„Deine Strasse“ (2020)

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Kurzfilm / Schweiz / Dokumentation / 2020

Filmkritik: Der Schweizer Kurzfilm „Deine Straße“ von Güzin Kar ist eine gelungene Auseinandersetzung mit der Erinnerungskultur und ist nicht nur Teil des ‘Berlinale Shorts’-Programm, sondern konnte auch den Schweizer Filmpreis 2021 gewinnen.

1993 starben in Bonn bei einem rechtsextremen Angriff fünf Menschen darunter ein vierjähriges Mädchen. Dieses Ereignis ist aus den Köpfen (oder zumindest aus den öffentlichen Meinungsäußerungen) verschwunden. Nur eine Straße erinnert nur noch an das junge Opfer. Doch der Saime-Genç-Ring befindet sich am Rande der Stadt Bonn und ist nur die Adresse von Firmen. Die Regisseurin Güzin Kar hat diesen Ort besucht.

Die in der Schweiz aufgewachsene Filmemacherin Güzin Kar hat sich schon früh mit den Anschlägen in Bonn und anderem durch rechten Hass getriebenen Ereignissen beschäftigt und es fiel ihr auf, wie schnell diese aus dem allgemeinen Gedächtnis verschwinden. Warum ist dies nicht kein wirklicher Bestandteil der Gesellschaft, des Unterrichts und des Erinnerns? Mit diesen Fragen im Kopf machte sie sich auf nach Bonn, nachdem sie erfahren hatte, dass dort eine Straße nach einem der Opfer benannt wurde. Vor Ort war sie schockiert wie wenig diese Straße mit dem alltäglichen Leben zutun hat und wie so das Unangenehme aus der Stadt verbannt wird. Der Kurzfilm bringt die ZuschauerInnen nun dorthin. In knapp acht Minuten wandert sie die Straße entlang und fängt die vorherrschende Leere ein. Als Voice Over, gesprochen von der deutsch-schweizerischen Autorin Sybille Berg („GRM. Brainfuck“ (2019)), erzählt sie die Gedanken zu dem Ort und beschäftigt sich so mit der deutschen Erinnerungskultur. Mit einem minimalistischen Konzept, dem sachlichen Ansatzpunkt und einem sich wundernden Voice Over trifft sie ins Mark und erschüttert und bewegt. Mit dieser starken Dokumentation gewann sie u.a. den Schweizer Filmpreis und war auf zahlreichen Festivals zu Gast. 

Fazit: „Deine Straße“ ist eine Kurz-Dokumentation der Regisseurin Güzin Kar, die sich auf eindringliche, obwohl doch sehr minimalistische und sachliche Weise mit dem Erinnern an Opfer von rechter Gewalt beschäftigt. Dafür besucht sie eine Straße abseits Bonns, lässt ihren Gedanken freien Lauf, stellt die richtigen Fragen und geht damit dem Publikum unter die Haut.

Bewertung: 7,5/10

Trailer zum Kurzfilm „Deine Strasse“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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