Zehn Fragen an Nobuaki Doi

Interview: Im Gespräch mit dem Produzenten Nobuaki Doi konnten wir mehr über den Kurzfilm „My Exercise“ und das gleichnamige Spiel des japanischen Animationskünstlers und Filmemachers Atsushi Wada erfahren. Er erzählt, wie die Idee für beides geboren wurde, was Atsushis Stil auszeichnet und wie der Kurzfilm zum Spiel wurde. 

The original english language interview is also available.

Wie kam es zur Entwicklung des Kurzfilms „My Exercise“ und dem passenden Spiel dazu  – was war zuerst da?

Atsushi wollte eine Miniserie machen, die auf dem Verhalten von lustigen Tieren basiert und drehte eine Episode als Pilotfilm. Das war der Kurzfilm „My Exercise“. Dann schlug ich ihm vor, ein Spiel zu machen, das darauf basiert.

Nach welchen Gesichtspunkten wurden die beiden Figuren entwickelt?

Atsushi liebt Tiere schon seit langer Zeit. Er geht oft in einen Zoo, wenn er die Gelegenheit hat, und liebt es, andere Tiere in seinem Alltag zu beobachten. Er hat viele Ideen für lustige Situationen mit verschiedenen Tieren gesammelt und die Idee mit dem Hund war eine davon.

Erzähl mir mehr zur Umsetzung des Kurzfilms – was war visuell wichtig? Hier fiel mir besonders die Farbgestaltung auf.

Die Farbgebung ist hier besonders auffällig. Zuerst kommt die Situation, die ein Gefühl von Vertrautheit und Lustigkeit hervorrufen würde. Dann kommt die Geschichte. Was das Visuelle angeht, hat Atsushi immer von Anfang an eine klare Vorstellung von dem, was er machen will, außer bei der Farbwahl. Seine Frau Misa Amako ist eine Designerin, die für MUJI [Anm. d. Red.  japanische Lifestylekette] gearbeitet hat und ein gutes Gespür für Farben hat. Bei den letzten Filmen legte sie die Farbpalette fest.

Würdest Du sagen, Atsushi hat bereits seinen Stil gefunden? Referenziert er auf andere KünstlerInnen?

Das Streben nach dem Ausdruck der persönlichen Wohlbehaglichkeit kommt durch die molligen Figuren von Menschen und Tieren. Atsushi ist von buddhistischen Gemälden auf göttlichen Statuen wegen ihrer Plumpheit inspiriert.

Der Film gehört ja zu einer Reihe – Kannst Du mir mehr darüber erzählen?

Der Film sollte eine Serie werden, aber es gibt noch keine Pläne, mehr zu machen, während es einen Plan gibt, ein weiteres Spiel zu machen: „Katze“.

Jetzt würde ich gern noch mehr zur Spieleentwicklung erfahren – wie kam es zur Umsetzung und auch zur Zusammenarbeit u.a. mit Michael Frei („Kids“)?

Das Spiel wurde hauptsächlich von Ryoya Usuha, einem CG-Animationsfilmemacher, entwickelt. Er macht den Animationsfilm und das Spiel. Wir fragten ihn, ob er den Codes für das Spiel schreiben kann und er sagte zu. Playables (Michael Frei und Mario von Richenbach), unsere Kollaborateure, waren unsere langjährigen Freunde. Sie berieten uns gut, halfen uns, das Spiel fertigzustellen, und wurden unser Publisher für das Spiel.

Was war für das Spielprinzip wichtig – warum habt ihr euch für ein reines Klickspiel entschieden?

Wir hatten zu Beginn der Entwicklung des Spiels Tutoren (wir bekamen den unterstützenden Zuschuss mit professionellen Tutoren). Gabin Ito, einer der Tutoren, war ein Produzent für das Spiel „PaRappa the Rapper“, und er riet uns, uns auf eine sehr einfache Interaktion zu konzentrieren. Tatsächlich hat uns das sehr geholfen, denn das Spiel sollte von einem sehr kleinen Team entwickelt werden und es ist als Gameplay sehr effektiv.

Das Spiel ist schnell durchgespielt – doch man schaltet dann auch noch zusätzliche Figuren frei – war es die Intention, dass man es mehrmals durchspielt?

