„A River Runs, Turns, Erases, Replaces“ (2021)

Filmkritik: Die in Amerika lebende Regisseurin Shengze Zhu kehrt mit ihren Filmen oft in ihre Heimat Wuhan (China) zurück. So auch in ihrem poetischen Film „A River Runs, Turns, Erases, Replaces“ (OT: „A River Runs, Turns, Erases, Replaces“, USA, 2021), in dem sie die Veränderungen in ihrer Heimatstadt über fünf Jahre festhält und dafür einen eigenen Weg findet.

Wuhan ist eine der größten Städte Chinas, hat es sich auf die Fahne geschrieben, sich stetig zu verändern, und folgt diesem Motto treu. All jene neuen Bauprojekte und Entwicklungen der Riesenmetropole kann man von den Ufern des großen Flusses Jangtsekiang im Zentrum beobachten. Beginnend mit dem Ankündigung des Endes des Lockdowns im April 2020 bewegen wir uns rückwärts in der Zeit, während Briefe die Verluste der Gegenwart ins Gedächtnis rufen.

Der 87-minütige Film „A River Runs, Turns, Erases, Replaces“ ist eine gelungene Mischung aus experimentellem Erzählstil, poetischer Herangehensweise und dokumentarischen Filmaufnahmen. Seit 2016 kehrt die in China geborene Regisseurin Shengze Zhu immer wieder in ihren Geburtsort zurück. Jedes Mal ist etwas anders – nur der Jangtsekiang bleibt in seiner gewaltigen Größe eine feste Konstante. Ohne jegliches Voice Over fängt sie in statischen Bildern über die Jahre Szenen an dem Fluss auf, welche in einem starken Kontrast zum Anfang des Films, der uns menschenleere Straßen zeigt, stehen. Die ständige Veränderung wird nicht direkt durch die Bilder veranschaulicht, sondern indem Stellen gezeigt werden, wo Bauten neu aus dem Boden gestampft wurden. Die Geräusche, die man als ZuschauerIn hört, sind meistens intensiv und erzeugen eine laute Atmosphäre. Die Quellen sind dabei nie zu sehen. Als Untertitel werden vier Briefe, welche während der Corona-Zeit geschrieben wurden, eingeblendet. Diese schwer zuordenbaren Texte erzeugen eine tiefe Melancholie und verleihen den dokumentarischen Aufnahmen, welche meist aus größerer Entfernung architektonische Szenen mit vielen Menschen, klein wie Ameisen, zeigen, eine düstere Stimmung. Passend dazu sind die Bilder grau- und blaufarbig dominiert. So entstand ein melancholischer, poetischer Film, der sich einer schönen, andersartigen Filmsprache bedient und es so wunderbar schafft, starke meist eher schwermütige Gefühle bei den BetrachterInnen zu evozieren.

Fazit: Der Essay-ähnliche Film „A River Runs, Turns, Erases, Replaces“ verbindet dokumentarische Aufnahmen der Stadt Wuhan und des Flusses Jangtsekiang mit der Schnelllebigkeit der städtischen Entwicklung. Untermalt von lärmenden Geräuschen und Untertiteln von Briefen voller Erinnerungen und Trauer schuf die Regisseurin Shengze Zhu einen unter die Haut gehenden, melancholischen Film und zeigt, auf welche Weise man sich auch seiner Heimat nähern kann.

Bewertung: 8/10

Trailer zum Film „A River Runs, Turns, Erases, Replaces“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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