„Yesterday“ (2019)

Filmkritik: In letzter Zeit sprießen die Hommagen und Lebensverfilmungen großer Musiker aus dem Boden. So ist „Rocketman“ eine wunderbare Musical-Hommage an Elton John und „Bohemian Rhapsody“ baute ein Denkmal für den verstorbenen Freddie Mercury und seine Band Queen auf. Der Regisseur Danny Boyle wählt einen anderen Weg, um die britische Popband schlechthin, die Beatles, zu ehren.    

Der 27-jährige Jack Malik (Himesh Patel) hat für seine Liebe zur Musik viel geopfert. Nach einem missglückten Gig beschließt er, die Musik an den Nagel zu hängen. Zu allem Übel wird er auch noch bei einem weltweiten Stromausfall von einem Bus angefahren. Als er wieder aufwacht, scheint alles wie bisher zu sein. Doch als er seinen Freunden den Klassiker ‚Yesterday‘ der Beatles vorspielt, hält es seine Freundin und Amateur-Managerin Ellie Appleton (Lily James) für seine Komposition. Wie kann das sein? Scheinbar hat es diese Band nie gegeben. Was also soll Jack machen, der sich scheinbar als einziger an diese fantastischen Songs erinnern kann? Könnte das sein Sprungbrett auf der Karriereleiter sein?

Himesh Patel und Kate McKinnon
© Jonathan Prime/Universal Pictures

Der Regisseur Danny Boyle (*1956) ist für seine Vielseitigkeit bekannt. Er schuf u.a. Filme wie „Trainspotting“ (1996), „Sunshine“ (2007) und den Oscar-prämierten „Slumdog Millionär“ (2008). Für seinen neuesten Film „Yesterday“ arbeitete er mit dem renommierten Drehbuchschreiber Richard Curtis zusammen, der u.a. die Drehbücher zu „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ (1994), „Tatsächlich … Liebe“ (2003), „Radio Rock Revolution“ (2009) und „Alles eine Frage der Zeit“ (2013) geschrieben hat. Gemeinsam schufen sie eine Mischung von Außenseiter-Geschichte, gepaart mit viel Romantik, wie man es von Curtis erwarten würde, und einer Hommage an die große britische Popband. An der Entstehung des Film waren Paul McCartney und Ringo Starr, die zwei noch lebenden Beatles zwar nicht beteiligt, aber sie segneten das Projekt ab. Der Film zeigt, dass man auch im Gegensatz zu den klassischen Biopics, Musiker auf andere Art und Weise verehren kann. „Across the Universe“ (2007) von Julie Taymor hatte es bereits als Musicaladaption bewiesen. Doch „Yesterday“ gibt die Songs ganz unprätentiös wieder und zeigt die Kraft der Texte und Melodien, welche die vier jungen Musiker damals geschrieben und komponiert haben. In den Musikteil der Geschichte bauen die Filmemacher gleichzeitig nochmal ein Portion Kritik am Musikbusiness ein. Mit dem Auftritt von Ed Sheeran, der sich selbst spielt, kommt nochmal eine selbstironische und angenehm asketische Note des bekannten Popsängers dazu. In der anderen Hälfte des Films geht es um einen klassischen Außenseiter und wie er die wahre Liebe findet. Viel Romantik dominiert diesen Teil des Films und das sollte man auch mögen, sonst verliert der Film für den Zuschauer an Schwung. Hinzu kommt eine gute Portion Humor, vor allem wenn es um die Dinge geht, die nicht mehr existieren, es betrifft nämlich u.a. auch Cola und Harry Potter. Doch hauptsächlich servieren Boyle und Curtis eine Liebesgeschichte vereint mit einer musikalischen Hommage, die auf jeden Fall Freude macht, die Songs der Beatles nochmal für sich entdecken lässt und berühren kann.

Lily James und Himesh Patel
© Jonathan Prime/Universal Pictures

Als Clou gilt die Besetzung des Films. Himesh Patel ist ein Unbekannter im Filmgeschäft und verkörpert so passend den Newcomer und Außenseiter. Die Performance der 17 Lieder ist dabei stimmig, aber leider wirkt er in einigen Situationen wie seine Figur überfordert und bietet leider dadurch nicht genügend Gefühl für die romantischen Szenen. Doch im Spiel mit den anderen hervorragenden Darstellern funktioniert es trotzdem ganz gut. Lily James („Baby Driver“ (2017), „Die dunkelste Stunde“ (2017)) und Kate McKinnon („Ghostbusters“ (2016) und „Bad Spies“ (2018)) werten das Ensemble ungemein auf. Die eine bietet berührend kitschige Momente und die andere zeigt ihr Spielfreude bei der Auslegung der bösen Managerin. Auch Ed Sheeran, der sich selbst spielt und hier etwas Katharsis zeigt, ist gut besetzt. Die Handlungen finden in einem für Danny Boyle angemessenen Rahmen statt – in einem kleinen beschaulichen, englischen Dorf namens Gorleston-on-Sea. Als starker Gegensatz zu Amerika wird hier diese Idylle, wo das eigentliche Glück liegt, herausgearbeitet. Das passt sehr gut zum kitschigen Ende, was aber die Zuschauer nicht als störend, sondern als den richtigen Abschluss für eine romantische Komödie empfindet, welche gleichzeitig die Liebe zur Beatles-Musik frönt.

Himesh Patel und Lily James
© Jonathan Prime/Universal Pictures

Fazit: Die neue Wohlfühl-Komödie „Yesterday“ aus der Hand von Danny Boyle ist romantische Komödie, bissiger Kommentar zum Musikbusiness und Beatles-Hommage in einem. Das Drehbuch schrieb der in Komödien versierte Richard Curtis und liefert uns auch in der zweiten Hälfte Romantik pur. Doch auch Musikfreunde können sich an den 17 neu vertonten Beatles-Songs erfreuen und alle andere an der unterhaltsamen Prämisse ‚Was wäre wenn…‘. So bietet der Film für viele Zuschauer genau das richtige und man wird den Kinosaal gewiss mit einem Ohrwurm und einem Lächeln verlassen.

Bewertung: 8,5/10

Kinostart: 11. Juli 2019 / DVD-Start: 8. November 2019

Trailer zum Film „Yesterday“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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