„Rebecca“ von Daphne du Maurier (1938)

524 Seiten / Insel Verlag / 12 €

Buchkritik: Der Roman „Rebecca“ (OT: „Rebecca“) von Daphne du Maurier, erschienen 1938, kann sowohl als Liebesgeschichte als auch als Schauerroman gelesen werden und bot und bietet so genügend Stoff für einigen Fernseh- und Kinoverfilmungen. Die bekannteste ist wohl jene von Alfred Hitchcock aus dem Jahr 1940, für die er den Oscar für ‚Besten Film‘ erhielt, und der später nochmal mit „Die Vögel“ (1963) nochmal auf die Autorin du Maurier und ihre Geschichten zurückgriff.   

Eine junge Frau reist als Gesellschafterin mit Mrs. Van Hopper nach Monte Carlo und schätzt sich selber kaum wert. Als sie dann die Aufmerksamkeit des reichen Maxim de Winter erfährt, kann sie es erst gar nicht glauben. Erst als er um ihre Hand anhält und mit ihr in seinem Anwesen Manderley leben will, kann sie ihr Glück begreifen. Doch gleich nach der Ankunft auf dem riesigen Anwesen merkt sie, dass über dem Ort und dem Haus ein Schatten hängt. Denn die früheren Mrs. de Winter, Rebecca, ist hier bei einem Bootsunglück verunglückt und man kann ihre ehemalige Anwesenheit fast überall spüren. Dazu trägt auch die Haushälterin Mrs. Danvers bei, so dass sich die neue Mrs. de Winter einfach unterlegen und fehl am Platz fühlt und davon überzeugt ist, niemals die gleiche Liebe von Maxim zu bekommen wie damals Rebecca.

Der 524-seitige Roman gehört heute zu den Klassikern der Schauerroman-Literatur und ist eines der Werke der britischen Autorin Daphne du Maurier (1907-1968), welche die Zeiten überdauert hat. Entstanden ist das Buch zum Teil selbst in Alexandria (Ägypten), wo ihr Ehemann, ein Offizier, stationiert war. Nachdem sie es 1938 bei ihrem Verleger Norman Collins eingereicht hat, wurde es mit 20.000 Exemplaren herausgebracht. Der Roman wurde von Lesern begeistert aufgenommen und gewann den National Book Award als populärste Veröffentlichung des Jahres. Seit über 80 Jahren wird es seitdem weiterhin verlegt und wurde in 16 Sprachen übersetzt. Ganze sechs Verfilmungen basieren auf der Romanvorlage, angefangen mit Alfred Hitchcocks ersten in Amerika gedrehten gleichnamigen Film. Diese Faszination besteht vor allem aus seiner ungewöhnlichen Mischung aus Liebesgeschichte, Coming-of-Age und Schauerroman. Eine junge Frau ohne Selbstwertgefühl wird in eine fremde Welt hineingeworfen, der sie nicht gewachsen zu sein scheint. Durch die konsequente Ich-Perspektive wird der Leser automatisch zu ihrer Verbündeten, auch wenn man sie das ein oder andere Mal wegen ihrer Naivität schelten möchte. Auch wenn einen die Liebesgeschichte nicht packt, gerade aus heutiger Zeit lässt der Umgang von Maxim de Winter mit seiner Gattin stark zu wünschen übrig, fasziniert der Roman vor allem durch seine Schauerelemente, so dass man das Buch einfach nicht wegpacken kann. Klassische Elemente wie ein unheimliches Anwesen, dubiose Angestellte, mysteriöse Ereignisse und ein Sozusagen-Geist, der das Haus dominiert, werden hier wunderbar eingesetzt. Zusammen mit der namenlosen Protagonistin möchte man dem Ganzen auf die Spur gehen, obwohl man schon durch die Einleitung weiß, dass es kein gutes Ende nehmen wird. Bis zur letzten Seite, auch nach dem großen Twist, bleibt das Buch spannend und es packt die Leser, obwohl sie von Zeit zu Zeit etwas zu wenig pointiert ist. Doch die Schreibweise ist auch heute trotzdem noch sehr angenehm und bietet so immer wieder neuen Generationen die Möglichkeit den Roman und die Autorin, die 1969 für ihre Verdienste in der Literatur geadelt wurde, für sich zu entdecken. 

Fazit: Der 1938 erschienene Roman „Rebecca“, der für Hitchcocks gleichnamigem Klassiker die Vorlage war, besticht durch seine unkonventionelle Mischung aus Schauerroman, Coming-of-Age- und Liebesgeschichte. Dabei weiß die Autorin Daphne du Maurier mit ihrem Schreibstil und der Ich-Perspektive der namenlosen Protagonistin gut die Genres zu vereinen und schuf ein bis zur letzten Seite spannendes Buch, das vor allem in den mysteriösen und unheimlichen Momenten am stärksten ist und somit großes Lesevergnügen bereitet. 

Bewertung: 4/5

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Ein Gedanke zu “„Rebecca“ von Daphne du Maurier (1938)

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