„Filipiñana“ (2020)

Kurzfilm / Philippinen, Vereinigtes Königreich / Fiktion / 2020

Filmkritik: Im Rahmen des ‚Berlinale Shorts‘-Programm lief auch der Kurzfilm „Filipiñana“ von Rafael Manuel, der eine Coming-of-Age-Geschichte in einem ungewohnten, geschlossenen Kosmos erzählt und dabei seine Bildsprache voll auskostet. Dafür wurde er auch der 70. Berlinale mit dem Silbernen Bären der Jury ‚Kurzfilm‘ ausgezeichnet.

Die Tee-Girls gehen auf einem Golfplatz in einer strengen Hierarchie ihren Aufgaben nach. Dabei sind sie unauffällig für ihre Kunden da, sammeln Bälle ein und kümmern sich darum, dass der Laden läuft. Isabel (Jorybell Agoto) ist die Neue und hat sich noch nicht an das System angepasst. So geht sie manchmal unbesonnen ihren Gedanken nach und eckt mit ihrer naiven Widerborstigkeit immer wieder bei ihrer Chefin an. 

In seinem 24-minütigen Film erzählt der philippinische Regisseur Rafael Manuel (*1990) von einem Mikrokosmos in einem Golfresort, an dem scheinbar die Zeit und vor allem moderne Strömungen vorbei gegangen sind. Die jungen Tee-Girls werden für niedere Arbeiten eingesetzt, die den älteren Herren das Spiel komfortabler machen. Diese Tätigkeiten fängt der Regisseur in ruhigen Einstellungen ein und portraitiert so das Leben und vor allem die Arbeit der jungen Frauen, welches mit strengen Augen beobachtet und geführt wird. In diesen Mikrokosmos setzt er nun ein junges Mädchen, das noch nicht gelernt hat sich anzupassen, gerne ihren Gedanken und Träumen nachhängt und so auch den Golfplatz für sich erkundet. Man sieht ihr dabei zu, wie sie in das System gepresst werden soll und erkennt

rechts: Jorybell Agoto

gleichzeitig, dass das nicht funktionieren wird. Der Freiheitsgedanke einer jungen Frau prallt hier auf ein ungemütliches System. Manuel hat eine angemessene, ruhige Bildsprache gefunden, welche die Gedanken der Hauptperson ganz ohne Worte transportiert.  Dabei wirkt der Film wie ein Ausschnitt oder eine Momentaufnahme, so dass man sehr gern mehr darüber erfahren will. Dieses Thema und dieser Ort, der mit dem Silbernen Bären der Jury ‚Kurzfilm‘ auf der 70. Berlinale ausgezeichnet wurde, könnte man sich auch gut in einem Langfilm vorstellen. Es ist ein gelungener, emotional anrührender Film geworden, der gut gespielt und hervorragend inszeniert ist, und zu den stärksten Beiträgen des Kurzfilmprogramms zählt.

Fazit: Der philippinische Kurzfilm „Filipiñana“ von Rafael Manuel lief im Rahmen des ‚Berlinale Shorts‘-Programms und eröffnet für die Zuschauer einen Mikrokosmos, in der sich die Coming-of-Age-Geschichte einer jungen Frau abspielt. Dabei findet der Regisseur und Drehbuchschreiber die richtigen Bilder, starke Darstellerinnen und schafft es eine melancholische Stimmung zu transportieren, welche den Zuschauer in Beschlag nimmt. So entstand ein durch und durch gelungener Kurzfilm, der zu Recht mit einem Bären ausgezeichnet wurde.

Bewertung: 8/10

Trailer zum Kurzfilm „Filipiñana“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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