„Walk Run Cha-Cha“ (2019)

Kurzfilm / USA / Dokumentation / 2019

 Filmkritik: Auf den ersten Blick scheint die Kurz-Dokumentation „Walk, Run, Cha-Cha“ nicht der perfekte Oscarkandidat zu sein. Doch der Film von Laura Nix, einer der fünf Nominierten als ‚Bester Dokumentar-Kurzfilm‘ auf der 92. Oscarverleihung, erzählt auf entspannte Weise eine Flüchtlingsgeschichte aus einem anderen Blickwinkel heraus.

Paul und Millie Cao sind als junges Liebespaar vor dem Vietnamkrieg aus ihrer Heimat nach Amerika geflohen. Nachdem sie sich dort ein Leben aufgebaut haben, die Sprache gelernt und alles getan haben, um sich zu integrieren, gehen sie jetzt, über 30 Jahre nach ihrer Flucht, ihrer Leidenschaft – dem Tanzen – nach.

Die Regisseurin und Autorin Laura Nix (*1966), die bereits viele Dokumentationen gedreht hat, lernte vor über sechs Jahren das Ehepaar in einer Tanzschule kennen. In der Zeit, in der sie denselben Tanzkurs besuchte, erfuhr sie ihre Geschichte und war begeistert von ihrem Engagement und ihrer Leidenschaft. So entschied sie sich einen Film über die beiden zu machen. Dieser erschien im Rahmen der Op-Docs der New York Times, einer Plattform für Independent-Dokumentarfilme. Die Ausgangslage – ein mittelaltes Paar, was seine Leidenschaft fürs Tanzen entdeckt und mehrmals in der Woche probt – scheint weniger politisch oder spektakulär. Doch auf der anderen Seite erzählt es von ehemaligen politischen Flüchtlingen und wie diese ein neues Land zu ihrem Zuhause gemacht haben. Selten blicken aktuelle Flüchtlingsgeschichten über so einen langen Zeitraum zurück. Das gibt dieser Dokumentation Kraft und Tiefe, auch wenn es vorrangig nur ums Tanzen geht. Dieser Kunst wird in dem 20-minütigen Film auch genügend Zeit eingeräumt – so beobachten wir das Paar beim Proben und schlussendlich beim Wettkampf. Diese Mischung funktioniert gut und zeigt, dass es für die eigene Leidenschaft auf der einen Seite nie zu spät ist und wie andererseits die eigene Geschichte einen Menschen formt. Mit klassisch dokumentarischen Mitteln und einer mitfühlenden Kamera fängt die routinierte Laura Nix die Geschichte der beiden ein und schenkt ihnen zugleich ihre Bühne. 

Fazit: Die amerikanische Dokumentation „Walk Run Cha-Cha“ folgt dem Paar Cao bei ihren Tanzstunden und bei ihrer Vorbereitung auf den Wettkampf. Beide sind mittlerweile in den 60ern und haben sich erst spät getraut ihre Leidenschaft auszuleben. Die Regisseurin Laura Nix lässt uns daran teilhaben, fängt das Leben in klassischn Dokumentaraufnahmen ein und erzählt mit der Vergangenheit der beiden eine ganz andere Flüchtlingsgeschichte.

Bewertung: 6/10

Den Dokumentarfilm „Walk Run Cha-Cha“ kostenlos anschauen (englisch):

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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