„Das Leuchten der Erinnerung“ (2017)

Filmkritik:  Noch zu wenige Filme thematisieren die schwierigen Themen des Alters und selten gelingt das einem Film so leichtfüßig wie der Romanverfilmung „Das Leuchten der Erinnerung“ (OT: „The Leisure Seeker“, Italien/Frankreich, 2017), das englischsprachige Debüt des Italieners Paolo Virzi mit hochkarätiger Besetzung.

Ella (Helen Mirren) und John (Donald Sutherland) sind schon seit langer Zeit ein Paar. Um der alten Zeiten willen brechen die beiden zu einem Roadtrip mit ihrem alten Wohnmobil, dem Leisure Seeker, auf. Während die beiden Kinder Will (Christian McCay) und Jane (Janel Moloney) sich Sorgen um ihre Eltern machen – der ehemalige Literaturprofessor leidet mittlerweile unter Alzheimer und Ella ist schwer erkrankt – fahren sie die Stationen ab, welche für sie eine Bedeutung haben, um am Ende das Haus von Ernest Hemingway zu besuchen. Während der Reise verschlechtert sich Johns Zustand, aber Ella hält an ihrem Plan fest.

Im Jahr 2009 kam das Buch „Das Leuchten der Erinnerung“ (OT: „The Leisure Seeker“) von Michael Zadoorian (*1957) heraus, welches weltweit und vor allem in Italien sehr erfolgreich war. Dieses sprach den italienischen Regisseur Paolo Virzi (*1964) so an, dass er sich entschied mit der Verfilmung seinen ersten englischsprachigen Film zu machen, was er sich bis dahin nie hätte vorstellen können. Zuvor hat er sich mit den Filmen „Die süße Gier“ (2013) und „Die Überglücklichen“ (2016) international einen Namen gemacht. Zusammen mit den Autoren Stephen Amidon, Francesca Archibugi und Francesco Piccolo schrieb er das Drehbuch zunächst auf italienisch und ließ es dann von seinem Co-Autor übersetzen. Die Geschichte folgt der Regie eines klassischen Roadmovies, in dem der Weg das Ziel ist. Gelungen ist, dass der Film auf eine vorhergehende Charakterisierung der Figuren verzichtet, sondern erst auf der Fahrt nach und nach die Vorgeschichte der Protagonisten und somit auch die Erkenntnisse mit dem Zuschauer teilt. Der Film schafft es, die richtige Balance zu halten nicht nur zwischen Humor und Melancholie, sondern auch zwischen einfühlsamen, authentischen Portrait und hollywoodgerechten Bildern. Die Kamera bleibt gleichzeitig nah an ihren beiden Hauptfiguren dran und fängt doch die amerikanische Weite ein. Zusätzlich wird zwar nicht vordergründig, aber trotzdem wertend, die politische Stimmung des Landes eingefangen, zu der Zeit als der Wahlkampf von Trump im vollen Gange war. Die passende Musik zum FIlm hat Carlo Virzi, der Bruder des Regisseurs, dazu komponiert. Sie ist unauffällig und wunderbar anschmiegsam.

Wunderbar ist auch die Auswahl der Schauspieler. Die britische Darstellerin Helen Mirren, welche für „The Queen“ (20066) mit dem Oscar ausgezeichnet wurde und sich mit Filmen wie „Tintenherz“ (2008), „Hitchcock“ (2012) und „Die Frau in Gold“ (2015) in die Herzen der Zuschauer gespielt hat, überzeugt hier als rüstige, geschwätzige Rentnerin, die weiß was sie will. Sie zeigt, dass Autonomie nicht weggenommen werden kann und schafft es zerbrechlich und sehr stark zugleich zu sein. An ihrer Seite wird der an Alzheimer erkrankte John wunderbar von Donald Sutherland verkörpert, welcher sich vor der Reihe „Die Tribute von Panem“ im letzten Jahrhundert mit Filmen wie „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (1973) und „Outbreak“ (1995) einen Namen gemacht hat. Als Gegenstück zu Helen Mirrens Rolle ist Sutherland perfekt besetzt, Sympathisch, weich und authentisch gestaltet er seine Figur, deren Verlust der Erinnerung er dem Zuschauer schmerzlich aber ohne Lächerlichkeit spürbar macht. Nachdem die beiden Darsteller bereits 1990 in dem Film „Bethune – Ein Arzt wird zum Helden“ zusammen gespielt haben, geben sie hier eine Glanzleistung ab, welche den Zuschauer mit Gefühlen, Sinn für die Realität und der richtigen Prise Humor packt. Das macht „Das Leuchten der Erinnerung“ zu großartigem Schauspielerkino.

Fazit: Der Spielfilm „Das Leuchten der Erinnerung“ ist die gelungene Romanadaption des italienischen Regisseurs Paolo Virzi, der damit sein englischsprachiges Debüt feiert. Seine souveräne Inszenierung mit den Weiten Amerikas und den intimen Nahaufnahmen gibt den beiden Schauspieler Helen Mirren und Donald Sutherland den perfekten Rahmen für ihr berührendes Spiel, welches den Film zu einer absoluten Empfehlung macht. Selten wurde das Altern in einem Roadmovie ohne Pathos aber mit so viel Herz eingefangen.

Bewertung: 9/10

DVD-Start: 8. Mai 2018

Der Trailer zum Film „Das Leuchten der Erinnerung“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

 

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