Fünf Fragen an Markel Redondo

Interview: Im Gespräch mit dem spanischen Filmemacher und Fotografen erzählt er uns mehr über sein ursprüngliches Fotoprojekt, dass zu dem Dokumentarfilm „Sand Castles“, gesehen auf dem ‚Open Air‘ des 32. Filmfest Dresden, führte, wie es war vor Ort zu arbeiten und ob er sich weiter mit diesem Thema beschäftigen wird.  

The original english language interview is also available.

Ursprünglich war „Sand Castles“ ein Fotoprojekt. Wie entstand nun eine filmische Variante aus deiner Foto-Serie?

Als ich 2018 mit dem Fotoprojekt „Sand Castles II“ begann, bei dem ich die verlassenen Wohnsiedlungen aus der Luft fotografierte, fing ich an, mit Video herumzuspielen, um zu sehen, wie es aussah. Ich stellte einige kurze Videos in sozialen Medien ein und erkannte, wie mächtig bewegte Bilder im Vergleich zu Standfotos sind. Die Wirkung mit Standfotos ist anders, ist schwer zu erklären, aber ich dachte, es wäre gut, das Projekt abzuschließen und einen Kurzfilm zu erstellen, um das Projekt „Sand Castles“ in verschiedene Richtungen weiter wachsen zu lassen.

Wie hast Du Deine Objekte gefunden und ausgewählt? Ich könnte mir auch vorstellen, dass noch viel mehr Material entstanden ist.

Wohnanlage ‘Dominion Heights’ in Estepona (Malaga)
Erbaut 1998, 140 verlassene Gebäude

Ja, ich habe während des Prozesses an vielen Orten gefilmt. Für die Dokumentation habe ich über diese Orte gelesen und seit 2010 verlassene Wohnsiedlungen (als Folge der Wirtschaftskrise 2008) ausfindig gemacht, so dass ich eine große Liste von Orten zum Fotografieren und Filmen hatte. Später arbeitete ich für den Schnitt mit José Bautista (kanseisounds) zusammen, um die kurze Dokumentation „Sand Castles“ zu schneiden.

Gab es Probleme diese zu filmen – wurdest Du vor Ort auf Deine Arbeit angesprochen?

Überhaupt keine Probleme. Diese Orte sind leer. Früher gab es direkt nach der Krise eine gewisse Absicherung, aber 2018 habe ich bei der Arbeit an dem Projekt keine Menschenseele gefunden. Einige Orte wurden eingezäunt, um zu verhindern, dass Menschen umherwandern und Baumaterial stehlen.

Neben der traurigen Monstrosität der Bauruinen liegt in Deinen Bildern aber auch eine gewisse Schönheit. War dieser Kontrast beabsichtigt? 

Wohnanlage Origo Mare in La Oliva (Fuerteventura)

Ja! Diese Orte haben mein Herz schon immer gespalten. Auf der einen Seite machen sie mich wütend und wollen mir zeigen, was für Gräueltaten sie sind und wie sehr sie der Landschaft Schaden zufügen. Gleichzeitig werde ich von der geisterhaften Schönheit dieser apokalyptischen Konstruktionen angezogen, sie haben einen besonderen Platz in meinem Leben. 

Kannst Du mir zum Schluss noch ein bisschen mehr von Dir erzählen? Wird es ein „Sand Castles III“ geben oder sind bereits neue Foto- oder Filmprojekte geplant?  

Ich hoffe! Ich habe vor, zurückzugehen und einen anderen Blickwinkel einzunehmen und das Projekt weiter wachsen zu lassen, da ich das Gefühl habe, dass dieses Problem nicht gelöst ist. Außerdem steuern wir auf eine neue Krise zu, und ich bin gespannt, wie sich diese Orte entwickeln werden und ob es als Folge der Coronavirus-Krise neue Sandburgen geben wird, welche die Landschaft verschandeln.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Weitere Arbeiten auf der Website des Regisseurs Markel Redondo

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Sand Castles


Interview: In conversation with the Spanish filmmaker and photographer he tells us more about his original photo project, which led to the documentary “Sand Castles“, seen at the ‘Open Air’ of the 32nd Filmfest Dresden, what it was like to work on location and whether he will continue to work on this topic.   

Originally “Sand Castles” was a photo project. How was a film version of your photo series created?

In 2018 when I started “Sand Castles II” photo project, photographing the abandoned housing developments from the air, I started playing around with video to see how it looked. I posted some short videos on social media and realised how powerful moving images were, compared to still photographs. The effect with still photos is different, is hard to explain but I thought it would be good to complete the project to create a short movie to keep growing “Sand Castles” in different directions.

How did you find and select your objects? I could also imagine that much more material than is shown was created.

Yes, I did shoot in a lot of locations during the process. For the documentation, I have been reading about these places and locating the abandoned housing developments (as a consequence of the 2008 economic crisis) since 2010 so I had a large list of locations to photograph and film. Later, for the edition I worked with José Bautista (kanseisounds) to edit the short doc “Sand Castles“.

Were there any problems filming them – were you asked about your work on location?

No problems at all. These locations are empty. There used to be some security right after the crisis but in 2018 I did not find a soul while working on the project. Some places have been fenced to avoid people wandering around and stealing construction materials.

Besides the sad monstrosity of the ruins, there is also a certain beauty in your pictures. Was this contrast intended? 

Yes! My heart has always been divided by these places. On one side they make me angry and want to show the atrocities that they are and the damage to the landscape. At the same time I am drawn by the ghosty beauty of these apocalyptic constructions, they have a special place in my life. 

Can you tell me a little more about yourself at the end? Will there be a “Sand Castles III” or are new photo or film projects already planned?  

I hope! I am planning on going back and taking a different angle and keep the project growing as I feel this problem is not resolved. Also we are heading to a new crisis and I am curious to know how these places will evolve and if there will be new “Sand Castles” littering the landscape as a consequence of the coronavirus crisis.

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm “Sand Castles

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