„Aghaye Gavaszn“ (2018)

Kurzfilm / Iran / Fiktion / 2018

Filmkritik: Auf mehreren Festivals in diesem Jahr u.a. dem 31. Filmfest Dresden und der 25. Internationalen Kurzfilmwoche Regensburg lief der iranische Stop-Motion-Film „Aghaye Gavaszn“ (ET: „Mr. Deer“), der auf eindringliche Weise, wie schon Niki Lindroth von Bahr ,mit ihrem Kurzfilm „Min Börda“, beweist, dass die Stop-Motion-Technik nicht nur für niedliche Filme á la „Shaun das Schaf“ benutzt werden kann.

Auf seinem Heimweg nimmt Mr. Deer die U-Bahn. Dort versammeln sich viele verschiedene Gestalten und einige von ihnen haben nicht nur Gutes im Sinn. Als sie eine Haltestelle erreichen, welche von einem Unglück heimgesucht wurde, scheint auch die Situation in der Bahn selbst zu eskalieren.

Der iranische Filmemacher und Animationskünstler Majtaba Mousavi (*1986), der seit 2004 Kurzfilme und Dokumentationen dreht, erzählt uns in seinem neun-minütigen Kurzfilm „Aghaye Gavaszn“ eine dystopische Geschichte. Als Inspiration diente ein wahres U-Bahn-Unglück in Teheran (Iran). Er bevölkert dabei seine Geschichte mit vermenschlichten Tierfiguren, deren stereotypische Charaktereigenschaften hier auf menschliche Stereotypen übertragen werden. So ist die Schweine-Frau verfressen und der Wolf trägt einen feinen Zwirn, ist aber unter der Oberfläche weiterhin das gefährliche Alphatier. Doch seltsamerweise funktioniert dies trotz der Verwendung von Klischees hervorragend. Das liegt vor allem daran, dass Mousavi es schafft, die Muster immer wieder zu durchbrechen und eine Geschichte zu erzählen, die man in dieser Form nicht erwartet hat oder hätte vorhersagen können. Gerade wenn man den Film zum ersten Mal sieht, überschlagen sich die Ereignisse förmlich und überrumpeln den Zuschauer. Viel zur Wirkung des Films trägt natürlich auch die Ausgestaltung bei. Nicht nur, dass er sich für den wohl aufwendigsten Animationsstil, die Stop-Motion-Technik, entschieden hat, so dass die neun Minuten zwei Jahre Entwicklungszeit benötigten, in der er fast alles selbst geschaffen hat, sondern er wählte auch einen grauen, dreckigen und dystopischen Look. Dieser verschreibt dem Film – so weit das in einer Welt voller anthropomorpher Tiere möglich ist – ein realistischen Aussehen. Es ist das Gegenteil eines sonnendurchfluteten bunten Stop-Motion-Abenteuers, sondern ein Blick in die Abgründe der menschlichen Seele. So schafft es der Animationskünstler Majtaba Mousavi mit einer prägnanten und eindringlichen Ausgestaltung eine überraschende und düstere Geschichte zu erzählen – davon würde man wirklich gerne mehr sehen.

Fazit: Der iranische Kurzfilm „Aghaye Gavaszn“ von Majtaba Mousavi ist eine tierische Parabel auf das Schlechte im Menschen. Mit klassischen Merkmalen versehen verkörpern Tiere die unterschiedlichen Menschen und zeigen, wie in einer düsteren Welt nur auf das eigene Wohlergehen geachtet wird. So ist der handwerklich überzeugende Stop-Motion-Film eindringlich, ruft starke Empfindungen hervor und kann sich mit seiner Inszenierung mehr als sehen lassen. 

Bewertung: 8,5/10

Trailer zum Kurzfilm „Aghaye Gavaszn“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

 

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