Wir haben das Spiel irgendwo zwischen Spiel und Kurzanimation gesehen: ein Kurzfilm mit Interaktion. Die Filme haben eine lineare Erzählung, während das Format des Spiels diese erweitern kann. Also haben wir einige versteckte Elemente eingebaut, nicht nur versteckte Charaktere, sondern auch einige seltsame Elemente (wie die Hundesicht, wenn der Junge in den Körper des Hundes eindringt). Wir hoffen, dass man das Spiel durch Anfassen sehen und fühlen kann.

Kannst Du am Schluss noch ein bisschen mehr zu Atsushi erzählen?

Atsushi wollte mit dem Konzept der Ma (Zeitabstände oder Intervalle in traditionellen japanischen Theatern) etwas ausdrücken. Er dachte einmal darüber nach, Komiker zu werden, indem er Sketche anfertigte, aber er entschied sich, Animation zu machen, weil diese aus unendlich vielen Intervallen zwischen den Zeichnungen besteht.

Sind bereits neue Projekte geplant? Wird es auch weitere Spiele geben?

Ein neuer Kurzfilm mit dem Titel „Bird in the Peninsula“ wird demnächst fertiggestellt. Der Film wird international von Frankreich und Japan koproduziert. Wie ich bereits erwähnt habe, haben wir den Plan, ein neues Spiel zu entwickeln. Es wird die Zusammenarbeit mit Playables sein. Unsere andere Idee ist es, einen Spielfilm für Kinder zu machen.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „My Exercise


Interview: In a conversation with producer Nobuaki Doi, we were able to learn more about the short film “My Exercise” and the game of the same name by Japanese animation artist and filmmaker Atsushi Wada. He tells us how the idea for both was born, what distinguishes Atsushi’s style and how the short film became a game. 

How did it come to the development of the short film “My Exercise” and the matching game – what came first?

Atsushi wanted to make a mini-series based on the behavior of funny animals and made one episode as a pilot. This was the short film “My Exercise“. Then I proposed to him to make a game based on this.

What led to the creation of the two characters?

Atsushi has loved animals for a long time. He often goes to a zoo when he has a chance and loves watching other animals in his daily life. He has collected many ideas for funny situations of various animals and the dog idea was among them.

Tell me more about the realization of the short film – what was visually close to your heart?

The color scheme is particularly striking here.  The situation that would provoke a sense of comfortableness and funniness comes first. Then the story comes next. About the visual, Atsushi always has a clear vision of what he wants to make from the beginning except for the choice of color. His wife Misa Amako is a designer who worked for MUJI and has a nice sense of colors. In recent films, she decides on the color palette.

How would you describe Atsushi’s style? Do you reference other artists?

Pursuing the expression of personal comfortableness with plump figures of humans and animals. Atsushi is inspired by Buddhist paintings on divine statues for its plumpness. (Atsushi likes plump figures.) 

The film is part of a series, right? Can you tell me more about it?

The film was intended to be a series, but still no plans to make more while there is a plan to make another game: cat.

I would also like to learn a bit more about game development – how did it come to the realization and also to the collaboration with Michael Frei (“Kids“), among others?

The game was mainly developed by Ryoya Usuha, a CG animation filmmaker. He makes the animation film and the game. We asked him if he wrote the codes for the game and he said ok. Playables (Michael Frei and Mario von Richenbach), our collaborators, were our long-time friends and they advised me a lot and helped us to finish the game and became our publisher for the game.

What was important to you in the gameplay – why did you decide on a pure click game?

We had tutors at the beginning of the development of the game (we got the supporting grant with professional tutors). Gabin Ito, one of the tutors, was a producer for the game PaRappa the Rapper, and he advised us to focus on a very simple interaction. Actually, it helped us a lot because the game should be developed by a very small team. and it is very effective as gameplay,

The game is played through quickly – but you also unlock additional characters – was it the intention that you play it several times?

We regarded the game somewhere between game and short animation: a short film with interaction. The films have a linear narrative while the format of the game can expand it. So we put some hidden elements, not only hidden characters but also some weird elements (like dog vision when the boy is going deep into the body of the dog). We hope people ca watch and feel the game by touching.

Can you tell a bit more about Atsushi at the end?

Atsushi wanted to express something with the concept of Ma (timings or intervals in traditional Japanese theaters). He thought about becoming a comedian one time by making sketches but he decided to make animation because it consists of infinite numbers of intervals between drawings.

Are there already new projects planned? Will there be more games?

A new short film called “Bird in the Peninsula” will be completed soon. The film is internationally co-produced by France and Japan. As I mentioned, we have a plan to make a new game. It will be a collaboration with Playables. Our other idea is to make a feature film for kids.

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the short film “My Exercise

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