„Die Frau des Nobelpreisträgers“ (2017)

Filmkritik: Die amerikanische Schauspielerin Glenn Close gehört seit Jahren zum festen Kanon von hochkarätigen Schauspielerinnen. Sie bewies ihr Talent in Filmen wie „Eine verhängnisvolle Affäre“ (1987), „Gefährliche Liebschaften“ (1988) und „Albert Nobbs“ (2011) und wurde vor den 91. Oscars bereits sechsmal für einen Oscar nominiert. In diesem Jahr wurde sie für ihre Rolle in der Romanadaption „Die Frau des Nobelpreisträgers“ (OT: „The Wife“ / USA, 2017) zum siebten Mal nominiert und hätte ihn für ihre schauspielerische Leistung mehr als verdient.

Eines Nachts erhält der Schriftsteller Joe Castleman (Jonathan Pryce) die Nachricht, dass er den Literaturnobelpreis für sein Lebenswerk erhalten wird. Zusammen mit seiner Frau Joan (Glenn Close) freut er sich gebührend über diese Auszeichnung. Gemeinsam mit ihrem Sohn Max (Max Irons), selbst Schriftsteller, der sich von seinem Vater aber nicht genug unterstützt und gewürdigt fühlt, fliegen die Castlemans nach Stockholm. Dort angekommen steht ein festes Programm auf dem Plan, das Joe mit vielen Menschen zusammenbringt, so auch mit der jungen Fotografin Linnea (Karin Franz Körlof) und ihn auf die Zeremonie vorbereitet. Für Joan gibt es dagegen die typischen Ehefrauen-Bespaßungen. Während sie noch scheinbar fest an seiner Seite steht, sieht man bereits graue Wolken aufziehen, welche von dem investigativen Reporter Nathanial Bone (Christian Slater) noch verstärkt werden.

Glenn Close, Jonathan Pryce
© Embankment Films

Der schwedische Regisseur Björn Runge (*1961) hat nach einer längeren Pause (der letzte FIlm davor war „Happy End“ (2011)) mit „Die Frau des Nobelpreisträgers“ seinen sechsten Spielfilm inszeniert, der zudem nicht nur eine reine skandinavische Produktion ist. Sein Film basiert auf dem Roman „Die Ehefrau“ (OT: „The Wife“, 2003) von Meg Wollitzer (*1959). Die Drehbuchadaption übernahm Jane Anderson, welche die Romanvorlage in eine gelungene 100-minütige Filmversion umwandelte. Der Film spielt in zwei Zeitebenen – in der Gegenwart (Nobelpreisverleihung) und in der Vergangenheit. Die Rückblicke erzählen vom Kennenlernen der beiden, ihrer Liebe zueinander und den schriftstellerischen Ambitionen der beiden Partner. Diese Rückblenden, ohne die es vielleicht auch funktioniert hätte, liefern die Erklärung für das angespannte Verhältnis in der Gegenwart und machen dem Zuschauer die Ungerechtigkeit deutlich spürbar. Für die Entwicklung in der heutigen Zeit lässt sich die Geschichte Zeit und gibt auch einen informativen Einblick in das Prozedere einer Nobelpreisverleihung. Die ausgedehnte Spannungskurve ist ideal, um nicht nur ein paar Nebenhandlungen einzustreuen, sondern ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie Joan empfindet. Genau diese Empfindungen stehen im Vordergrund der Geschichte und vermitteln ein universelles Gefühl von Ungerechtigkeit, dass immer noch nicht genug getan wurde, um die notwendige, gleichberechtigte Stellung der Frau zu festigen.

Christian Slater, Glenn Close, Jonathan Pryce
© Embankment Films

Viel zu dieser Wirkung des Films trägt die Besetzung der Hauptrolle mit Glenn Close (*1947) bei, welche den Oscar als ‚Beste Hauptdarstellerin‘ trotz der starken Konkurrenz mehr als verdiente hätte. Ihr Gesicht, meist gefasst, lässt den Schmerz, angehäuft über Jahre durchblicken und in welchem Konflikt sie selber stand, um das all die Jahre ertragen zu können. Hinzu kommt ein fein ausgewählter Cast mit Jonathan Pryce als ihren Ehemann, der deutlich zeigt, wie er sie all die Jahre unterdrücken konnte. Besonders positiv fällt Christian Slater auf, den man lange schon nicht mehr in einer würdigeren Rolle für sein Schauspieltalent gesehen hat. Hinzu kommt eine realitätsnahe Umsetzung, die nicht nur die Nobelpreisverleihung und das dazugehörige Drumherum stimmig einfängt, sondern auch die vergangenen Jahrzehnte, wofür das Zeitkolorit stimmig angepasst wurde. Doch die souveräne Inszenierung dient vor allem als Bühne für ein großartiges Schauspielerkino, das den Film so eindringlich macht. Fast möchte man von einem Höhepunkt in Glenn Closes Karriere sprechen, die alle Würdigung u..a. einen Golden Globe neben der Oscarnominierung verdient hat.

Annie Starke, Harry Lloyd
© Embankment Films

Fazit: Die Romanadaption „Die Frau des Nobelpreisträgers“ ist eine gelungene Geschichte über das dysfunktionale Verhältnis von einem Mann und einer Frau. Doch vor allem ist der Film großes Schauspielerkino. Glenn Close leistet hier wie so oft eine überragende Leistung, für die sie den Oscar verdient hätte. Der Film überzeugt so im Gesamten mit der immer lauter werdenden Auflehnung, dem subtilen Spiel und der souveränen Umsetzung.   

Bewertung: 8/10

Kinostart: 3. Januar 2019, DVD-Start: 10. Mai 2019

Der Trailer:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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