Sieben Fragen an Äggie Pak-Yee Lee

Interview: Der Kurzfilm „Muteum“ hatte das 30. Filmfest Dresden mit eröffnet und viele Zuschauer wunderbar erheitert. Im Interview erzählt Filmemacherin Äggie Pak-Yee Lee wie es zu dem Film kam, über berühmte Gemälde und Reaktionen auf den Film.

The original english language interview is also available.

Dein Kurzfilm „Muteum“ hat das 30. Filmfest Dresden mit eröffnet und konnte bei jedem Screening die Zuschauer sehr erfreuen. Wie hat sich die Idee dafür entwickelt? Speist der Film sich aus eigenen Erfahrungen?

Ich bin wirklich froh, dass „Muteum“ für einige Zuschauer beim Filmfest Dresden gut ankam. „Muteum“ war ursprünglich eine der Übungen, die ich im Drehbuchaufbauseminar von Priit Pärn [Anm. d. Red: einer der bekanntesten Zeichentrickregisseure in Estland] gemacht habe. Es dauerte jedoch ein Jahr, um die Entwicklung mit dem Herumspielen und sorgfältig Entscheidungen über die Details abzuschließen.

Ja, „Muteum“ ist in der Tat ein Spiegel der Atmosphäre meiner Schule in der Kindheit – der lächerlichen Kontrolle, um die Stille zu bewahren, die traditionelle Art der Kunstvermittlung und wie Schüler lernten, innerhalb des System zu spielen. Es gibt einige Tage, an denen ich die Macht hatte, als ältere Schülerin auf jüngere Schüler aufzupassen. Ich erinnere mich genau, wie verdorben meine Seele sein konnte.

Wie wurde Dein Film in Hongkong selbst aufgenommen?

Eigentlich möchte ich das auch wissen. „Muteum hatte großes Glück, dass er zwei Auszeichnungen in Hongkong erhielt – bei IFVA [Inkubator für Film und Visuelle Medien in Asien] und beim ‘Sundance Festival Hong Kong’ Kurzfilmwettbewerb. Leider war ich aber nur bei einer Vorführung von „Muteum“ in Hongkong dabei, da ich im Moment in Europa lebe.

Animierte Shorts werden jetzt in Hongkong beliebter, aber ich denke, es wird noch lange dauern, bis das Publikum groß genug ist, um die Konsumgewohnheiten von Mainstream-Unterhaltungsfilmen auf unabhängige Filme zu verlagern.

Ich erinnere mich daran, dass nachdem ich „Muteum“ meinen Eltern und meinem Bruder gezeigt hatte, sie mich mit ausdruckslosen Gesichtern ansehen. Vater sagte: „Ich weiß nicht, wie ich den Film verstehen soll.“ Mutter fragte: „Warum verbringst du so viel Zeit damit, einen Film mit herumspringenden Kindern zu machen?“ Bruder sagte: „Das ist alles?“

Kannst Du mir mehr zu Deinem Animationsstil erzählen

In „Muteum“ benutzte ich Bewegung wie bei Cut-Out-Animationen (Limited Animation) und Pastellstift zum Ausmalen. Das ist nicht das, was ich normalerweise benutze, aber ich dachte, es würde nach all den Experimenten am besten zum Film passen. Außerdem sind Rhythmus, Struktur und Leerraum für die Phantasie die Hauptelemente, die ich bei der Animation von „Muteum“ berücksichtigt habe.

Kunsthistoriker haben ihre wahre Freude an dem Film. Warum hast Du Dich gerade für diese Gemälde entschieden?

Der Auswahlprozess verlief wie folgt. Zuerst habe ich ‘das teuerste Bild’ in Google gesucht. Danach habe ich diejenigen herausgefiltert, die ich noch nie zuvor gesehen habe, denn ich brauchte Kunstwerke, die bekannt sind. Drittens habe ich diejenigen mit weniger Personen ausgewählt, so dass es einfacher war, sie zu animieren.

Erzähl mir bitte etwas mehr von Dir. Bist Du Künstlerin, Filmemacherin oder einfach alles zusammen?

Äggie Pak-Yee Lee auf dem 30. Filmfest Dresden

Bisher denke ich, dass ich noch nichts bin, wie eine herum rollende Kartoffel. Ich hoffe, dass ich alles zusammen sein kann, wie die meisten Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler, die ich sehr bewundere. Ich arbeite hart, aber ich weiß, dass es noch ein langer Weg ist.

