„Unhinged – Außer Kontrolle“ (2020)

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Filmkritik: Die erste große Hollywood-Produktion, welche es nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie in die Kinos geschafft hat, war nicht, wie es Nolan eine Zeit lang verkündet hat, sein neuester Film „Tenet“, sondern der Actioner „Unhinged – Außer Kontrolle“ (OT: „Unhinged“, USA, 2020). Der Film aus der Hand des Regisseurs Derrik Borte, dessen Filme es bisher nicht in die deutschen Kinos geschafft haben, liefert solide Actionunterhaltung ab, wenn man sich auf dieses oft auf Effekte abzielende Genre einlassen kann.

Die junge Mutter Rachel (Caren Pistorius) ist mal wieder zu spät dran für ihren Termin und um ihren Sohn Kyle (Gabriel Bateman) pünktlich in die Schule zubringen. Auf dem Weg dahin, wird sie auch noch von ihrem Ex-Mann gestört. Als sie versucht den Freeway zu nehmen, kommen sie wieder in den Stau und so rennt ihnen langsam die Zeit davon. Deswegen hat sie auch kein Verständnis als sie hinter einem Pickup zum Stehen kommt und dieser an der grünen Ampel nicht weiterfährt. Doch ihr Hupen weckt bei diesem Fahrer (Russell Crowe) nur das Bedürfnis ihr Manieren beizubringen und so heftet er sich an ihre Fersen. Bald wird Rachel klar, dass ein echter Psychopath hinter ihr her ist, der sich nicht so leicht abschütteln lässt.

Caren Pistorius

Nach einem Drehbuch von Carl Ellsworth entstand der 90-minütige Action-Thriller „Unhinged – Außer Kontrolle“, der bereits in den ersten Minuten klar macht, dass es hier hart zugehen wird. Mit der Hintergrund des gestiegenen Aggressionspotential bei Verkehrsteilnehmer erspannte Ellsworth eine Geschichte, die nicht auf Stringenz setzt, sondern auf größtmöglichste Unterhaltung. Dazu schuf er eine absolute präsente und scheinbar unaufhaltsame Psychopathen-Figur und eine wehrhafte Gegenspielerin. Mit einer Vorliebe für das Genre kostet Derrik Borte („The Joneses“ (2009)) die Geschichte mit Spektakel, Brutalität und natürlich einer Menge Verfolgungsjagden aus. Dass dabei manches Logikloch entsteht und man selbst vielleicht in der ein oder anderen Situation anders handeln würde, schmälert nicht das Vergnügen. Ganz im Sinne eines Actioners ist dieser Film auf pure Unterhaltung aus und das funktioniert gut, denn als ZuschauerIn kann man mitfiebern, fragt sich wann dieser oder jene Gegenstand, der eingeführt wurde, eine Rolle spielen wird und empfindet die Erleichterung am Ende des Films zusammen mit seinen ProtagonistInnen. 

Russell Crowe

Umgesetzt wurde der Film dabei als klassischer Actionfilm, der sich natürlich auch bei den großen Vorbildern etwas abgeschaut hat. Man kann „Falling Down – Ein ganz normaler Tag“ (1993), Steven Spielbergs Debütfilm „Duell“ (1973) und „Hitch – Der Highway Killer“ (1986) ausmachen. Zudem ist es erfrischend, Russell Crowe hier mal nicht in der Rolle eines Saubermanns á la „Gladiator“ (2000) oder „A Beautiful Mind“ (2001) zu sehen, sondern in einer Rolle, in der mal richtig zuschlagen kann, und das mit einer erstaunlich wuchtigen Präsenz, die er bereits in „Der verlorene Sohn“ (2018) besaß. Caren Pistorius („Mortal Engines“ (2018)) verkörpert seine Gegenspielerin und macht keine schlechte Figur als kämpferische Mutter, der man gerne bis zum Ende des Weges folgt. Der Film erfindet das Rad nicht neu und wäre er nicht in der mauen Zeit seit Wiedereröffnung der Kinos herausgekommen, wäre er vermutlich untergegangen. Doch so kann er leinwandtaugliche Kinounterhaltung liefern – nicht mehr und nicht weniger.

Russell Crowe

Fazit: Der amerikanische Actioner „Unhinged – Außer Kontrolle“ liefert souveräne Unterhaltung ab, bietet brutale Szenen, temporeiche Verfolgungsjagden und ein paar markige Sprüche. Der Film, dessen Drehbuch hier und da schwächelt, will kein hoch intellektuelles Kino sein, sondern einfach gut unterhalten. Das schafft er mühelos – es ist ein großer Spaß den psychopathischen Russell Crowe unkontrolliert wüten zu sehen.

Bewertung: 6/10

Kinostart: 16. Juli 2020 / DVD-Start: 18. Dezember 2020

Trailer zum Film „Unhinged  – Außer Kontrolle“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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