„My Uncle Tudor“ (2020)

Doreen Kaltenecker
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Kurzfilm / Belgien, Portugal, Ungarn / Dokumentation / 2020

Filmkritik: Der Siegerfilm des ‚Berlinale Shorts‘-Programms der 71. Berlinale 2021 war der Dokumentarfilm „My Uncle Tudor“ (OT: „Nanu Tudor“) von Olga Lucovnicova, der Impressionen eines scheinbar unbeschwerten Sommers mit traumatischen Kindheitserfahrungen zusammenbringt.

Die Filmemacherin besucht ihre Verwandten auf dem Land. So verbringt sie die Zeit in der sommerlichen Hitze mit ihren Tanten im Garten. Auch ihr Onkel Tudor ist da und sie spricht ihn offen auf die Ereignisse an, welche sie seit ihrer Kindheit nicht mehr loslassen und konfrontiert ihn mit seiner Schuld.

Die moldawische Filmemacherin Olga Lucovnicova (*1991) erzählt in ihrem 20-minütigen Kurzfilm von einer Konfrontation mit ihrem Onkel und wie sie ihn für das Trauma, das er ihr zugefügt hat, verantwortlich macht. Doch dafür wählt sie keinen klassischen Täter-Opfer-Rahmen, in dem eine klare Anklage ausgesprochen wird, sondern bettet es in ein familiäres Miteinander ein. So erzählt sie ihre sehr persönliche Geschichte auch in sommerlichen Bildern des Alltags, bei denen man die Hitze und auch die typische Trägheit solcher Tage spüren kann. Gerade am Anfang bleibt der Film so auch regelrecht banal, da er sich nur mit dem Alltäglichen beschäftigt. Erst mit der Konfrontation des Onkels bekommen diese Bilder eine andere Wirkung. Das familiäre Beieinander am Esstisch erhält dadurch eine neue Gewichtung. So erleben die Zuschauer:innen hier eine Art der Traumaaufarbeitung – nicht laut und anklagend, sondern ruhig und gerade dadurch entfaltet sich eine enorme Wucht. So verwundert es nicht, dass dieser Kurzfilm auf der 71. Berlinale 2021 mit dem Goldenen Bären für den ‚Besten Kurzfilm‘ ausgezeichnet wurde und jetzt eine erfolgreiche Festivaltour absolviert.

Fazit: „My Uncle Tudor“ ist der Gewinner des ‚Berlinale Shorts‘-Programms der 71. Berlinale 2021 und ein Dokumentarfilm, der sich auf andere Weise mit dem eigenen Trauma der Regisseurin Olga Lucovnicova widmet. In sommerlicher Schwüle konfrontiert sie ihren Onkel mit den Missbrauchsvorfällen und fängt zugleich die Alltäglichkeit eines Sommerurlaubs ein. Dieser Kontrast bestärkt die Anklage auf ihre Art und trägt viel zur eindringlichen Stimmung des Films bei.

Bewertung: 7/10

Trailer zum Kurzfilm „My Uncle Tudor“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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