Drehbuchschreiber Mike Flanagan, James Flanagan und Diane Ademu-John geben dem Haus und ihren Figuren Raum zu atmen und sich zu entwickeln. So ist der Horror auch sehr reduziert und blitzt nur hier da in überraschenden Szenen auf, ansonsten ist es vor allem die düstere Stimmung, die hier für eine Horror-Serie spricht. In dieser Geschichte überwiegen vor allem die emotionalen Komponenten und wahrlich gehen diese den ZuschauerInnen sehr nahe. Vielen Figuren, die man schnell ins Herz geschlossen hat, steht ein schweres Schicksal bevor. Die Serie schafft es also auf der einen Seite perfekt die Spannung und so auch das Suchtpotential zu halten und auf der anderen Seite gleichzeitig zu berühren.

Amelie Bea Smith

Dass dies so gut funktioniert verdankt die Serie natürlich auch ihrer dichten Inszenierung, dem Setting und dem hervorragenden Cast. Bly Manor und die umgebenden Ländereien werden mit ihrer Schönheit ebenso wie mit ihren düsteren Seiten wunderbar eingefangen. Es ist ein magischer, fast zeitloser Ort. Gleichzeitig schaffen es die Filmemacher die 80er Jahre ganz natürlich wiederzubeleben, vor allem durch die Mode und erzählen dabei erfrischend eine Geschichte abseits von Smartphones und einer durch und durch digitalisierten Welt, was wunderbar zu seiner klassischen Geistergeschichte passt. Die Location, die Ausstattung und die atmosphärische Musik fangen die Stimmung perfekt ein. Belebt werden diese Orte von einem großartigen Cast, welchen man zum Teil schon in „Spuk in Hill House“ kennengelernt hat, wie Victoria Pedretti, Henry Thomas und Oliver Jackson-Cohen. Auch Mike Flanagans Frau Kate Siegel und Carla Gugino sind in einer Nebenrolle zu sehen. Doch ohne die beiden hervorragenden KinderdarstellerInnen Amelie Bea Smith und Benjamin Evan Ainsworth würde die Serie nicht so gut funktionieren. Sie schaffen es ihre Charaktere wunderbar zwischen kindlich unschuldig und unheimlich auszutarieren. Durch und durch ist die Serie „Spuk in Bly Manor“ gut inszenierte, klassisch anmutende Gruselgeschichte, welche es schafft ihre 494 Minuten mit Atmosphäre, Spannung, überraschenden Wendungen und gefühlvollen Momenten beste Unterhaltung zu liefern. 

T’Nia Miller und Amelia Eve

Fazit: Die zweite Staffel – „Spuk in Bly Manor“ – der Anthologieserie „The Haunting“ besticht mit einer ebenso gelungenen Mischung aus Geistergeschichte und Familiendrama. Dabei wählt der Serienschöpfer Mike Flanagan einen sehr ruhigen Ansatzpunkt und gibt den meisten Situationen vor allem emotionales Gewicht. Mit ausgewählten Akzenten kommt ein Horrorfaktor hinzu, welcher bei den ZuschauerInnen Gänsehaut auf dem Rücken hinterlässt.

Bewertung: 5/5

Trailer zur Staffel 1 der Serie „Spuk in Bly Manor“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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