Sieben Fragen an Martin Monk

Foto: tomwagner.de

Interview: Nachdem wir uns mit dem Regisseur und Drehbuchschreiber Martin Monk bereits über sein Erstlingswerk „Alphamädchen“ unterhalten konnten, erfuhren wir dieses Mal mehr über seinen zweiten Kurzfilm „Favoriten“, den man in diesem Jahr bestimmt auf vielen Festivals (u.a. in Bamberg und Landshut) sehen können wird. Er berichtet von der Entstehung des Films, der langwierigen Suche nach der richtigen Location und wie er seine Schauspieler für das stimmige Roadmovie fand.

Mehr Informationen gibt es auf der Website des Kurzfilms „Favoriten und des Regisseurs Martin Monk 

Bei Deinem zweiten Film „Favoriten“ steht wieder eine starke Mädchenfigur im Vordergrund. Wie kam es zu der Geschichte?

Ich wurde gerade frisch an der Filmakademie Wien angenommen und musste innerhalb kürzester Zeit in Berlin die Zelte abbrechen und in Wien eine Wohnung finden. Aus dieser Energie heraus entstand die Idee zu „Favoriten“: ein mehr oder weniger freiwilliges Abhauen. Das Thema Autostopp hat mich dabei besonders gereizt. Erst danach entstanden die Figuren, ich wollte dabei vor allem einen großen Abstand in der Identität und der Lebensphase aufbauen. So wurden daraus also eine Teenagerin und ein einsamer Mann jenseits der 40.

Die Geschichte funktioniert in vielerlei Hinsicht, als Roadmovie und als Drama, doch sie besitzt auch genug Humor. Lag Dir diese Balance am Herzen?

Ja, ich glaube mit zunehmender Praxis traue ich mir mehr Humor zu! Filme leben ja von einem Auf und Ab, also von Variation in den Stimmungen. Das Roadmovie gibt darüberhinaus eine schöne, simple Struktur, der man folgen kann. Vor allem im Kurzfilm fand ich diese Mischung sehr spannend.

Wie verliefen die Dreharbeiten? Wo habt ihr gedreht?

Wir haben in Wien und Umgebung gedreht, vor allem in Niederösterreich und auch in der Steiermark. Vor allem die Vorbereitung und Locationsuche war sehr aufwendig und hat knappe drei Monate gedauert, wobei wir halb Österreich mit dem Auto abgeklappert haben. Ich habe unzählige Tankstellen und Raststätten gescoutet. Der Dreh selbst war auch körperlich sehr intensiv, da wir real im Auto gedreht haben. Das war auch für den Hauptdarsteller Christian Dolezal eine Herausforderung, da er selbst die ganze Zeit am Steuer war. Anschließend waren wir auf jeden Fall alle sehr erschöpft – aber auch sehr glücklich.

Der Film wirkt aufs Wesentliche beschränkt und baut viel auf die schauspielerische Kraft. Doch was war Dir visuell trotzdem wichtig?

Wir wollten vor allem die einzelnen Szenen im Auto voneinander abheben. Wir haben versucht, nie die selbe Auflösung für die Szenen im Auto zu verwenden. Wichtig waren einige klar gesetzte Totalen, sowie die Handkamera am Anfang des Films. Essentiell war außerdem immer die Lichtstimmung – da der Film den realen Verlauf eines einzelnen Tages darstellt, mussten wir immer ein Auge auf die Spielzeit in Verhältnis zur Tageszeit haben. Klar war: die erste Szene spielt am frühen Morgen, die letzte am Abend. Und die Schritte zwischendurch mussten entsprechend stimmig sein. Das war auf jeden Fall eine Herausforderung. 

Deine beiden Hauptdarsteller Lia Wilfing und Christian Dolezal sind großartig. Wie hast Du sie gefunden?

Lia habe ich rein zufällig bei einem Casting für ein anderes Filmakademie Projekt entdeckt. Sie hat dort improvisiert und war fantastisch, ich wusste dann sofort, dass nur sie diese spezifische Rolle spielen kann. Christian hingegen habe ich über die Casterin Iris Baumüller gefunden. Nach einem kurzen Kennenlernen war mir klar, dass die beiden eine sehr spannende Mischung abgeben würden. Am Set hatten sie auch sofort die richtige Chemie miteinander. Ich glaube, Lia konnte Christian mit ihrer Offenheit aus der Reserve locken. Das tat dem Film sehr gut.

Deine Geschichten besitzen genug Potential für Langfilme. Kannst Du Dir vorstellen irgendwann aus den Stoffen längere Geschichte zu formen?

Ich arbeite momentan an meinem ersten langen Spielfilm. Die Themen und Situationen aus meinem Kurzfilm spielen dabei auch eine Rolle, aber die Figuren sind neu. Insofern gibt es da schon eine gewisse Kontinuität. Ich mag widersprüchliche Figuren und das setzt sich fort. Genau so denke ich, dass sich eine eigene Handschrift erst Stück für Stück entwickelt. Das passiert fast von selbst, eher halbbewusst. Man hat stilistische Vorlieben, muss Dinge aber auch ausprobieren und auf die Probe stellen. Insofern finde ich die Frage des Geschmacks, auch wenn das Wort teilweise negativ konnotiert ist, in der Filmregie enorm wichtig.

Bei unserem letzten Gespräch hieß es, dass zwei Kurzfilme anstehen. Was erwartet uns als Nächstes?

Wie angesprochen liegt mein Fokus bei meinem ersten langen Spielfilm. Genaue Termine zu neuen Kurzfilmvorhaben kann ich momentan nicht nennen. Kreativ spannend finde ich Kurzfilme nach wie vor, aber sie sind auch extrem schwierig und fordern dieselbe Sorgfalt und Zeit ein wie längere Projekte.

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Favoriten

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