Fünf Fragen an Äggie Pak-Yee Lee

Interview: In unserem zweiten Gespräch mit der aus Hong Kong stammenden Filmemacherin Äggie Pak-Yee Lee konnten wir mehr über ihren zweiten Kurzfilm „Five Steps to the Right“ (nach „Muteum“) erfahren, der auf dem 31. Filmfest Dresden lief, warum sie einen andere Animationsstil gewählt hat und wie es ihr seitdem ergangen ist.   

The original english language interview is also available.

Wie kamst Du auf die Idee für Deinen zweiten Kurzfilm „Five Steps to the Right“? Hat es was mit der neuen Fitness-Welle zutun?

Die Idee von „Five Steps to the Right“ wurde ursprünglich durch eine große Menge an Frustration ausgelöst. Es war ein unruhiger Moment, der mich in einen Klumpen Elend verwandelte. Das Projekt half mir, den Ausgang zu finden – durch Bewegung und Vorstellungskraft! Außerdem habe ich auf die traditionelle Methode des Storyboards in diesem Film verzichtet und mehr Improvisation erlaubt. Es hat Spaß gemacht! Ich bin seit Jahrzehnten über mein eigenes Fett verärgert, aber gleichzeitig spiele ich sehr gerne mit meinem weichen Fleisch und meiner Saftigkeit. 

Der Stil Deines zweiten Films unterscheidet sich von „Muteum“, Deinem ersten Kurzfilm. Wie kam es, dass Du komplett auf Farbe verzichtet hast.

Es ist ein nackter Film, also habe ich mich entschieden, es komplett durchzuziehen – keine Farbe, kein Feinschliff und keine Ebenen. Ich habe viele verschiedene visuelle Stile für „Five Steps to the Right“ ausprobiert. Sie sahen alle sehr gut ausgearbeitet aus. Später zweifelte ich: „Wie kannst du es wagen, in der Sauna Kleidung zu tragen?“ Ich denke, Skizzen haben ihre eigene magische Kraft – die Kommunikation mit Menschen direkt aus unserem Kopf heraus. 

Du wurdest beim Filmfest Dresden für den Filmton-Preis nominiert. Warum sticht Dein Ton so raus?

Die Filmton-Nominierung von „Five Steps to the Right“ war unerwartet. Der erste Grund könnte sein – die Jury hat einen wirklich guten Geschmack. Heeeheee. Als ich die Klanglandschaft festlegte, sagte mir interessanterweise mein Sound-Designer ganz unverblümt: „Ich denke, es funktioniert nicht“. Danach wurden die meisten Klänge und das Voice Over von mir mit meinem iPhone gemacht. Nachdem ich von der Nominierung erfuhr, schrie mein Herz wie ein Löwe „Jaaa!“. Der zweite Grund für den guten Ton könnte sein, dass die Lautsprecher im Kino sehr gut waren. Außerdem schätze ich, dass das Festivalteam bei der Überwachung der Screeningqualität gute Arbeit geleistet hat. 

Als wir uns das letzte Mal unterhalten haben, fühltest Du Dich noch nicht so richtig entwickelt als Filmemacherin. Wie fühlst Du Dich jetzt?

Ich bin immer noch eine Kartoffel und versuche, etwas zu machen, dann das nächste und das nächste. Ich versuchte, nicht zu viel darüber nachzudenken, wer ich bin, aber manchmal brauche ich einen Titel, damit die Leute mich schneller kategorisieren und mir Möglichkeiten geben können. Wenn ich weiter rolle, dann denke ich, dass Identitäten mir einfach folgen werden. Als ich noch ein Kind war, dachte ich, ich würde eine Nonne oder eine Bettlerin werden, jetzt denke ich, dass es eine perfekte goldene Mitte ist, Künstlerin oder Filmemacherin zu sein. 

Werden wir Dich im nächsten Jahr wieder auf dem Filmfest Dresden sehen?      

Ich würde gerne wieder am Filmfest Dresden teilnehmen, wenn ich Glück habe! Ich habe die Fragerunde mit dem Dresdner Publikum und die gesamte Festivalatmosphäre sehr genossen. Aber ich glaube nicht, dass mein neuer Film im nächsten Jahr fertig sein wird. Ich möchte mir etwas Zeit nehmen, um die Welt vor dem nächsten Projekt etwas länger und tiefer aufzunehmen. Im Moment mache ich einen Experimentalfilm – nur um mich an die Freude am Spielen und den Raum der Spontaneität zu erinnern. 

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Five Steps to the Right


Interview: In our second interview with Hong Kong-born filmmaker Äggie Pak-Yee Lee, we learned more about her second short film „Five Steps to the Right“ (after „Muteum„), which was shown at the 31st Filmfest Dresden, why she chose a different animation style and how she has fared since then.

How did you come up with the idea for your second short film „Five Steps to the Right„? Did you have anything to do with the somehow always new and current fitness wave?

The idea of „Five Steps to the Right“ was originally triggered by an extensive amount of frustration. It was an edgy moment that I transformed into a lump of misery. The project helped me to find the exit – by exercises and imagination! Also, I ditched the traditional method of storyboarding in this film, but allowed more improvisation. It was fun! I have been annoyed by my own fat for decades, but at the same time I really enjoy playing with my soft meat and juiciness. 

The style of your second film is different from „Muteum„. How did it happen that you completely abandoned color?

It’s a naked film, so I decided to let it all the way down – no color, no polishing and no layers. I had tried out many different visual styles for „Five Steps to the Right„. All of them looked very well-crafted. Later I doubted, “how dare you wearing clothes in a sauna?” I think sketches have their own magical power – communicating with people directly from our mind. 

You were nominated for the sound award at the Filmfest Dresden. Why does your sound stand out so much?

The sound nomination of Five Steps was unexpected. The first reason might be – the committee jury has really good taste. Heeeheee. Interestingly when I was directing the soundscape, my sound designer told me bluntly, “I think it doesn’t work”. Then, most of the sound and voice over were made by me on my iphone. Now, after knowing I got the nomination, my heart screamed like a lion “Yeees!”. The second reason for the good sound might be – the speakers in the theatre venues were very good. Also, I guess the festival team did a great job in monitoring the screening quality, too. 

The last time we talked you didn’t feel properly developed as a filmmaker. How do you feel now?

I am still a potato, trying to make something, next after next. I tried not to think too much about who I am, but sometimes I need a title for people to categorize me quicker and give me opportunities. If I keep rolling, then I think identities will follow after me. When I was a child, I thought I would be a nun or a beggar, now I think being an artist or filmmaker is a perfect golden middle. 

Will we see you again next year at the Filmfest Dresden?

I would love to attend Filmfest Dresden again, if I am lucky enough! I enjoyed so much the Q&A session with Dresden’s audience and the whole festival’s atmosphere. But I don’t think my new film will be ready yet next year. I would like to take some time to absorb the world a bit longer and deeper before the next. Right now I am making an experimental film – just to remind myself the joy of playing and the room of spontaneity. 

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm „Five Steps to the Right

2 Gedanken zu “Fünf Fragen an Äggie Pak-Yee Lee

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