„Joe Boots“ (2017)

Doreen Kaltenecker
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Kurzfilm / Deutschland / Dokumentation / 2017

Filmkritik: Der deutsche Regisseur Florian Baron hat sich in seinem Dokumentarfilm „Stress“ (2018), der auf dem 61. DOK Leipzig 2018 lief, mit den posttraumatischen Belastungsstörungen von amerikanischen Kriegsveteranen beschäftigt. Um im Vorfeld von seinem Langfilm-Projekt zu überzeugen, veröffentlichte er als Proof-of-Concept den Kurzfilm „Joe Boots“.

Joe Boots trat mit dem Grauen des 11. September 2001 vor Augen sofort nach der Highschool dem Militär bei. Nach seinem Dienst im Irak kehrte er als anderer Mensch in seine Heimatstadt Pittsburgh zurück. Doch an ein normales Leben war nicht mehr zu denken. In dem Dokumentarfilm erzählt er selbst von seinem Leben mit PTS-Syndrom (Posttraumatischer Stress) und wie er neue Kraft fand.

Regisseur Florian Baron bei den 29. Bamberger Kurzfilmtagen

Der Regisseur Florian Baron (*1984), der von 2007 bis 2012 an der Filmuniversität Babelsberg studiert hat, erzählt mit seinem fast 30-minütigen Film die Geschichte eines Menschen, aber gleichzeitig auch ein universelles Portrait einer Gesellschaft, welche durch diverse Kriege geprägt und traumatisiert wurde. Immer noch gilt PTS als gesellschaftliches Tabuthema. Mit Joe Boots hat er sich einen offenen, ehrlichen und faszinierenden Protagonisten ausgesucht, der freigiebig von seinem Leben berichtet. Damit bekommt man einen guten Einblick und kann die Tragweite dieser Krankheit erahnen. Die klassischen Interviewszenen mit Aufnahmen aus seinem jetzigen Leben wechseln sich mit Slow-Motion-Szenen ab, die mit einer speziellen Hochgeschwindigkeitskamera aufgenommen wurden. Dass die Welt für die Betroffenen scheinbar still steht und das normale Leben trotzdem einfach weitergeht, wird damit wunderbar eingefangen. Die hoch stilisierten Bilder sind faszinierend und bilden oft einen starken Kontrast zu dem Gesprochenen. Diese Mischung macht den Kurz-Dokumentarfilm sehr lebendig und ansprechend, so dass man definitiv Lust bekommt, sich den Langfilm „Stress“ anzusehen.  

Fazit: Florian Barons Kurzfilm „Joe Boots“ ist ein wunderbarer Teaser auf seinen Langfilm „Stress“. Er lässt Joe Boots in 30 Minuten aus seinem Leben erzählen und darüber, wie ihn der Irak-Krieg geschädigt hat. Kombiniert mit gelungenen Aufnahmen des amerikanischen Lebens um ihn herum ergeben ein klares Bild, stellen PTS ins Zentrum des Dokumentarfilms und enttabuisieren diese Krankheit.

Bewertung: 4/5

Trailer zum Dokumentarfilms „Joe Boots“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

 

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