„Pace“ (2019)

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Kurzfilm / Deutschland / Animation / 2019

Filmkritik: In einer immer mehr durchgetakteten Gesellschaft kennt wohl jeder das Gefühl, dass einem die Zeit davon läuft. Der Filmemacher Kai Stänicke macht in seinem Animationsfilm „Pace“ daraus eine gezeichnete Metapher und gewann auf den 30. Bamberger Kurzfilmtagen den Preis der Jugendjury. 

Jeden Tag treibt die Uhr den Mann an, seinem Alltag nachzugehen. Dabei wird er manchmal nicht nur von Konkurrenten überholt, sondern auch die Uhr wird immer schneller in ihrem Takt. Damit er mithalten kann, muss er immer mehr die Stunden des Müßigkeit ablegen. 

Der deutsche Filmemacher Kai Stänicke (*1986) präsentiert mit „Pace“ eine klare Metapher auf das heutige, durchgetaktete Arbeitsleben. Dabei ist seine Welt vom Rhythmus der Uhr geprägt, welche keine Ruhephasen zulässt. Damit fängt er das Monotone, Stumpfsinnige, sich immer Wiederholende des ‚normalen‘ Alltagslebens ein. Zudem greift er den aktuellen Trend auf, in der die Freizeit immer mehr wegrationalisiert wird, weil der Mensch das Gefühl hat, mehr schaffen zu müssen. Nicht nur die Metapher ist klar und betont die Botschaft, hin zu einem Wandel dieser Strukturen, sondern auch die gewählte Animationen. Der elfminütige Kurzfilm, den Stänicke drei Jahre lang entwickelt hat, arbeitet mit einer klaren Bildsprache. Der Zeiger der Uhr, welcher die Figuren vorwärts treibt, bestimmt den Bildraum. Die Farben, welche fast nur aus Graustufen bestehen, betonen die Monotonie. Die Freude, hier symbolisiert durch eine Frau in einem kleinen Wäldchen, wird dagegen mit Farbe akzentuiert. Auch wenn die Gesichter ohne Merkmale sind, drückt die Körperhaltung das Leid der Figuren gelungen aus. Der Kurzfilm lebt von seiner starken Metapher, in der sich bestimmt auch einige Zuschauer wiederfinden können. Auch für ein jüngeres Publikum könnte sich der Film im pädagogischen Einsatz lohnen. So braucht der Film keine Worte, um seine Botschaft zu vermitteln, sondern schafft das mit seiner klaren Bildsprache, konnte damit auch die jungen Juroren auf den 30. Bamberger Kurzfilmtagen überzeugen und gewann den Preis der Jugendjury.

Fazit: „Pace“ von Kai Stänicke ist ein Animationsfilm, der es schafft das moderne Arbeitsleben mit seinen negativen Konsequenzen als Metapher wunderbar einzufangen. Getrieben von der Uhr läuft das Leben an den Menschen vorbei. Für diese Botschaft setzt der Filmemacher gekonnt seine Bildsprache ein und schuf ein Werk, was nachdenklich machen kann.

Bewertung: 6,5/10

Trailer zum Kurzfilm „Pace“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

  • 30. Bamberger Kurzfilmtage 2020 – Katalog (Programm ‚Wettbewerb Spielfilm‘)  
  • Eintrag des Kurzfilms „Pace“ auf der Website des Regisseurs Kai Stänicke
  • Eintrag des Kurzfilms „Pace“ bei der Deutschen Filmbewertung und Medienbewertung
  • Eintrag des Regisseurs Kai Stänicke bei den Berlinale Talents
  • Michael Rädel, ‚Kai Stänicke im Interview‘, maenner.media, 2018
  • Vimeo-Profil des Regisseurs Kai Stänicke

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