„Pure“ (Staffel 1, 2019)

Serienkritik: Die britische Miniserie „Pure“, welche in sechs Folgen konzipiert ist und in der ZDF Mediathek zu sehen war, handelt von einer jungen Frau, einer außergewöhnlichen Krankheit und zeigt hautnah aus ihrer Sicht, wie diese ihr Leben beeinflusst. 

Marnie (Charly Clive) ist Anfang Zwanzig und hat bisher ein zurückgezogenes Leben in einer Kleinstadt in Schottland geführt. Doch ihre zwanghaften Gedanken, bei denen sie sich alle und das ständig bei sexuellen Handlungen vorstellt, treiben sie in die Flucht nach London. Dort angekommen versucht sie sich zuerst abzulenken – Alkohol ist ihr dabei ein guter Freund – und dann einfach ihre Gedanken auszuleben. Doch so einfach funktioniert es nicht, stattdessen lernt sie Menschen kennen, wie Joe (Anthony Welsh), Amber (Niamh Algar) und Charlie (Joe Cole), der selbst unter einer Sucht leidet und der sie endlich auf die richtige Spur bringt. Denn Marnie ist nicht sexsüchtig, sondern leidet unter der seltenen psychischen Krankheit Pure-O.

Anthony Welsh, Charly Clive und Joe Cole

Basierend auf dem autobiographischen Roman „Pure“ von Rose Cartwright erzählt die Serienautorin Kirstie Swain, die auch mit hinter der Serie „Run“ steckt, die Geschichte der 24-jährigen Marnie. In insgesamt 210 Spielminuten und auf sechs Folgen verteilt begleiten wir die Protagonistin durch das für sie unbekannte London und man sieht, wie sie von einem Fettnäpfchen ins nächste manövriert. Durch ihre Zwangsstörung ist es ihr einfach unmöglich einer Arbeit nachzugehen oder soziale Kontakte auf normalem Wege zu führen. Doch in London bietet ihr neue Menschen und eine Therapie eine Art Ausweg, doch bis dahin vergehen noch viele Momente, in denen sich die ZuschauerInnen zusammen mit Marnie unwohl fühlen. Denn vieles von dem, was sie denkt, wird auch bebildert. So sehen wir in ungeschönten Szenen diverse Menschen, wie sie ihrer Umwelt sexuell begegnen, ob sie nun mit anderen Menschen interagieren (besonders eindringlich ist hier die Partyszene am Anfang der Serie) oder Alltägliches sexualisiert wird. Schnell wird dem Publikum klar, dass man nicht in Marnies Haut stecken möchte. Doch die Schwäche der Serie ist, dass man als ZuschauerIn ihre vielen Fehltritte nicht wirklich nachvollziehen kann. Denn auch über die Zeit scheint sie kaum dazuzulernen und so unangenehmen Situationen aus dem Weg zu gehen. Dadurch entstehen viele Fremdschämmomente, die nicht hätten sein müssen. Doch ansonsten birgt die Serie eine gute Mischung aus Humor und Drama. Oft fällt dazu der Vergleich mit der wunderbaren Serie „Fleabag“ (2016-2019), aber „Pure“ schafft es nicht an die perfekte Erzählart und Einmaligkeit heranzureichen. Der Cast – besetzt mit weitgehend unbekannten DarstellerInnen wie Charly Clive, Joe Cole, Niamh Algar und Anthony Welsh – ist aber auch hier eine Stärke der Serie. Hier wurde eine Clique geschaffen, deren Figuren eben keine Abziehbilder sind, sondern die sich sehr

Charly Clive

real anfühlen. So überzeugt die Serie im Gesamten und bringt damit dem Publikum auf sympathische Weise ein unbekanntes Krankheitsbild näher. Sie schafft es, eine gute Balance zwischen dramatischen und humorvollen Szenen zu halten und besticht auch mit einer sehr expliziten Bildsprache, welche die Krankheit so auch visuell einfängt.

Fazit: Die britische Serie „Pure“ aus der Hand von Kirstie Swain beschäftigt sich, nach einem Roman von Rose Cartwright, auf sympathische Weise mit der seltenen psychischen Störung Pure-O, indem sie die Zwangsgedanken einer jungen Frau für das Publikum sichtbar macht. So entstehen viele unangenehme, wenn auch teilweise humorvolle Szenen, welche die weitgehend unbekannte Krankheit bebildern und die ZuschauerInnen ganz nah teilhaben lässt. 

Bewertung: 4/5

Trailer zur Staffel 1 der Serie „Pure“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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