Wie stehst Du zur klassischen Kunst? Hast Du einen Lieblingsmaler?

Der Großteil der klassischen Kunst ist für mich mit Mathematik und Perfektion verbunden. Sie hat ihren historischer Wert, aber die meisten von ihnen sind emotional zu neutral, nicht mein Ding. Einige Gemälde sind sehr schön, die mit ihren eigenen Geschichten, Ansichten, mit Anflügen von Humor und Charisma. Zum Beispiel hat mir mein Besuch im Dresdner Zwinger sehr gut gefallen. Ich habe keinen Lieblingsmaler aus der Klassik, nur einige zeitgenössische wie Paul Klee. Und ich mag auch wie viele traditionelle, orientalische Kunst, aus Japan, Indonesien, China und Persien.

Hast Du schon neue Projekte geplant?

Ja, auf jeden Fall! Zuerst möchte ich einen Kalender für 2019 erstellen. Zweitens muss ich einen experimentellen Kurzfilm fertig stellen, der mit saftigem Sound spielt. Drittens schreibe ich ein weiteres Drehbuch für meinen nächsten Erzählfilm.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Muteum


Interview: The short film „Muteum“ was among the opening films of the 30th Filmfest Dresden and cheered many viewers wonderfully. In our interview filmmaker Äggie Pak-Yee Lee tells us how the film came about, about famous paintings and reactions to the film.

Your short film „Muteum“ opened the 30th Filmfest Dresden and was able to delight the audience at every screening. How did the idea for it develop? Does it feed from your own experiences?

I’m really glad that „Muteum“ is tasty for some audience in Filmfest Dresden. „Muteum“ was originally one of the exercises I have made in the script construction class taught by Priit Pärn. However it took one year for developing, playing around and making decision with details carefully.

Yes, „Muteum“ is indeed a reflection of the atmosphere of my school in childhood – the  ridiculous control to maintain silence, the traditional way of art education and how students learnt to play inside the system. There are some days I got the power as a senior student to monitor junior students, I clearly remember how corrupted my soul could be.

How was your film received in Hong Kong itself?

Actually I also want to know…

Muteum“ was very lucky that it got 2 awards in Hong Kong, in IFVA and Sundance Festival Hong Kong short film competition, but unfortunately I have only been to one screening of „Muteum in Hong Kong so far, since my base is in Europe at the moment.

Animated shorts is growing in Hong Kong now, but I think it will still take a long time to grow audience to shift the consuming habits from mainstream entertaining movies to independent cinema. I remembered after I showed „Muteum“ to my parents and brother, they looked at me with their straight faces. Father said, “I don’t know how to appreciate.” Mother asked, “why do you spend so much time just to make a film with children jumping?” Brother said, “that’s it?”

Can you tell me more about your specific animation style?

In Mutuem, I used cut-out like motion (limited animation method) for animating and pastel pencil for coloring. This is not what I usually use, but I thought it would fit the film the best after all the experiments. Besides, rhythm, structure and empty space for imagination are the main elements I consider when I was animating „Muteum“.

Anyone familiar with art history will be truly delighted by the film. Why did you choose these paintings in particular?

The selection process was like the following. First, I searched “the most expensive painting” in google. After that, I filtered those I have never seen before since I need them to be iconic. Third, I chose those with fewer characters, so it would be easier to animate…

Please tell me more about yourself. Are you an artist, a filmmaker or everything together?

So far I think I am still nothing, like a potato rolling around. I hope I can be everything together, like most of the artists, writers and scientists who I deeply admire. I’m working hard, but I know there is still a long way to go.

What do you think of classical art? Do you have a favourite painter?

Most of the classical art for me is related to mathematics and perfections. They have their historical value, but most of them are too emotionally neutral, not my cup of tea. Some paintings are quite nice, which has their own stories, attitudes, with slices of humor and charisma. For example, I really enjoy my visit in Dresden Zwinger Palace. I don’t have a favorite painter from classical period, only some contemporary ones… like Paul Klee. And I also like a lot of traditional oriental art, from Japan, Indonesia, China and Persia.

Do you already have any new projects planned?

I do! First, I want to make a 2019 calendar. Second, I need to complete an experimental short, playing with juicy sound. Third, I am writing another script for my next narrative film. Do you have a photo of yourself that could be published alongside the interview?

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm „Muteum

2 Gedanken zu “Sieben Fragen an Äggie Pak-Yee Lee

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