Acht Fragen an Thanasis Neofotistos

Interview: Im Gespräch mit dem griechischen Filmemacher Thanasis Neofotistos konnten wir mehr über seinen One-Taker „Patision Avenue“, der u.a. auf der Eröffnung des 31. Filmfests Dresden lief, wie es war, dieses Projekt im belebten Athen umzusetzen und von seiner Liebe zu dieser Stadt.  

The original english language interview is also available.

Kannst Du mir zu den Ursprüngen für Deinen Kurzfilm „Patision Avenue“ erzählen?

Patision Avenue“ war eine Idee, die ich für ein Projekt hatte, das als Thema meine Stadt Athen hatte. Für mich ist es wie eine Hommage an Athen. Eine schwierige Stadt, die ich wirklich liebe!

Du arbeitest schön den Kontrast heraus zwischen den eigenen Problemen und Vorgängen, die mehr als nur die eigene Familie betreffen. Welche Botschaft lag Dir damit vor allem am Herzen?

Marina Symeou

Ich danke dir! Die Grundidee für diesen Film war das Dilemma einer Mutter, die „gezwungen“ ist, zwischen Mutterschaft und Karriere zu wählen. So wie ich es empfinde, war es eigentlich ein persönlicher Brief an meine Mutter, und so würde ich wahrscheinlich sagen, dass die persönlichen Probleme ganz vorne stehen. Ich habe das charakterbasierte Kino schon immer geliebt. Was für mich im Film passiert, ist, dass diese persönlichen Fragen im Einklang mit dem stehen, was im Hintergrund passiert. Das vergrößert den Konflikt automatisch.   

Was bedeutet die Stadt Athen selbst für Dich? 

Athen ist meine Stadt, ich liebe sie. Sie hat eine große Vielfalt und ein reichhaltiges Temperament und auch ihre eigenen einzigartigen und charmanten Schwierigkeiten!

Stilistisch ist Dein Film außergewöhnlich. Erzähl mir, warum Du Dich einerseits für einen Onecut und andererseits für die Perspektive hinter ihrem Rücken entschieden hast?

Marina Symeou

Ich mag das Wort außergewöhnlich! Als Künstler fühlt man sich immer wohl, wenn man sich einzigartig fühlt! Vielleicht ist das der Grund, warum ich und mein Team beschlossen haben, diesen One Shot zu machen! Ich habe natürlich noch zwei weitere wunderbare Gründe, warum wir es getan haben: Erstens finde ich Kurzfilme den besten Weg, um in der Erzählung und im Filmemachen zu experimentieren und zweitens liebe ich Videospiele! Und bei Videospielen spiele ich einen Avatar immer aus der gleichen Perspektive genau wie bei der Regie dieses Films! 

Kannst Du mir mehr noch mehr zu Dreharbeiten erzählen? Wie konntet ihr das Projekt so überzeugend umsetzen?

Marina Symeou

Die Dreharbeiten waren eine der intensivsten Erfahrungen meines Lebens! Für das One Take hatten wir eigentlich nur zwei Möglichkeiten, zu drehen, weil wir nur die „goldene Stunde“ (Sonnenuntergang) wollten. Und wir haben die eine Möglichkeit für eine Probe benutzt. Am Ende haben wir nur einmal gedreht. Einmal und für immer. Im Zentrum von Athen voller Menschen und mit über 70 Statisten. Ich und mein Team waren vorbereitet, weil wir für diese Aufnahme über drei Monate geprobt hatten! 

War es schwierig die richtige Darstellerin zu finden?

Eigentlich nicht. Ich traf Marina Symeou, meine Schauspielerin bei den Berlinale Talents 2014, als wir beide dort waren, und ich spürte die Chemie. Sie war mein Heldin. Davon inspirierte dachte ich weiter an einen Film mit ihr. Es war ein Segen, dass wir zusammengefunden hatten. Jetzt sind wir Freunde und tatsächlich haben wir bereits einen neuen Kurzfilm gemacht, mit ihr als Drehbuchautorin [Anm. d. Red.: „Route-3“ (2019)]. 

