Fünf Fragen an Jürgen Heimüller

Regisseur Jürgen Heimüller

Interview: Im Gespräch mit dem Schauspieler Jürgen Heimüller konnten wir mehr seinen Kurzfilm „Die letzten fünf Minuten der Welt“ erfahren. Er erzählt von dem schnellen Entstehungsprozess, der Wahl der Darsteller, den Schwierigkeiten eines Onetakers und wie er dann dazu kam, neben der Tätigkeit als Produzent und Darsteller, auch die Regie zu übernehmen.

Dein Kurzfilm „Die letzten fünf Minuten der Welt“ ist eine stimmige, amüsante Adaption eines dystopischen Stoffes. Wie kam es zu der Idee dazu?  

Ich war gerade in der Planungsphase eines längeren Kurzfilmdramas zum Thema Internetüberwachung, bekam es aber einfach nicht finanziert. Daraufhin hab ich mich hingesetzt und mir gesagt, gut, dann schreib ich eben eine Komödie.

Das ging überraschend schnell. Das Setting mit den Dorfbewohnern, die auf einer Bank sitzen und lakonisch über sich und die Welt fabulieren, war eine der ersten Ideen, und auch, dass es ein Onetaker werden sollte. Dann geisterte vielleicht noch ein Erinnerungsschnipsel an Lars von Triers „Melancholia“ und ein Joseph-Hader-Film durchs Unterbewusstsein, denn bald lagen auch der heranbrausende Weltuntergang und der Spielort Österreich fest. Schließlich war das Drehbuch in seiner fast endgültigen Form schon nach einem Tag fertig.

Du wählst die Komödie statt einer ernsten Variante der Geschichte. Liegt Dir das Komödienfach mehr?

Plakat des Kurzfilms „Die letzten fünf Minuten der Welt“

Der Unterschied zum Drama ist ja im Prinzip nur die Taktung der Ereignisse, das Drama fließt, während die Komödie einen klaren Rhythmus braucht. Ich liebe die Komödie sehr, besonders die Tragikomödie, wobei der Einsatz schon hoch sein muß, im besten Fall spielen die Figuren um ihr Leben, wie in Ernst Lubitschs „Sein oder Nichtsein“. Ich habe außerdem das Gefühl, dass die komödiantische Form dem Zuschauer einen schnelleren Zugang zur Geschichte ermöglicht, gerade bei so einem leicht absurden Stoff. Wenn ich „Die letzten fünf Minuten“ als Drama erzählen würde, müsste ich wesentlich ausführlicher und detailreicher werden. Da mag ich’s als kompakte Komödie lieber. Und das Publikum in der Regel auch.

Kannst Du mir zu den Dreharbeiten erzählen und was Dir bei der Umsetzung wichtig war?

Wir haben am ersten Märzwochenende 2018 in Oberösterreich gedreht. Freitags war Anreise, samstags den ganzen Tag proben und sonntags haben wir bis Sonnenuntergang auf einem kleinen Gut in den Bergen gedreht. Zeitlich war das eine ziemliche Herausforderung, ein Onetaker muß ja laufen wie ein Uhrwerk, Timing und Präzision sind spielentscheidend. Aber glücklicherweise konnte ich mich auf einen hervorragenden Cast verlassen. Es war toll zu sehen, wie sich Christine Klein, Konstanze Dutzi, Martin Muliar und Boris Popovic in ihre Rollen geschmissen haben. Grad auch weil Martin und Boris wegen Krankheitsausfällen erst in sprichwörtlich letzter Minute reinbesetzt wurden und kaum Vorbereitungszeit hatten. Das merkt man dem fertigen Film überhaupt nicht an. Mit solchen Kollegen zu arbeiten, macht riesigen Spaß.

Martin Muliar

Bei der Inszenierung war uns wichtig, keine der Figuren zu diskreditieren. Jede sollte für den Zuschauer nachvollziehbar und lesbar bleiben, und da legten wir großen Wert darauf, dass sich innere Vorgänge gut und authentisch abbilden. Grad auch weil die Dialoge eher knapp und lakonisch daherkommen. Und ich glaube, das ist uns gelungen, das Publikum steigt recht schnell mit hoher Empathie ein und ist entsprechend geschockt, wenn’s – achtung, kleiner Spoiler – dann wirklich zu Ende geht.

Du bist selbst Schauspieler – wie war es Schauspieler und Regisseur gleichzeitig zu sein? Und wie hast Du die restliche Besetzung zusammengestellt?

So war’s gar nicht geplant gewesen. Ursprünglich wollte ich gar nicht selber spielen, aber dann hatte ich das Drehbuch Sophie Linnenbaum gezeigt, mit der ich schon mehrere Projekte [Anm. d. Red.: u.a. „Pix“] realisiert habe, und sie war sofort Feuer und Flamme für die Regie. Also hab ich mir die Rolle des Klaus auf mich (als einen Deutschen) umgeschrieben, damit ich zumindest mitspiele. Aber als Sophie wegen Terminproblemen dann doch absagen musste, stand ich vor der schwierigen Entscheidung, mich entweder aus der Besetzung wieder rauszunehmen oder kopfüber in die Überforderung zu stürzen.

Habe mich schließlich für Letzteres entschieden, dann aber gleichzeitig Tina Geissinger, die ich vom Theater kenne und schätze, als Co-Regisseurin mit ins Boot geholt, und das war Gold wert. Wir haben uns im Vorfeld bereits viel über das Inszenatorische ausgetauscht.

Später bei den Proben und dem Dreh habe ich versucht, in den reinen Spielmodus zu schalten und ihr das Zepter zu überlassen. Und ich glaube, das hat ganz gut funktioniert.

Christine Klein, Konstanze Dutzi, Jürgen Heimüller, Martin Muliar & Boris Popovic

Auch was die Besetzung angeht, hatten wir immer ziemlich ähnliche Vorstellungen. Christine kannte ich bereits von einem Workshop in Berlin, ansonsten haben wir mit den üblichen Schauspielerportalen gearbeitet. So sind wir auf Konstanze gestoßen, und auch Boris und Martin kamen da auf unsere Liste. Bei No- oder Low-Budget-Projekten kann man ja keine reisetechnisch aufwändigen Castings veranstalten, aber wir hatten bei der Recherche klare Ideen, was wir auf den Demobändern sehen wollten, und letztlich kam auch das entscheidende Quäntchen Glück dazu.

Was mich abseits von Regie und Schauspiel aber richtig gestresst hatte, war, dass ich den Film zusätzlich auch noch produziert habe. Das ständige Hin- und Herschalten zwischen Kunst und Orga war tatsächlich grenzwertig.

Wie wird es bei Dir weitergehen? Hast Du Geschmack am Regie führen gefunden?

Christine Klein, Martin Muliar, Jürgen Heimüller, Konstanze Dutzi & Boris Popovic

Ja, ich merke, dass ich schon großen Gefallen am filmischen Geschichtenerzählen finde, auch wenn mich der große zeitliche und finanzielle Aufwand immer ein bißchen zurückzucken lässt. Aber letzten Endes ist’s doch so: wenn man eine gute Geschichte hat, muß man sie erzählen, oder? Denn wozu ist man sonst auf der Welt? Das heißt, ich werde wohl weitermachen mit dem Filme-machen. Vielleicht wird’s ja mit meinem Überwachungsdrama noch mal was.

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezensionen der Kurzfilme „Wovon wir träumen“ und „Die letzten fünf Minuten der Welt

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