„It’s never Nighttime in the Map“ (2020)

Kurzfilm / Brasilien / Dokumentation / 2020

Filmkritik: Der brasilianische Experimentalfilm „It’s never Nighttime in the Map“ (OT: „Nunca e Noite no Mapa“) von Ernesto de Carvalho, gesehen im Programm ‚Pop up – Photofilm‘ auf dem 33. Filmfest Dresden 2021, beschäftigt sich auf clevere Weise mit dem Staat und der Polizeigewalt im Land.

Die Google-Streetview-Karte nimmt über die Jahre die Stadt Olinda im Osten Brasiliens immer wieder auf, hält Veränderungen fest, dokumentiert alles, was an diesen Tagen zu sehen war und bleibt stets neutral und auf ihre Weise distanziert.

Seit dem Jahr 2010 fahren auf den brasilianischen Straßen die Google Maps Autos herum und nehmen Straßenzüge und Menschen auf. So findet sich auch der Filmemacher Ernesto de Carvalho in einem dieser Bilder wieder. Doch was sieht Google noch? Worüber sieht auch Google hinweg? So wendet sich die Geschichte von einer persönlichen Betrachtung hin zu den gesellschaftlichen Verhältnissen und zu einer Regierung und Polizeiapparat, der so nicht funktioniert. Der Staat scheint wie Google wegzuschauen, wenn Ungerechtigkeit und Polizei-Gewalt passieren. Mit seiner Metapher trifft es der Regisseur den Nagel auf den Kopf. Zudem verwendet er für seinen Dokumentarfilm auf gelungene Weise nur Google-Streetview-Aufnahmen und regt im Gesamten auf diese Weise zum Entdecken, Nach- und Umdenken an. 

Fazit: Der experimentelle Dokumentarfilm „It’s never Nighttime in the Map“ erzählt seine Geschichte nur über Googles Street-View-Aufnahmen. Mit diesen beginnt der brasilianische Filmemacher Ernesto de Carvalho zu sinnieren und über die Gesellschaft, die Polizeimacht und den Staat nachzudenken. So entstand ein systemkritischer Film, der sich eines außergewöhnlichen Ansatzes bedient und damit im Gedächtnis bleibt.

Bewertung: 7/10

Schau Dir den Kurzfilm „It’s never Nighttime in the Map“ hier an:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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