„Minari – Wo wir Wurzeln schlagen“ (2020)

Filmkritik: Der amerikanische Spielfilm „Minari – Wo wir Wurzeln schlagen“ (OT: „Minari“, USA, 2020) war auf der 93. Oscarverleihung für zwei Oscars nominiert und gewann die Trophäe für die ‚Beste Nebendarstellerin‘. Der einfühlsame Film von Lee Isaac Chung erzählt die Geschichte von Selbstverwirklichung, familiäre Nähe und von dem großen amerikanischen Traum.

Das Ehepaar Jacob (Steven Yeun) und Monica Yi(Han Ye-ri) arbeitete jahrelang in einer Geflügelfabrik und will nun auf dem Land seinen eigenen Weg gehen. Dazu ziehen sie nach Arkansas und kaufen sich ein großes Stück Land, denn Jacob träumt davon koreanisches Gemüse anzubauen und damit eine Nische auf dem Markt zu erobern. Zusammen mit ihrem siebenjährigen Sohn David (Alan S. Kim), ihrer Tochter Anne (Noel Kate Cho) und dessen Großmutter Soon-ja (Yoon Yeo-jeong) beziehen sie eines kleines Haus und machen sich daran, das umgebende Land fruchtbar zu machen, wobei die ein oder andere Hürde gemeistert werden muss. 

Alan S. Kim und Noel Kate Cho

Der Regisseur Lee Isaac Chung (1978), selbst mit koreanischen Wurzeln, erzählt in seinem vierten Spielfilm „Minari“, für den er auch das Drehbuch schrieb, welches so auch autobiographisch gefärbt ist, eine klassische Geschichte des American Dream. Sich seinen eigenen Traum erfüllen zu können und so ein selbstbestimmtes Leben zu führen steht hier im Fokus der Geschichte und ebenso welchen Widrigkeiten man sich dafür stellen muss. Hinzu kommt das Heraufbeschwören der Kraft des familiären Zusammenhalts und genau in dieser Dynamik liegt die Stärke des Films. Denn die Schwierigkeiten bei der Erfüllung des ambitionierten Traums hat man schon in vielen Filmen gesehen, aber die Dynamik der einzelnen Familienmitglieder untereinander, und im Speziellen zwischen Enkel und Oma, prägt den Film maßgeblich und lässt die ZuschauerInnen sich schnell auf deren Seite schlagen. Hinzu kommt der gesellschaftliche Aspekt, dass die Familie Yi im Arkansas der 80er Jahre definitiv als Außenseiter betrachtet wird. Auch dies gehört zum klassischen Kanon solcher Art Geschichten hinzu, doch hier wird zusätzlich eingefangen, wie es sich für eine Familie anfühlt, die Kultur ihres Heimatlandes auch mit in die neue Heimat zu nehmen.

Will Patton und Steven Yeun

Chung hat seinen Film in wunderschönen Bildern voller Sonnenschein und ländlicher Idylle umgesetzt. Dabei schafft er es, die Zeit und auch das Gefühl des Aufbruchs wunderbar einzufangen. Das verdankt er natürlich auch seinem starken Cast. Vor allem der junge Alan S. Kim im Zusammenspiel mit Yoon Yeo-jeong als resolute Großmutter, welche dafür einen Oscar erhielt und wohl die amüsanteste Rede in diesem Jahr hielt, ist wunderbar. Die Eltern werden sehr gut von Han Ye-ri und Steven Yeun, den man vor allem aus „The Walking Dead“ (2010-2021) kennt, aber auch aus dem sehr eindringlichen koreanischen Film „Burning“ (2018), dargestellt. Der warmherzige Familienfilm, der im Grund eine klassische American Dream-Geschichte erzählt, wurde auf der letzten Oscarverleihung mit zwei Nominierungen bedacht, vermutlich weil er eine Gefühlspalette bediente, die wunderbar in die schwierige Zeit der Pandemie passte und die ZuschauerInnen damit mehr mit der Art der Erzählung und dem transportierten Gefühl als mit der Geschichte selbst mit auf die Reise nahm.  

Steven Yeun, Yuh-Jung Youn und Ye-Ri Han

Fazit: „Minari – Wo wir Wurzeln schlagen“ ist eine klassische Geschichte über die eigenen Träume und den Zusammenhalt einer Familie. Dabei legt der Film von Lee Isaac Chung Wert auf ruhige Töne, schöne Bilder und involviert die ZuschauerInnen in dem gelungenen Miteinander seiner sympathischen Figuren, welche hier einen neuen Weg einschlagen möchten. 

Bewertung: 7,5/10

Kinostart: 15.7.2021 / DVD-Start: 28. Juni 2021

Trailer zum Film „Minari – Wo wir Wurzeln schlagen“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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