„Siddhartha“ (2019)

Filmkritik: Die italienische Dokumentation „Siddhartha“ (OT: „Noci Sonanti“, Italien, 2019), die auf dem 62. DOK Leipzig ihre Internationale Premiere feierte, entführt die Zuschauer an einen Ort, der ohne die zivilisatorischen Errungenschaften auskommt, und portraitiert einen Jungen, der in beiden Welten groß wird.

Der 65-jährige Fabrizio lebt in einem abgelegenen italienischen Landstrich. Dort hat er die Gemeinschaft ‚Noci Sonanti‘ gegründet, die auf jeden zivilisatorischen Komfort wie u.a. Strom verzichtet. Die meiste Zeit lebt er dort mit seinem 9-jährigen Sohn Siddhartha allein, wenn dieser nicht gerade bei seiner Mutter in der Stadt wohnt. Von Zeit zu Zeit gesellen sich Menschen hinzu, die eine zeitlang dem Leben entfliehen wollen, so auch Erica, die während eines Sommers bei den beiden wohnt. Siddhartha kennt das wilde, rein natürliche Leben genauso wie das Leben in der Stadt durch die Zeit bei seiner Mutter wie durch ein befreundetes Mädchen im Nachbar-Ort. Mühelos bewegt er sich zwischen den Welten und kann so die eine oder andere Brücke bauen.

Die beiden Filmemacher Damiano Giacomelli und Lorenzo Raponi stießen in ihrer Heimat, der Region Marche, auf die kleine Gemeinschaft, die vor allem aus dem älteren Fabrizio und seinem Sohn Siddhartha besteht, der nach dem Gründer des Buddhismus benannt wurde. Das Lebensmodell, das hier in der Abgeschiedenheit gelebt wird, zu der immer wieder auch Menschen hinzustoßen, faszinierte sie und so verbrachten sie eine Zeit lang in diesem fortschrittsfreien Raum und nahmen dann die Arbeit an ihrem Dokumentarfilm auf, den sie trotz mangelnden Stroms realisiert bekommen haben. Sie schafften es dabei, das Leben der beiden auf scheinbar unverfälschter Weise einzufangen. Fabrizio und Siddhartha wirken so, als ob sie nicht von der Kamera beobachtet werden und so kann man als Zuschauer ein Teil ihrer Gemeinschaft werden. Die beiden Regisseure fangen dabei dieses Leben, was abseits von jeder von uns gelebten Realität ist, nicht wertend ein, sondern zeigen die Vor- und Nachteile ganz unkommentiert. Siddhartha, die Figur die in beiden Welten lebt, ist perfekt dafür geeignet, sodass der Zuschauer sich ganz wie nebenbei mit der Frage nach der richtigen Lebensweise beschäftigt. Die sonnendurchfluteten Bilder voller Grün und Natur fangen die schönen Seiten ein, doch genauso wird das Leben ohne Läusemittel und Zeckenschutz thematisiert. Damiano Giacomelli und Lorenzo Raponi ist ein wunderbarer Film gelungen, der uns als Betrachter entführt, uns nah an die Figuren heran lässt und zum Nach- und Überdenken anregt.

Fazit: Aus der Hand der beiden italienischen Filmemacher Damiano Giacomelli und Lorenzo Raponi stammt der Dokumentarfilm „Siddhartha“. Er erzählt vom Leben eines Vaters und Sohnes ganz im Einklang mit der Natur, die dem Fortschritt scheinbar abgeschworen haben. Doch der Sohn wandelt in beiden Welten und macht den Vergleich möglich. Ohne persönliche Wertung lädt der Film dazu ein, über die Art und Weise des Lebens nachzudenken und zeigt, dass es auch anders gehen kann. 

Bewertung: 7/10

Trailer zum Kurzfilm „Noci Sonanti“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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