Kannst Du mir zum Schluss noch etwas mehr von Dir erzählen. Ich habe gesehen, dass Du Dokumentar-, Experimental- und Realfilme realisiert. Wofür schlägt Dein Herz am meisten?

Ich bin ein Geschichtenerzähler. Schöne Geschichten findet man in Dokumentationen und manchmal, über die Sinne oder Gefühle, sogar in Experimentalfilmen. Hauptsächlich liebe ich den Spielfilm.

Welche nachfolgende Projekte stehen an? Welche Themen, findest Du, gehören auf die Leinwand?

Mein nächster Kurzfilm, „Route-3“, wird im September dieses Jahres beim 44. offiziellen Wettbewerb Toronto TIFF 2019 uraufgeführt! Ich bin auch in der Finanzierungsphase meines ersten Spielfilms „Peter und der Wolf“ und in der Entwicklungsphase meines Spielfilms „Wild Boars“. Alle von ihnen teilen die Themen: Menschen in großen Dilemmata, Familienbeziehungen und Vielfalt. 

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Patision Avenue


Interview: In our conversation with the Greek filmmaker Thanasis Neofotistos we could learn more about his one-shot film „Patision Avenue„, which was shown at the opening of the 31st Dresden Film Festival, how it was to realize this project in lively Athens and about his love for this city.  

Can you tell me about the origins of your short film „Patision Avenue„?

Patision Avenue“ was an idea I had for a project that as a topic had my city, Athens.  For me it’s like a tribute to Athens. A difficult city that I really love!

You beautifully work out the contrast between personal issues and events that affect more than just one’s family. What message was most important to you?

Thank you! The main idea for this film was the dilemma of a mother who is “forced” to choose between motherhood and career. As I feel it, it was actually a personal letter to my mother and so I would probably say the personal issues are in the  front row. I always loved character based cinema. What happened for me in the movie is that these personal issues are in accordance with what is happening in the background. That automatically magnifies the conflict.   

What does the city of Athens mean to you? 

Athens is my city, I love it. It has great diversities and rich temperament and also its own unique and charming difficulties!. 

Stylistically, your film is extraordinary. Tell me, why did you choose a one shot on one hand and only the perspective over her shoulder on the other?

I like the word extraordinary! As an artist you always feel nice when you feel unique! Maybe that’s why, me and my team, chose to do this long take shot! I have of course two other wonderful reasons why we did it: firstly I find short films the best way to experiment in the narration and filmmaking and secondly, I love videogames! And in videogames I always play an avatar from the same perspective as I directed the film! 

Can you tell me more about the shoot? How could you realize the project so convincingly?

The shootings were one of the most intense experiences of my life! For the long take we had actually two opportunities to shoot it because we only wanted the “golden-hour” (sunset).  And we used the one for a rehearsal. At the end we only shot once. One time and for good. In the center of Athens full of people and over 70 extras to handle. Me and my team we were so prepared as we rehearsed for this shot over 3 months! 

Was it difficult to find the right actress?

Actually no. I met Marina Symeou, my actress in Berlinale Talents in 2014 when we were both there, and I felt the chemistry. She was my heroin. Then, I continued inspiring and thinking of the film with her. It was a blessing that we ended up together. Now we are friends and actually we made a new short film, with her as a screenwriter. 

Can you tell me a bit more about yourself at the end? I’ve seen you make documentaries, experimental and live-action films. What does your heartbeat the most for?

I am a storyteller. You can find beautiful stories in documentaries and sometimes, through the senses or feelings, even in experimental films. Mostly, I love the fiction film.

Which subsequent projects are on the agenda? Which topics do you think belong on the screen?

My next short film, “Route-3” will world premiere at 44th Toronto TIFF 2019 official competition this September! I am also in financing stage of my first feature film “Peter and the Wolf” and in the development stage of my feature film “Wild Boars”. All of them I feel share the topics: humans in big dilemmas, family routes and diversities. 

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm „Patision Avenue

2 Gedanken zu “Acht Fragen an Thanasis Neofotistos

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