„Polaroid“ (2018)

Filmkritik: Der norwegische Regisseur Lars Klevberg konnte 2015 mit seinem Kurzfilm „Polaroid“ die Horrorfangemeinde für sich begeistern. Mit einer großen Verzögerung kam nun die Langfilmvariante und damit sein Spielfilmdebüt in die Kinos: „Polaroid“ (OT: „Polaroid“, Norwegen, 2018). Damit reiht er sich ein in eine Reihe von Regisseuren wie David S. Sandberg und Jennifer Kent, die aus ihren Kurzfilmen erfolgreiche Langfilme machen durften.

Vergangene Ereignisse haben Bird Fitcher (Kathryn Prescott) zur Einzelgängerin gemacht, welche vor allem ihrer Leidenschaft – dem Fotografieren – nachgeht. Ihr Arbeitskollege Tyler (Davi Santos) schenkt ihr eines Tages eine alte Polaroid-Kamera, die er auf dem Flohmarkt gefunden hat. Als ihre beste Freundin Casey (Samantha Logan) sie abends zu einer Party schleppt, ist das die perfekte Gelegenheit die neue Kamera auszuprobieren. Doch bereits am nächsten Tag stellt sich heraus, dass in der Kamera etwas Teuflisches wohnt, was nach und nach jeden, der abgelichtet wurde, jagt und tötet.

Kathryn Prescott © capelight pictures

Wenn es ein Regisseur schafft mit seinem Kurzfilm auf sich aufmerksam zu machen und am besten noch ein paar amerikanische Produzenten für das Werk begeistern kann, dann kann man davon ausgehen, dass es dieser Film irgendwann als Langfassung in die Kinos schafft. So gingen einigen erfolgreichen Filmen Kurzfilme voraus u.a. „Saw“ (2004) von James Wan und „Lights out“ (2016) von David F. Sandberg. Auch Lars Klevberg lieferte 2015 mit „Polaroid“ einen starken Kurzfilm mit gut eingesetzten Jump Scares. Darauf folgt drei Jahre später nun sein gleichnamiges Spielfilmdebüt, für das er auch das Drehbuch schrieb. In der Langfilmvariante dient die Ursprungsgeschichte als Intro. Danach wird die Story um den neuen Charakter Bird herum aufgebaut, welche sich mit ihrer Hintergrundgeschichte und ihrem Außenseiterstatus wunderbar als Identifikationsfigur für jüngere Zuschauer eignet. Klevberg erzählt mit seinem Film eine genretypische Geschichte, welche sich in vorhersehbaren Bahnen entwickelt und dadurch leider in der Masse dieser Art Filme untergeht. Außerdem nimmt man Anstoß an ein paar Logiklücken, vor allem in den Handlungen des Monsters. So fügt sich die Langfilmvariante nicht geschmeidig, sondern etwas störrisch zusammen, funktioniert als klassische, nicht überraschende Genre-Unterhaltung aber trotzdem ganz gut, vor allem wenn man es schafft über die ein oder andere Drehbuchschwäche hinwegzusehen.

Katie Stevens © Nova Scotia

In seiner Ausgestaltung bewegt sich der Horrorfilm souverän im klassischen Highschool-Genre. Er adaptiert mühelos große Vorbilder, fügt diesem Genre aber nichts Neues hinzu. Dazu passen gut die Darsteller, welche es nicht schaffen über ihre stereotypischen Rollen samt Schicksal hinweg zu spielen. Auch erfahrene Schauspieler wie Mitch Pileggi (oft gesehen in der Serie „Akte X“ (1993-2018)) brechen nicht aus diesem stereotypen Korsett aus. Die Splatter-Effekte, welche zum Ende des Films unverhofft zunehmen, können sich allesamt sehen lassen, erscheinen aber fast ein wenig zu übertrieben, für den ansonsten recht seichten Teenie-Horror. So stimmt das Gewand des Films, aber durch seine nicht besonders durchdachte Geschichte mit insgesamt zu vielen vorhersehbaren Entwicklungen und einem gefühlt unmotivierten Monster kann sich der Debütlangfilm „Polaroid“ nicht von der Masse absetzen.  

Kathryn Prescott © capelight pictures

Fazit: Lars Klevberg verfilmt mit „Polaroid“ seinen gleichnamigen Kurzfilm und erzählt damit eine standardisierte Horror-Geschichte, welche leider nicht lange im Gedächtnis bleiben wird. Da er sich für die üblichen, bereits ausgetretenen Pfade entscheidet, kann er trotz souveräner Ausgestaltung keine Neuerungen und Überraschungen für dieses Genre bieten.   

Bewertung: 5,5/10

Kinostart: 10. Januar 2019 / DVD-Start: unbekannt

Trailer zum Film „Polaroid“

Quellen:

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