„Es geschah in einer Nacht“ (1934)

1935 / 7. Oscarverleihung / 5 Nominierungen / 5 Auszeichnungen

Filmkritik: Frank Capras „Es geschah in einer Nacht“ (OT: „It happened one night“, USA, 1934) hat die Ära der Screwball-Filme ins Leben gerufen und damit ein komplett neues Genre begründet. Auch aus heutiger Sicht funktioniert der Film, vor allem mit seinem grandiosen Gespann Clark Gable und Claudette Colbert, immer noch hervorragend, so dass es nicht verwundert, dass er immer noch als einer der oder gar der beste seiner Art gehandhabt wird und zudem bei der 7. Oscarverleihung am 27. Februar 1935 alle fünf Oscars, für die er nominiert war, auch gewinnen konnte.

Die Bankierstochter Ellie Andrews (Claudette Colbert) möchte unbedingt die Ehe mit dem Lebemann King Westley (Jameson Thomas) eingehen. Das stößt bei ihrem Vater Alexander Andrews (Walter Connolly) auf kein Verständnis und so sperrt er seine Tochter auf seiner Jacht ein. Doch sie kann entkommen und will mit dem Bus nach New York reisen. Nachdem sie bestohlen wurde, ist sie auf den Zeitungsreporter Peter Warne (Clark Gable), der im selben Bus reist, angewiesen. Doch im Gegenzug dafür möchte er die Rechte an der Exklusiv-Story über die Flucht der bekannten Bankierstochter haben. Obwohl sie sehr verschieden sind, lernen sie sich mit der Zeit besser kennen und auf einmal ist sich Ellie nicht mehr so sicher, wie ihre Reise ausgehen soll.

Clark Gable und Claudette Colbert
© D.R.

Dieser Film hatte bereits in so frühen Jahren der Academy-Geschichte eine Spitzenleistung vollbracht, die bis heute nur zwei weiteren Filmen („Einer flog übers Kuckucksnest“ (1975) und „Das Schweigen der Lämmer“ (1991)) gelungen ist. Er gewann auf der 7. Oscarverleihung am 5. März 1936, auf der 16 Preise (u.a. neu in dem Jahr ‚Bester Schnitt‘ und die Trennung der Preise für die ‚Beste Filmmusik‘ und den ‚Besten Song‘) vergeben wurden, die Big Five – sprich die fünf Hauptkategorien ‚Bester Film‘, ‚Beste Regie‘, ‚Beste Hauptdarstellerin‘, ‚Bester Hauptdarsteller‘ und ‚Bestes Drehbuch‘. Er setzte sich in diesem Jahr in der Kategorie ‚Bester Film‘ gegen sage und schreibe elf Konkurrenten durch u.a. Cecille DeMilles „Cleopatra“ (1933), „Der dünne Mann“ (1933) und Frank Borzages „Flirtation Walk“ (1933) durch. 

Clark Gable
© D.R.

Diesen enormen Erfolg verdankte der Film seiner Erneuerung des Komödien-Genres. „Es geschah in einer Nacht“ leitete die Ära der Screwball-Komödien ein und prägte damit ein neues Subgenre. In dieser Art Filme geht es immer um einen Kampf der Geschlechter, welche von starken Gegensätzen wie dem Bildungsstand oder Armut und Reichtum geprägt sind. Mann und Frau begegnen sich dabei meist in vielen Dialogen mit bissigem Witz, Situationskomik und auch dem einen oder anderen Slapstick-Element, was an frühere Stummfilme erinnert. Die beiden beginnen als Antagonisten, finden aber am Ende immer zusammen. Die klassische Ära lag in den 30er und 40er Jahren und wurde geprägt von Filmen Capras wie „Mr. Deeds geht in die Stadt“ (1936), „Lebenskünstler“ (1938) und „Arsen und Spitzenhäubchen“ (1944). Aber auch viele andere bekannte Regisseure u.a. Alfred Hitchcock , („Mr. Und Mrs. Smith“ (1941)) und Howard Hawks („Leoparden küsst man nicht“ (1938)) griffen dieses Genre auf. Auch in späteren Jahren gab es immer wieder Regisseure, die sich besonders für das Genre erwärmen konnten u.a. Billy Wilder mit seinen Filmen „Manche mögen’s heiß“ (1949) und „Eins zwei Drei“ (1961) sowie Peter Bogdanovich mit „Is‘ was Doc?“ (1972) und „Broadway Therapy“ (2014). 

Clark Gable und Claudette Colbert
© D.R.

