„Onward: Keine halben Sachen“ (2020)

Letzte Artikel von Doreen Matthei (Alle anzeigen)

Filmkritik: Zuverlässig liefern die Pixar-Studios großartige Animationsfilme. Begonnen hat alles im Jahr 1995 mit „Toy Story“, dem folgten Filme wie „Die Monster AG“ (2001), „Oben“ (2009), „Alles steht Kopf“ (2015) oder „Coco – Lebendiger als das Leben“ (2017). Bisher begeisterten sie mit ihrer wunderbaren Mischung aus Humor, einer ans Herz gehenden Geschichte und fantastischen Animationen. Nun erschien „Onward: Keine halben Sachen“ (OT: „Onward“, USA, 2020) und man befürchtete, Disney, welche Pixar 2006 aufgekauft haben, könnte die Erfolgsrezeptur verändert haben und so war man gespannt, was der nun mittlerweile 22. Pixarfilm zu bieten hatte. 

An seinem 16. Geburtstag bekommt der Elf Ian Lightfoot überraschend ein Geschenk. Dieses stammt von seinem bereits früh verstorbenen Vater, den er selbst kaum kannte. Das kann er nun mit dem geschenkten Zauberstab nachholen, der seinen Vater für einen Tag zurückbringen soll. Doch leider geht die Ausführung des Zauberspruchs schief, so dass nur die untere Hälfte seines Dads wiederhergestellt wird. Zusammen mit seinem älteren Bruder Barley, der schon immer an Magie, mystische Wesen und deren Kräfte glaubte, zieht er los, den Vater doch noch zu vervollständigen und gemeinsam erleben sie das größte Abenteuer ihres Lebens.

Im Vorfeld machte der 22. Pixarfilm „Onward: Keine halben Sachen“ weniger Furore als andere heiß erwartete Produktionen, wie „Alles steht Kopf“ im Jahr 2015. Auch der Trailer allein wusste noch nicht zu überzeugen und wirkte ein wenig weich gespült durch das Hause Disney. Doch auch wenn es etwas kitschiger ausfällt, als man es sonst gewohnt war, liefert Pixar auch hier wieder einen optisch beeindruckenden und vor allem ans Herz gehenden Familienfilm ab, der sich auch für junge Zuschauer ab sechs Jahre empfiehlt. Denn hier geht es im Kern um eine herzensgute Familiengeschichte: Es handelt nicht nur vom Verlust des eigenen Vaters, sondern auch vom Zusammenhalt der Brüder und wie die Mutter es schafft, die Familie zusammenzuhalten. Der Film basiert auf eigenen Erfahrungen des Regisseurs Dan Scanlon (*1976), der schon den Film „Die Monster Uni“ (2013) für Pixar realisiert hat. Er schrieb zusammen mit Jason Headley und Keith Bunin das Drehbuch und baute den Verlust des eigenen Vaters mit ein. Doch um diesen Kern entspinnt sich eine andere Geschichte, welche unsere Helden auf einen Abenteuer-Roadtrip führt. Denn die beiden Brüder sind magische Wesen, so wie auch alle anderen auf der Welt. Doch mit der fortschreitenden Technisierung, blieb die Magie auf der Strecke und so wird u.a. ein gefährliches Monster zur Besitzerin eines Kinderspaßrestaurants. Dadurch sind die klassischen Wesen wie Elfen, Trollen, Einhörner und Feen sowie die fantastischen Elemente nicht nur Abklatsch von u.a. bekannten Stoffen von J.R.R. Tolkien oder C.S. Lewis, sondern dienen hier vor allem für die amüsanten Stellen als Referenz und bescheren dem Zuschauer die eine oder andere Überraschung. So vermischt sich in „Onward: Keine halben Sachen“ eine ans Herz gehende Familiengeschichte mit einem amüsanten Abenteuer. Dabei richtet sich der Film an ein breites Publikum, so dass der Humor auch nie zu derb wird, aber das unvermeidliche Happy End auch nicht zu kitschig. So kann der Film die Zuschauer begeistern, was man vielleicht nicht unbedingt erwartet hatte.

Natürlich spielen dabei auch viel die Animationen selbst in die Wirkung des Films hinein. Diese sind, wie man es von Pixar erwartet, auf dem höchsten Stand der Technik. Man kann sich allein an den Figuren, der Stofflichkeit und all den Umgebungen kaum satt sehen. Optisch macht es der Film dem Zuschauer leicht in die magische Welt abzutauchen. Das Charakterdesign ist mehr als überzeugend. Sie schaffen es menschliche Persönlichkeitszüge wunderbar auf die Fantasie-Wesen zu übertragen, so dass es auch als Familiengeschichte wunderbar funktioniert. Vor allem macht es aber Spaß zu sehen, wie die Wesen sich in der neuen Zeit entwickelt haben und so wird aus einem Manticore ein knuddeliges Wesen. Optisch ist der Film (auch in 2D) ein Genuß und liefert die perfekte Unterstützung zur Geschichte. Abgerundet wird das mit guten Synchronsprecher (im Original werden die Figuren u.a. von Tom Holland und Chris Pratt gesprochen) und stimmiger Musikuntermalung. So entstand im Gesamten ein gelungener Pixar-Film, der es zwar nicht bis an die Spitze der Hausproduktionen schafft, aber trotzdem wunderbar unterhalten kann, indem er die magische Welt zwar etwas auf die Schippe nimmt, aber auch wunderbar darin eintaucht und gelungen mit einer Familiengeschichte kombiniert. 

Fazit: Der neue Pixar-Film „Onward: Keine halben Sachen“ kombiniert eine warmherzige Familiengeschichte mit einem Fantasy-Abenteuer. Angesiedelt ist die Geschichte in einer magischen Welt, welche immer mehr der fortschreitenden Technisierung zum Opfer gefallen ist. Dabei besticht der Film mit einer sympathischen Geschichte, amüsanten Querverweisen und einer fantastischen Optik, so dass er wunderbar unterhält und zudem auch ans Herz gehen kann.

Bewertung: 7,5/10

Kinostart: 05.03.2020 / DVD-Start: 16.07.2020

Trailer zum Film „Onward: Keine halben Sachen“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.