„In the Absence“ (2019)

Kurzfilm / Südkorea / Dokumentation / 2019

Filmkritik: Die fast 30-minütige Kurz-Dokumentation „In the Absence“ (OT: „Bujaeui gieok“) ist der südkoreanische Beitrag der als ‚Bester Dokumentar-Kurzfilm‘ auf der 92. Oscarverleihung in dieser Kategorie nominiert wurde. Zwar konnte er nicht, wie der Landeskollege „Parasite“ die Trophäe gewinnen, überzeugte aber mit seiner detaillierten Schilderung des Fährunglücks, welches sich 2014 vor der Küste von Südkorea ereignet hat.

Am 16. April 2014 sank die koreanische Fähre Sewol, welche zwischen Incheon und Jejudo verkehrte. Kurz vor Jeju Island ereignete sich das Unglück. An Bord befanden sich über 400 Passagiere, vor allem viele Schulkinder. Anfänglich schien die Lage unter Kontrolle zu sein, deshalb sollten die Passagieren u.a. auch in ihren Unterkünften bleiben. Doch nach und nach spitzt sich die Situation zu und 300 Menschen vor allem Kinder und Jugendliche starben bei dem Unglück. Wie konnte es dazu kommen? Wie gehen die Hinterbliebenen und auch der Staat mit dieser Tragödie um? 

All diese Fragen stehen im Zentrum der südkoreanischen Dokumentation, die versucht die Ereignisse in 28 Minuten aufzuarbeiten. Dabei verwendet der Regisseur Seung-jun Yi (*1971) eine Menge an bereitgestellten Material u.a. Privataufnahmen von Handys, Audio-Aufnahmen der südkoreanischen Staatsmänner/-frauen und Fernsehaufnahmen. Alles chronologisch zusammengeschnürt, liefert es ein umfangreiches Bild der Tragödie ab. Doch dem Regisseur sowie dem Produzenten Gary Byung-Seok Kam, der beinah selbst Passagier dieser Fähre gewesen wäre, ging es nicht um die reine Aufarbeitung der Ereignisse oder gar um Schuldzuweisungen. Letztere waren lange Zeit ein Thema in Südkorea, denn das Unglück führte massiv die Unfähigkeit der Verantwortlichen auf und außerhalb des Schiffes vor. Auch diese Aspekte werden natürlich ganz automatisch mit beleuchtet und lassen die Zuschauer fassungslos zurück. Doch das eigentliche Anliegen des Duos lag darin, sich mit dem immer noch fortwährenden Schmerz der Angehörigen zu beschäftigen, die jemanden auf der Fähre verloren haben, aber auch mit den Traumata der Taucher, welche dafür zuständig waren, die Leichen zu bergen und die vermutlich für immer davon geprägt sein werden. Ergreifend werden die Gefühle, die teilweise ganz sachlich vorgetragen werden, eingefangen und man versetzt sich automatisch in die Lage der Personen, die das erlebt haben. So schaffen es die Filmemacher, trotz der klaren, dokumentarischen Sprache und den klassischen, reportageartigen Mitteln, etwas sehr Gefühlvolles in die Dokumentation zu legen, was nicht nur fassungslos macht, sondern vor allem mitfühlen lässt und den Schmerz greifbar macht. Man kann nur hoffen, dass dieser Film für die Angehörigen eine Art Schlusspunkt darstellt und sie ihre Trauer damit ein Stück weiter überwinden können.

Fazit: Die südkoreanische Dokumentation „In the Absence“ gibt die Ereignisse des Fährunglücks der Sewol aus dem Jahr 2014 wieder. Dabei stützt sie sich auf umfangreiches Material, das dem Zuschauer ein detailliertes, strukturiertes Gesamtbild der Ereignisse liefert. Dadurch werden nicht nur die Fehler, die den Zuschauer fassungslos machen, beleuchtet, sondern das Duo aus Regisseur Seung-jun Yi und Produzenten Gary Byung-Seok Kam schafft es mit dem Film trotz objektiver Erzählweise das Gefühl des Schmerzes der Hinterbliebenen zu vermítteln, so dass der Film einen auf sehr emotionale Weise beansprucht. 

Bewertung: 8,5/10

Überzeuge Dich selbst vom Kurzfilm „In the Absence“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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