Doch Frank Capra (1897-1991) und vor allem auch „Es geschah in einer Nacht“ werden vermutlich immer zu den größten Filmen dieses Genres gehören. Entstanden ist der Film auf Grundlage der Kurzgeschichte „Night Bus“ (1933) von Samuel Hopkins Adams. Der Drehbuchschreiber Robert Riskin (1897-1955), der hierfür seinen einzigen Oscar erhielt, obwohl er noch vier weitere Male meist für Frank-Capra-Filme nominiert wurde, reicherte die Grundgeschichte mit witzigen Dialogen und der ein oder anderen für die damalige Zeit gewagten Szene an. Aufgrund des begrenzten Budget hatten sie nicht viel Zeit die Geschichte umzusetzen, so wurde sie in nur vier Wochen vor allem an Originalschauplätzen u.a. in Bahnhöfen, am Hafen und in Motels abgedreht. Dadurch bekam der Film eine größere Authentizität als es in diesem Genre üblich ist und so fing er ganz nebenbei das Landleben ein, welches durch die Große Depression stark gezeichnet war. Der Film widmete sich so auch dem kleinen Mann und verlieh dem einfachen Arbeiter einen Hauch von Magie. Doch verklärte er diese Schicht nicht, sondern zeigte, dass darunter auch Gauner sind. Aber auch die Oberschicht wurde in diesem Film nicht per se verteufelt und so entpuppt sich beispielsweise ihr Vater als herzensguter Kerl. Diese Reise durch das Land gab dem Film nicht nur den Charme eines Roadmovies, bis dato war das noch nicht auf den Leinwänden zu sehen, sondern blickte in Amerikas Herz. Dazu passt hervorragend die zurückhaltende Inszenierung Frank Capras, die nicht besonders raffiniert oder trickreich war, sondern den Schauspielern den nötigen Raum gibt, sich in diesem wortreichen Film zu entfalten. Dies brachte dem Regisseur für diesen Film und für zwei weitere den Oscar für die ‚Beste Regie‘ ein. 

Clark Gable und Claudette Colbert
© D.R.

Bei einer Screwball-Komödie kommt es immer auf die Wahl der Schauspieler an. Für „Es geschah in einer Nacht“ konnte lange Zeit niemand gefunden werden, der die Hauptrollen übernehmen wollte. So wurde u.a. bei der jungen Bette Davis angefragt. Robert Montgomery war eigentlich als Hauptdarsteller geplant, lehnte aber ebenfalls ab. Über Umwege fand Capra irgendwann seine beiden Hauptdarsteller Clark Gable (1901-1960), der angeblich wegen seines aufmüpfigen Verhaltens gezwungen wurde, die Rolle anzunehmen, und Claudette Colbert (1903-1996), mit der Frank Capra bereits beim Film „For the Love of Mike“ (1927) zusammengearbeitet hatte. Das Zusammenspiel der beiden funktionierte in diesem Film wunderbar. Gable, der sich nur wenige Jahre später mit „Vom Winde verweht“ (1939) in die Herzen vieler Zuschauer spielte, gehörte zu den kassenträchtigsten Stars in den 30er Jahren und passt perfekt zur Rolle des frechen Zeitungsreporter. Er gibt seiner Figur genug Selbstbewusstsein, Humor und auch etwas sehr Charmantes, so dass man sich nicht wundern muss, dass sich Claudette Colberts Figur in ihn verliebt. Colbert schafft es ebenfalls der verzogenen Tochter eines Bankiers genug Leben und Witz einzuhauchen, dass man sich manchmal als Zuschauer von heute über ihr Verhalten zwar wundert, ihr aber trotzdem das Happy End gönnt, was die beiden bekommen sollen. Auch das Auswahlkomitee der Academy Awards erkannte, dass das Zusammenspiel der beiden großartig ist und zeichnete beide mit einem Oscar aus. 

Claudette Colbert und Clark Gable
© D.R.

Nach seiner Premiere am 22. Februar 1934 fanden die ersten Vorstellungen in kleineren Kinos statt und wurden erst durch Mundpropaganda vom Publikum mit der Zeit favorisiert. So dauerte es etwas, bis sich der Film „Es geschah in einer Nacht“ zu dem Box-Office-Film des Jahres mauserte. Auch heute noch gehört er zum festen Kanon an Filmen, die man gesehen haben sollte und funktioniert wunderbar als leichte Screwball-Komödie mit dem richtigen Maß von Witz und Schlagfertigkeit. So wundert es nicht, dass der Looney-Tunes-Cartoonist Fritz Freleng sich für seinen Bugs-Bunny-Helden etwas von Clark Cables Figur abgeschaut hat und 1956 ein Remake als Musical („Ohne Liebe geht es nicht“ (1956) von Dick Powell) erschien. „Es geschah in einer Nacht“ begründete die Screwball-Komödie, stellte Frau und Mann auf eine Ebene, wie es bisher kaum in anderen Filmen geschehen war, und hat trotz seines Alters immer noch einen wunderbaren Unterhaltungswert. Außerdem war er der erste Film, der alle fünf Hauptkategorien-Oscar gewinnen konnte.     

Fazit: Der Spielfilm „Es geschah in einer Nacht“ gewann auf der 7. Verleihung die fünf wichtigsten Oscars, darunter auch den für den ‚Besten Film‘. Der Regisseur Frank Capra und der Drehbuchschreiber Robert Riskin schufen die erste Screwball-Komödie, in der sich Mann und Frau auf einer Höhe mit einer hohen Dialoglastigkeit und viel Witz begegnen. Dieses Genre erfreut sich bis heute größter Beliebtheit und trotzdem gehört „Es geschah in einer Nacht“ immer noch zu den besten seiner Art und das verdankt er dem wunderbaren Spiel von Claudette Colbert und Clark Gable, die hier auf störrische Weise wunderbar miteinander harmonieren.

Bewertung: 7,5/10    

Trailer des Films „Es geschah in einer Nacht“

geschrieben von Doreen Matthei

 Quellen:

Diese Rezension ist als Teil der Oscar-Reihe der Testkammer erschienen.

2 Gedanken zu “„Es geschah in einer Nacht“ (1934)

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