Acht Fragen an Patrick Smith

Interview: Im Gespräch mit dem Filmemacher Patrick Smith konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Beyond Noh“, der u.a. auf dem 27. Slamdance Film Festival 2021 zu sehen war, der dahinter stehenden Sammelleidenschaft, der weltweiten Maskensuche und der Zusammenarbeit mit Kaori Ishida erfahren.

The original english language interview is also available.

Kannst Du mir zu der Anfangsidee Deines Kurzfilms erzählen? Hat alles mit den Masken des Noh-Theaters angefangen?

Ich sammle und studiere Masken und Maskenbau seit Jahrzehnten. Im Jahr 2019 reisten meine Produzentin (die auch meine Frau ist) und ich zu mehreren Holzschnitzern außerhalb von Kyoto, in der Nähe unseres Hauses in Osaka, und fotografierten Hunderte von Noh-Masken, was der Anstoß für den Film war.

Du hast 3475 Masken in Deinen Film eingebaut. Kannst Du mir darüber erzählen, wie Du sie gefunden hast und wo. 

Abgesehen von den ersten Fotos, die wir in Japan gemacht haben, kamen sie buchstäblich von überall her, überall dort, wo ich sie fotografieren oder sammeln konnte. Meistens aus Museen, oft mit meinem Telefon durch das Glas fotografiert und später in Photoshop nachbearbeitet. Ich bekam auch Fotos von Restaurants, Galerien, Geschäften und Halloween-Läden. Gegen Ende habe ich eine Nachricht in den sozialen Medien veröffentlicht, in der ich die Leute aufforderte, mir Fotos aus ihren eigenen Sammlungen zu schicken, was sich als sehr nützlich erwies.

Hattest Du im Vorfeld schon eine grobe Vorstellung, welche Masken Du alles einbauen willst?

Ich überlegte, wie ich zu jeder Gruppe überleiten würde. Ich nutzte die Geografie sowie den kontextuellen Kontrast/die Ähnlichkeit. Kontrast und Nebeneinanderstellung spielten eine wichtige Rolle im Prozess. Auch die Musik diktierte, wo ich bestimmte Formen und Größen ‚treffen‘ würde. Ich habe ein umfangreiches Facebook-Album über einige meiner Recherchen, das dich vielleicht interessiert.

Kannst Du mir zum finalen Schnitt erzählen – welcher Struktur folgst Du?

Abgesehen von den groben Zügen des Kontextes, leitete die Musik die endgültige Struktur des Stückes. Turku ist eine türkische Musikgruppe mit Sitz in South Carolina. Sie sind brillant, und in dem Moment, als ich auf ihre Percussion-Tracks stieß, wusste ich, dass sie perfekt für das Konzept sind. Die Musik hat eine flackernde Qualität und hat wunderbare Änderungen im Timing, perfekt für die Technik.

Wie lange hast Du für die gesamte Umsetzung benötigt? 

Beyond Noh“ dauerte etwa anderthalb Jahre, von denen die meiste Zeit mit dem Sammeln von Fotos verbracht wurde.

Du hast für diesen Film eng mit Kaori Ishida zusammengearbeitet. Wie verlief eure gemeinsame Arbeit?

Kaori war die treibende Kraft, diesen Film zu machen. Sie ist Übersetzerin und Kulturhistorikerin, und ihr Wissen hat mir geholfen, die Erzählung des Stücks zu gestalten. Sie hat Kritik geübt und mich als Animator während der Produktion in neue Richtungen gedrängt. Wir sind ein gutes Team aus Mann und Frau, das inzwischen mehrere Animationsfilme zusammen gemacht hat.

Kannst Du zum Schluss noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?

Ich mache seit den 90er Jahren handgezeichnete animierte Kurzfilme. Vor ein paar Jahren, nach dem Tod meiner Eltern, fand ich mich von bedeutungsvollen Objekten umgeben. Mein erster Objektfilm „Gun Shop“ begann damit, die Waffensammlung meines Vaters zu fotografieren, und ich expandierte von dort aus und besuchte Waffengeschäfte und Museen. Mein zweiter Objektfilm „Candy Shop“ nutzte die unzähligen verschreibungspflichtigen Pillen, die meine Mutter zum Zeitpunkt ihres Todes besaß.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Ja. Kaori und ich sind gerade dabei, Objekte für eine weitere Animation zu suchen, zu sammeln und zu fotografieren, in der es um Helden- und Geschlechterrollen geht. Es ist eine größere Produktion und wird ein paar Jahre dauern.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Beyond Noh


Interview:In our conversation with filmmaker Patrick Smith, we were able to learn more about his short film “Beyond Noh“, which was screened at the Slamdance Film Festival 2021, the passion for collecting behind it, the worldwide search for masks and his collaboration with Kaori Ishida.

Can you tell me about the initial idea of your short film? Did it all start with the masks from the Noh Theater?

I’ve been collecting and studying masks and mask making for decades. In 2019 my producer(who is also my wife) and I traveled to several wood carvers outside of Kyoto, near our home in Osaka, and photographed hundreds of Noh masks, which was the impetus for the film.

You have 3475 masks in your film. Can you tell me about how you found them and where? 

Outside of the initial photos we took in Japan, they literally came from all over, anywhere I could photograph or gather them. Museums mostly, often taken through the glass with my phone and touched up later in photoshop. I also got photos from restaurants, galleries, shops, and halloween stores. Near the end I put out a message on social media for people to submit photos from their own collections, and that proved very useful.

Did you have a rough idea in advance of what masks you were going to include.

I considered how I would transition to each group.. I used geography, as well as contextual contrast/similarity. Contrast and juxtaposition played an important part in the process. Also the music dictated where I would “hit” certain shapes and sizes. I have an extensive Facebook album of some of my research, you may be interested in reading..  https://bit.ly/3c3NUlU

Can you tell me about the final cut – what structure do you follow?

Outside of the broad strokes of context, the music guided the final structure of the piece. Turku is a Turkish music group based in South Carolina. They are brilliant, and the moment I came across their percussion tracks I knew it was perfect for the concept.  The music has a flickering quality to it, and has wonderful changes in timing, perfect for the technique.

How long did it take you to complete the whole process? 

Beyond Nohtook roughly a year and a half, most of which was spent collecting photos.

You worked closely with Kaori Ishida on this film. How was your work together?

Kaori was the driving force behind making this film. She is a translator and cultural historian, and her knowledge helped me to craft the narrative of the piece. She critiqued and pushed me as an animator in new directions during the production. We are a good husband and wife team who have now made several animated films together.

Finally, can you tell me a bit more about yourself and how you came to make the film?

I’ve been making hand drawn animated short films since the 90’s. A few years ago, after the death of my parents, I found myself surrounded by meaningful objects.  My first object film “Gun Shop” started with photographing my fathers gun collection, and I expanded from there, visiting gun shops and museums. My second object film “Candy Shop” utilized the myriad of prescription pills that my mother had around the time of her death.

Are there any new projects already planned?

Yes. Kaori and I are currently seeking out, collecting, and photographing objects for another animation, this one addressing hero and gender roles. It’s a larger production and will take a few years.

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm “Beyond Noh

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