„Candyman“ (2021)

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Filmkritik: Der Horrorfilm-Klassiker „Candyman“, der bereits bei seiner Erscheinung 1992 gesellschaftskritische Untertöne besaß, wurde nun von der Regisseurin Nia DaCosta neu aufgelegt. Dabei steht das Remake „Candyman“ (2021, USA) ganz im Sinne der Black-Lives-Matter-Bewegung und beschäftigt sich mit den realen Schrecken der amerikanischen Gesellschaft. 

Die Galeristin Brianna Cartwright (Teyonah Parris) und ihr Freund, der Künstler Anthony McCoy (Yahya Abdul-Mateen II), wohnen in einer schicken Wohnung im ehemaligen armen Viertel Cabrini Green in Chicago. Als ihnen Briannas Bruder Troy (Nathan Stewart-Jarrett) eines Abends die Geschichte vom Candyman erzählt, der mittlerweile zu einem urbanen Schreckensmythos geworden ist, ist Anthony fasziniert davon und begibt sich auf die Recherche. Dabei begegnet ihm William (Colman Domingo), der ihn mehr über den Mythos und dessen Ursprünge erzählen kann. Wie besessen macht er sich daran seine Eindrücke in seine Kunst einfließen zu lassen. Als die ersten unerklärlichen Morde passieren, scheint er sich schon ganz dem Mythos verschrieben zu haben.

Teyonah Parris

Unter der Produktion von u.a. Jordan Peele („Get out“ (2017), „Wir“ (2019)) war es genau die richtige Zeit um den Candyman, der schon immer ein Spiegel der Gesellschaft war, neu aufzulegen. Die Regisseurin Nia DaCosta (*1989), welche gemeinsam mit Win Rosenfeld und Jordan Peele auch das Drehbuch schrieb, wandelt den Horrorklassiker in ein zeitgenössisches Schreckgespenst um. Auch dieser Film basiert auf der Kurzgeschichte „Das Verbotene“ (OT: „The Forbidden“, 1992) von Clive Barker und sie sehen ihren Film nach eigenen Aussagen als spirituelle Fortsetzung des ersten Films von 1992. Zwar gibt es auch hier einiges an Blut und Splattereffekten, aber der Fokus liegt, wie man es von Peeles Filmen auch schon gewöhnt ist, auf ernsthaften, sozialen Themen. Dabei steht Rassismus, der sich über Generationen festigt und seine Blüten weit treibt, im Fokus der Geschichte. Aber es werden auch Themen wie Gentrifizierung, Stadtentwicklung, Beziehungsdynamiken, die Kunstszene und persönliche Entwicklungen eingebaut. Durch die bekannte Geschichte und die in einem gewissen Maße vorhersehbaren Tode kommt im gesamten Film keine Gruselstimmung auf, aber trotzdem genug Spannung, um die ZuschauerInnen zu fesseln. DaCosta benutzt das Horrorgenre wofür es schon immer verwendet wurde: Um Sozial- und Gesellschaftskritik zu äußern. Nur tritt es dieses Mal, aufgrund der vorangegangenen Black Live Matter Bewegung, viel deutlicher in der Vordergrund und in dieser Hinsicht funktioniert der Film auch sehr gut, der sich für diesen Zwecke auch ein paar Überspitzungen leisten darf. 

Yahya Abdul-Mateen II

Handwerklich ist der neue „Candyman“ gelungen umgesetzt. Die Rückblicke in die Geschichte des Candyman sind in Schattenspielen erzählt, während die Realität auch nicht, wie es sich auch für einen Horrorfilm dieser Art gehört, vor blutigem Splatter zurückschreckt. Die Locations schmiegen sich wunderbar an die Geschichte an und erzählen diese zwischen High-Society-Kunstgalerien und heruntergekommenen Sozialbauten. Zudem gibt es die eine oder andere Referenz zu Horrorklassikern, u.a. kann man den ehemaligen Hauptdarsteller Tony Todd in einer kurzen Szene sehen. Die Besetzung ist hervorragend mit bisher eher unbekannten DarstellerInnen gelungen. Yahya Abdul-Mateen II in der Hauptrolle schafft es überzeugend, die Wandlung vom gut situierten Maler zu einem psychisch stark angeknacksten Mann darzustellen. Auch wenn hier kaum Horror im klassischen Sinne eingebaut wurde, nimmt einen die Geschichte stark in den Bann und schafft es über dieses Genre seine eigentliche Botschaft gut zu vermitteln, so dass „Candyman“ als eigenständiges Werk betrachten werden sollte, das kein Remake, sondern eine Erweiterung des Kosmos dieser Figur sein möchte.

Yahya Abdul-Mateen II

Fazit: Die Neufassung „Candyman“, basierend auf der gleichen Vorlage, ist zum einen eine Verbeugung vor dem bekannten Filmklassiker, stellt darüber hinaus aber eine zeitgenössische Interpretation des Stoffes da, welche aktuelle Themen einbaut und zum Kern der Geschichte macht. Dabei verzichtet die Regisseurin Nia DaCosta oft auf die klassischen Horrorelemente des Genre und erzählt trotz des ein oder anderen blutigen Mordes mehr ein Drama unserer Zeit als einen puren Horrorschocker. 

Bewertung: 7/10

Kinostart: 26. August 2021 / DVD-Start: unbekannt

Trailer zum Film „Candyman“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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