„Annabelle 3“ (2019)

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Filmkritik: Der klassisch erzählte Horrorfilm „The Conjuring“ steht am Anfang einer erfolgreichen Horrorfilm-Reihe, die gleich im ersten Film die Grundlage für zwei Fortsetzungen und drei Ableger geschaffen hat. Der bisher beliebteste Ableger ist die Reihe um die von einem Dämon benutzte Puppe Annabelle. Deswegen folgt nun nach „Annabelle“ (2014) und „Annabelle 2“ (2017) der dritte Ableger des Puppen-Horrors: „Annabelle 3“ (OT: „Annabelle Comes Home“, USA, 2019).

Lorraine (Vera Farmiga) und Ed Warren (Patrick Wilson) bringen 1971 die Puppe Annabelle in ihr Museum, wo sie alle Gegenstände aufbewahren, die sich mit übersinnlichen Phänomen in Zusammenhang stehen. Gut verschlossen in einem Glaskasten soll die Puppe keinen Schaden mehr anrichten. In diesem Haus wächst Judy (Mckenna Grace) auf, welche die Gabe ihrer Mutter geerbt hat. Eines Abends passt ihre Babysitterin Mary Ellen (Madison Iseman) auf sie auf. Diese bekommt Besuch von ihrer Freundin Daniela (Katie Sarife), die von dem Artefakte-Raum gehört hat. Als sie diesen heimlich betritt, hofft sie Kontakt zu ihrem verstorbenen Vater aufnehmen zu können, lässt aber dabei ganz andere Mächte frei.

Katie Sarife
© Warner Bros.

Der Autor Gary Daubermann, der die Drehbücher zu den Vorgängerfilmen „Annabelle“ (2014) und Annabelle 2“ (2017) schrieb, hat auch hier wieder das Drehbuch geschrieben, doch gleichzeitig stellt „Annabelle 3“ sein Regie-Debüt dar. Auch hier konzentriert er sich wie beim zweiten Teil auf eine kindliche Hauptheldin. Die Tochter der Warrens lebte schon immer in einem unheimlichen Haus und ist zudem mit der Gabe ihrer Mutter gesegnet. Als dann ihre Eltern weg sind und die hübsche Babysitterin und ihre wilde Freundin auf sie aufpassen, sind alle Weichen für einen klassischen Horrorfilm gestellt. Doch irgendwie auch nicht. Zwar gibt es typische Versatzstücke wie falsch angebrachte Neugierde, ein mysteriöser Raum und ein Verehrer der plötzlich auftaucht, aber gleichzeitig möchte Daubermann einen neuen Weg gehen. Das funktioniert streckenweise ganz gut, da bis auf eine Person alle Handelnden logisch und sympathisch agieren, so dass man keinem von ihnen etwas Schlimmes wünscht. Aber andererseits will der Film die Chance auf viele Franchises ermöglichen, in dem er zu viele verwunschene Gegenstände, wobei manche wie der Fernseher echt faszinierend sind, ins Spiel bringt und damit auch ihre Geister. Eine Fokussierung auf weniger Elemente hätte gut getan, denn so gerät auch die Puppe Annabelle, welche natürlich den größten Schrecken birgt, in den Hintergrund.

Madison Iseman, Katie Sarife und McKenna Grace
© Warner Bros.

Vom ersten „Conjuring“-Teil an, besitzen die meisten Filme eine starke Stimmigkeit, auch wenn man nicht immer mit den Geschichten mitgeht, verbreiten sie eine intensive Atmosphäre. Begrenzt auf die Location im Haus der Warrens, entsteht hier eine Home-Invasion-Atmosphäre, nur dass die Gefahr, wie bei „Insidious“ (2008), aus dem Inneren des Hauses stammt. Gleichzeitig erinnert der Film mit dem Look der Babysitterinnen (es spielt ja auch im Jahr 1971) an ältere Horrorfilme á la „Halloween“ (1978). Doch Daubermann geht die Sache nicht wie alle anderen Vorgänger äußerstem Ernst an, sondern lässt viel Humor zu. Er will es auflockern, was leider nur stellenweise funktioniert, da es so nicht Hand nicht Fuß ist und schwerlich seine Zielgruppe findet. Doch im Gesamten ist auch hier eine gute Atmosphäre geschaffen worden, in der sich die Darstellerinnen austoben können. Diese sind auch die größten Pluspunkte des Films. Die junge Mckenna Grace (zu sehen bereits bei „I, Tonja“ (2017) und „Captain Marvel“ (2019)) als junge Judy Warren ist der Mittelpunkt der Geschichte von dessen Seite man nicht weichen will. Selbst als erklärter Horrorfilmfan zieht es den Zuschauer in die Handlung und diese schafft es, dass die Spannung die ganze Zeit über nicht abfällt. Aber auch Madison Iseman und Katie Sarife, die ihr an die Seite gestellt wurden, überzeugen in ihren Rollen. Im Gesamten ist „Annabelle 3“ kein Horrorfilm, den man unbedingt weiterempfehlen würde, aber einer, der gut unterhält und das Tor für viele Spin-Offs und Origins-Geschichten geöffnet hat.     

Patrick Wilson, Steve Coulter und Vera Farmiga
© Warner Bros.

Fazit: Der dritte Teil des Puppenhorrors – „Annabelle 3“ – wirkt wie das Vorwort eines Buches voller Einzelgeschichten und lässt dadurch selbst etwas an Spannung vermissen. Auch wenn die Figuren sympathisch angelegt wurden und man so die ein oder andere dumme Handlung verzeihen kann, besitzt der Film nicht die Kraft des starken zweiten Teils. So arbeitet dieser Film zu viel mit bekannten Horror-Versatzstücken und wird etwas zu zerfasert, da es an einem richtigen Antagonisten mangelt. Trotzdem unterhält der Film solide und öffnet das Tor für viele weitere Geschichte, so dass man gespannt sein kann, wie weit das „Conjuring“-Universum noch ausgebaut werden wird.

Bewertung: 6/10

Kinostart: 4. Juli 2019 / DVD-Start: 21. November 2019

Trailer zum Film „Annabelle 3“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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