„Kopf Faust Fahne – Perspektiven auf das Thälmanndenkmal“ (2021)

Filmkritik: Die deutsche Filmemacherin Betina Kuntzsch spürt in ihren Kurzfilmen wie „Wegzaubern“ (2015) und „Halmaspiel“ (2017) immer wieder der deutschen Geschichte nach und findet dafür verschiedene kreative Ansätze, Erzählformen und Perspektiven. In ihrem nun 47-minütigen Dokumentarfilm „Kopf Faust Fahne – Perspektiven auf das Thälmanndenkmal“ (Deutschland, 2021) bedient sie sich genau dieser Methoden und nähert sich in zehn Segmenten dem Berliner Denkmal an.

In Berlin Prenzlauer Berg wurde 1986 das Ernst-Thälmann-Denkmal errichtet, das als Zeichen für die Kraft und Ideale der Arbeiterklasse in der DDR stehen sollte. So besteht das 50 Tonnen schwere Bronzedenkmal aus einem gigantischen Kopf, einer Faust und der Arbeiterfahne. Was kann das Denkmal über seine Zeit erzählen? Wie hat sich seine Umgebung entwickelt und was soll nun mit dem Denkmal passieren? All diesen Fragen geht die Regisseurin Kuntzsch aus verschiedenen Blickwinkeln nach und beleuchtet immer wieder neue Aspekte.

Die erfahrene Filmemacherin Betina Kuntzsch, Jahrgang 1963, ist bisher mit ihren starken Kurzfilmen aufgefallen und konnte u.a. auf dem DOK Leipzig 2015 mit „Wegzaubern“ die Goldene Taube für den besten animierten Dokumentarfilm gewinnen. In ihrem 47-minütigen Dokumentarfilm, der auf dem 64. DOK Leipzig lief, erzählt sie in zehn Episoden die Geschichte des Denkmals. Dabei wählt sie verschiedene Ansätze. In der Episode ‚Flocke‘ berichtet sie aus ihrer Sicht von der Kindheit in der DDR und dem Aufwachsen in diesem Viertel. In einer anderen Episode unterhält sie sich mit einem Rentner, der seit Jahrzehnten in einem Wohnblock im Thälmannpark nahe des Denkmals wohnt und über die Entwicklungen über die Jahre berichtet. Ein anderer Blick richtet sich auf die Biographie des dargestellten Ernst Thälmanns, eine weiterer erkundet die aktuelle Situation vor Ort. So entstand ein gelungenes Panoptikum und Zeitportrait, das seine Erzählungen um das Denkmal kreisen lässt, aber trotzdem den Blick auch schweifen lässt und dadurch auch etwas von der deutschen Geschichte per se erzählt. So bekommt das Publikum einen abwechslungsreichen, sehr informativen und unterhaltsamen Dokumentarfilm präsentiert, der die Kunstdenkmäler, die man oft ignoriert, neu bewerten lässt und ein spannendes Stück Zeitgeschichte erzählt.

Fazit: Der in zehn Episoden unterteilte Dokumentarfilm „Kopf Faust Fahne – Perspektiven auf das Thälmanndenkmal“ ist ein gelungenes Sammelsurium an informativen und unterhaltsamen Geschichten rund um das Berliner Denkmal. Dabei schafft es die Regisseurin Betina Kuntzsch in ihrem unverwechselbaren Stil das Publikum in die Geschichten zu involvieren, so dass man nicht nur klüger, sondern auch gut unterhalten aus diesem Film geht. 

Bewertung: 8/10

Trailer zum Film „Kopf Faust Fahne – Perspektiven auf das Thälmanndenkmal“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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