„Patision Avenue“ (2018)

Kurzfilm / Griechenland / Fiktion / 2018

Filmkritik: Einer der Eröffnungsfilme des 31. Filmfest Dresden war der griechische Kurzfilm „Patision Avenue“ von Thanasis Neofotistos, dieser verbindet einen ungewöhnlichen Inszenierungsstil mit einem authentischen Portrait der Stadt Athen.

Yannis Mutter (Marina Symeou) ist auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch. Sie ist bereits spät dran, als sie den Anruf ihres kleinen Sohnes erhält, der ihr erklärt, dass er alleine zu Hause ist. Während sie durch die Stadt läuft, in der gerade Unruhen ausbrechen, versucht sie eine Lösung zu finden.

Der griechische Filmemacher Thanasis Neofotistos, der auch eine Vorliebe für Computerspiele hat, bringt uns mit seinem fast 13-minütigen Kurzfilm nach Athen. Er erzählt eine private Geschichte, die sich vor allem um die eigene Familie dreht und macht das Muttersein mit all seinen Hürden greifbar. Er thematisiert dabei die Schwierigkeit, zwischen Familie und Karriere die Balance zu finden. Gleichzeitig zeigt er durch den Fußmarsch die Stadt Athen in vielen Facetten: die Weitläufigkeit, die Menschen, die unterschiedlichen Architekturen, aber auch Chaos und Unruhen. Dieses Zusammenspiel der eigenen privaten Welt und der Umwelt fängt er wunderbar ein und lässt sowohl die Spannung als auch das Bedrohungspotential ansteigen, so dass hier nicht nur ein Kontrast, sondern auch ein Spiegel erkennbar ist. Für seine Geschichte wählt er einen ungewöhnlichen Inszenierungsstil. Er drehte seinen Film als einen One-Shot, das heißt am Stück ohne Schnitte. Der Kurzfilm eignet sich für diese Inszenierungsart wunderbar, was u.a. Filme wie „Je ne suis pas un grand acteur“ (2017), „Wildschaden“ (2018) und „Dark Chamber“ (2018) ebenfalls beweisen. Wenn man sich für diese Art entscheidet, bekommt der Film automatisch eine sehr eindringliche Komponente und verlangt vom ganzen Team eine enorme Leistung ab. Bei Neofotistos Film kommt noch dazu, dass die Protagonistin konsequent von hinten gefilmt wird und die Kamera dabei stets nah an ihr dran bleibt und so ihre Position und Fokussierung stark verankert. Im Gesamten schafft es der Filmemacher eine starke Geschichte mit einer bemerkenswerten Bildsprache zu erzählen – packend, unterhaltsam und realitätsnah ist dadurch sein Kurzfilm geworden.

Fazit: Der Kurzfilm „Patision Avenue“ des griechischen Filmemachers Thanasis Neofotistos ist ein eindringlicher Film, der mit seiner subjektiven Sicht das Private mit dem Umfeld verbindet. Sein realitätsnaher One-Taker besitzt dabei eine klare Spannungskurve nach oben und ist gleichzeitig Portrait der Stadt und des Mutterseins. Gekonnt verbindet er diese Elemente in nur 13 MInuten miteinander und schafft damit gute Unterhaltung und eine hervorragende Anspannung.       

Bewertung: 8/10

Trailer zum Kurzfilm „Patision Avenue“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

2 Gedanken zu “„Patision Avenue“ (2018)

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