„The Bones“ (2021)

Kurzfilm / Chile / Animation / 2021

Filmkritik: Der Kurzfilm „The Bones“ (OT: „Los huesos“) von Joaquín Cociña und Cristóbal León, der auf dem 64. DOK Leipzig seine Deutsche Premiere feierte und u.a. von Ari Aster produziert wurde, krempelt die Filmgeschichte um und ist ein Film zum ersten chilenischen Stop-Motion-Werk der Filmgeschichte.

Ein Puppe, ein junges Mädchen mit Zöpfen, erwacht zum Leben, und mit ihr zwei Leichen aus der chilenischen Geschichte – Diego Portales und Jaime Guzmán. Sie übernimmt die Steuerung der beiden und so auch die Geschicke des Landes in die Hand.

Die beiden Filmemacher Joaquín Cociña (*1980) und Cristóbal León (*1980), die bereits seit 2007 zusammen Projekte realisieren, erzählen in ihrem Animationsfilm von der Entdeckung des ersten Animationsfilms der Filmgeschichte aus dem Jahr 1901. Darin werden mit klassischen Puppentrick-Animationen, angelehnt an Władysław Starewicz’ Trickfilmexperimente mit Insekten, zwei ‚Leichen‘ und eine Puppe zum Leben erweckt. Natürlich in Schwarz-Weiß gehalten und mit der richtigen Körnung (fotografiert auf 16mm) versehen, werden die ZuschauerInnen in den arrangierten, historischen Animationsfilm hineingezogen. Die Geschichte selbst spielt mit der Vergangenheit des Landes, in dem Diego Portales, ein Vertreter der Oligarchie, und Jaime Guzmán, Gefolgsmann des Diktators Pinochets, zum Leben erweckt werden und deren Leben nun in der Hand des kleinen Mädchens liegen. Die Bilder, welche die beiden Regisseure finden, sind dabei alptraumhaft. Die Puppe sowie das Spiel mit den beiden ‚echten‘ Leichen ist unheimlich und so verwundert es auch nicht, dass sie den Horrorfilm-Regisseur Ari Aster, der sich mit Filmen wie „Hereditary – Das Vermächtnis“ (2018) und „Midsommar“ (2019) einen Namen gemacht hat, für sich gewinnen konnten. Durch und durch ist „The Bones“ eine Entdeckung wert, lädt zum Erschaudern in vielerlei Hinsicht ein und besticht mit seinem faszinierenden, fiktiven Rückgriff auf die Filmgeschichte.  

Fazit: „The Bones“ ist ein Kurzfilm der beiden Filmemacher Joaquín Cociña und Cristóbal León. Mit handgemachten Stop-Motion-Effekten, einem Stil, der Filmen Anfang des 20. Jahrhunderts gleicht, sowie dem entsprechenden Filmmaterial schufen sie den scheinbar ersten Animationsfilm der Filmgeschichte, erzählen gleichzeitig ihre Landesgeschichte und schufen so ein alptraumhaftes, faszinierendes Werk.

Bewertung: 8/10

Trailer zum Film „The Bones“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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